Makroökonomische Modellierung von Klimaschutzpfaden und Klimafolgen

 
Makroökonomische Modellierung von Klimaschutzpfaden und Klimafolgen
Foto: Chuttersnap/Unsplash

Die Entwicklung von Volkswirtschaften und Gesellschaften hängt in vielfältiger Weise mit dem Klimawandel zusammen. Das Verständnis dieser Zusammenhänge ist eine Voraussetzung für fundierte klimapolitische Entscheidungen. Die makroökonomische Modellierung ist zwar ein integraler Bestandteil der integrierten Bewertungsmodelle des Klimawandels, jedoch fehlt im Allgemeinen die erforderliche sektoralen und soziale Auflösung, um mehr als nur ein sehr grobes Verständnis der Entwicklungs- und Verteilungseffekte der Klimapolitik und der Klimafolgen zu vermitteln. Darüber hinaus sind Bewertungsstudien bisher nicht in der Lage, Minderungen, Auswirkungen und Anpassung sinnvoll zu integrieren.

Arbeitsgruppenleiter:

Marian Leimbach


Publikationen:

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Diese Arbeitsgruppe zielt auf ein besseres Verständnis der Wechselbeziehungen zwischen Wirtschaftswachstum, Vermögensverteilung, Auswirkungen des Klimawandels und Klimaschutzmaßnahmen ab. Die übergeordnete Forschungsfrage beschäftigt sich mit den Entwicklungsperspektiven von Gesellschaften, Volkswirtschaften und verschiedenen sozialen Gruppen unter verschiedenen Szenarien der Stabilisierung des Klimawandels. Unsere Forschung konzentriert sich auf vier Themen:

(i) Wirtschaftliche Klimafolgen

Wir verfolgen die Integration neuartiger Schadensfunktionen in „Integrated Assessment“–Modellen. Das schließt sowohl Schadensfunktionen aus der Literatur mit ein als auch solche, die wir in Zusammenarbeit mit ISIMIP und der Gruppe zur ereignisbasierten Modellierung der wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels entwickeln. Wir setzen einen besonderen Schwerpunkt auf Ansätze, die pfadspezifische Schäden (z. B. auf Produktion, Kapital, Arbeitsproduktivität) berücksichtigen und solche, die durch spezielle biophysikalische Klimawirkungen (z.B. tropische Wirbelstürme und Überschwemmungen) verursacht werden.

(ii) Ungleichheit und nachhaltige Entwicklung

Basierend auf unserem REMIND-MAgPIE Modellsystem zu integrierten Szenarienanalyse untersuchen wir Ungleichheit und Verteilungseffekte durch Klimafolgen und Klimaschutz auf nationaler und globaler Ebene. Eine Verknüpfung zur Mikromodellierung erfolgt durch die Entwicklung eines Haushaltsmodells, das die wechselseitigen Übergänge in und aus der Armut aufgrund der Folgen von Extremereignissen untersucht. Wir erweitern die Forschung zu Verteilungseffekten und Ungleichheit durch Studien zur nachhaltigen Entwicklung, bei denen wir in Zusammenarbeit mit anderen Arbeitsgruppen Indikatoren der nachhaltigen Entwicklungsziele der UN quantifizieren.

(iii) Strukturwandel

Wir untersuchen, wie der makroökonomische Strukturwandel (d. h. der Übergang von einer landwirtschaftlichen Wirtschaft über eine industrielle zu einer dienstleistungsorientierten Wirtschaft) mit dem Klimawandel interagiert. Wir fragen zum Beispiel, inwieweit der Anstieg der industriellen Aktivitäten, die für ein langfristiges Wachstum in Entwicklungsländern erforderlich sind, durch Klimaschäden und klimapolitische Anforderungen, die die Kosten der Industrieproduktion erhöhen, beeinflusst wird. Basierend auf fundierten konzeptionellen und empirischen Arbeiten entwickeln wir ein multisektorales Wachstumsmodells als wichtiges Instrument für quantitative Szenarioanalysen.

(iv) Globale und regionale Märkte

Uns interessieren die Auswirkungen der Klimapolitik auf Handelsvorteile (terms-of-trade) und Kapitalströme. Diese Forschung zielt zum einen darauf ab, die Darstellung unvollständiger Kapitalmärkte in integrierten Bewertungsmodellen voranzutreiben. Andererseits wollen wir bilaterale Handelsströme für Teile des Energiehandels modellieren, von denen erwartet wird, dass sie die größten Reaktionen aufgrund von Klimapolitik zeigen.

Unsere Forschung wird zu Ergebnissen führen, die potenziell die Grenzen der Klimaökonomie verschiebt. Langfristiges Ziel der Forschung ist es, den bestehenden Rahmen für die integrierte Bewertung zu verbessern, Klimaschutzmaßnahmen und Klimafolgen zu integrieren und die Heterogenität sozialer Gruppen zu berücksichtigen. Dies wird den Anwendungsbereich der Folgenabschätzungsanalysen erweitern, eine echte integrierte Bewertung mit modernsten Schadenskomponenten ermöglichen und die Robustheit und Glaubwürdigkeit der Ergebnisse erhöhen. Nachhaltige Entwicklungspfade können so besser eingeschätzt und die Qualität der politischen Entscheidungsfindung verbessert werden.