Zur Sommerbilanz 2023 des DWD: Mitten im Klimawandel

30.08.2023 - Der Deutsche Wetterdienst hat seine Sommerbilanz 2023 vorgestellt. PIK Forscher Fred Hattermann kommentiert: "Die diesjährigen Niederschläge können das Niederschlagsdefizit, welches sich über die letzten Jahre angesammelt hat, nicht kompensieren."
Zur Sommerbilanz 2023 des DWD: Mitten im Klimawandel
Foto: Marina Reich/Unsplash

Hierzu Fred Hattermann, Hydrologe am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK):

"Die Sommerbilanz des Deutschen Wetterdienstes unterstreicht, dass wir uns mitten im Klimawandel befinden. Wobei der Sommer zwar wärmer als im langjährigen Durchschnitt, aber auch feuchter ausgefallen ist. Dadurch konnten sich die Oberböden, die durch die lange Dürre im ausgehenden Frühling und beginnenden Sommer sehr trocken waren, wieder auffüllen. Die tieferen Bodenschichten bleiben allerdings in vielen Regionen Deutschlands, insbesondere im Osten und Süden, ungewöhnlich trocken.

Die diesjährigen Niederschläge können das Niederschlagsdefizit, welches sich über die letzten Jahre angesammelt hat, nicht kompensieren. Und dadurch, dass auch dieser Sommer wärmer war als im Durchschnitt und auch die Strahlung stark zugenommen hat, wächst der Wasserbedarf der Vegetation stetig, und wir müssten also jedes Jahr mehr Niederschläge bekommen, um dies zu kompensieren.

Zusätzlich haben wir teils extreme Niederschläge gesehen, insbesondere im Süden Deutschlands, auch wenn unsere südlichen Nachbarn wie Österreich, der westliche Balkan und Italien noch schwerer getroffen wurden. Diese Niederschlagsmassen stammen aus der Mittelmeerregion, wo die Wasseroberflächentemperaturen sehr hoch sind. Dadurch verdunstet sehr viel Wasser, und die daraus entstehenden Wolken und das zugehörige Tiefdruckgebiet ziehen über die Adria und über den Balkan nach Nordosten. Auch in den letzten Tagen konnte man diese Zugbahn der Niederschläge wieder beobachten. Treffen diese warmen Luftmassen auf Hindernisse wie Berge oder auch eine Kaltfront, so gleiten sie auf - es kann zu sehr starken Niederschlägen kommen. Feuchte Luftmassen aus dem Mittelmeerraum waren z.B. auch eine wesentliche Ursache für die meisten wiederholt auftretenden Hochwasser an Oder, Elbe und Donau, aber auch 2021 in Westdeutschland.

Seit Juni 2023 war jeder folgende Monat global gesehen der wärmste jemals beobachtete. Mit dem beginnenden El Niño, welcher zu überdurchschnittlichen Oberflächentemperaturen im südlichen Pazifik führt, besteht die Gefahr, dass wir auch im nächsten Jahr weitere Extreme sehen werden und vielleicht die globale Erwärmung erstmals 1.5°C überschreiten wird.

Umso wichtiger ist es, dass wir den weiteren Klimawandel bremsen, und ebenso, dass wir uns an den bestehenden anpassen."

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