Klima-Beirat empfiehlt in neuem Bericht stärkere EU-Anpassungspolitik

17.02.2026 - Der Europäische Wissenschaftliche Beirat zum Klimawandel, unter Vorsitz von Ottmar Edenhofer, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), empfiehlt in einem neuen Bericht, den politischen Rahmen der EU für eine wirksame und kohärente Anpassung an den Klimawandel deutlich zu stärken. Angesichts wachsender und zunehmend systemischer Klimarisiken sei ein Ausbau der Anpassungspolitik dringend erforderlich, heißt es in dem Bericht „Strengthening resilience to climate change – Recommendations for an effective EU adaptation policy framework“.
Klima-Beirat empfiehlt in neuem Bericht stärkere EU-Anpassungspolitik
Die Auswirkungen des Klimawandels verschärfen sich in Europa. Bild: Adobe stock/Polack

Die globale Durchschnittstemperatur liegt derzeit bei rund 1,4 °C über dem vorindustriellen Niveau. Europa erwärmt sich etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Steigende Temperaturen führen zu häufigeren und intensiveren Klimaextremen wie Hitzewellen, Dürren, Waldbrände, Überschwemmungen, Meeresspiegelanstieg und Küstenerosion.

Der Bericht betont die Notwendigkeit eines abgestimmten und koordinierten Vorgehens über Politikbereiche und Governance-Ebenen hinweg. Anpassungsmaßnahmen auf lokaler und nationaler Ebene bleiben zentral. Gleichzeitig sind viele Klimarisiken grenzüberschreitend und betreffen Lieferketten, kritische Infrastrukturen sowie finanzielle und ökologische Systeme.

Der Beirat legt fünf Empfehlungen zur Weiterentwicklung der EU-Politikprozesse vor.

  1. Klimarisikoanalysen in EU-Politik und Mitgliedstaaten verbindlich vorschreiben und harmonisieren, unter Nutzung gemeinsamer Klimaszenarien und methodischer Standards.
  2. Eine gemeinsame Referenz für die Anpassungsplanung entwickeln, um sich auf Klimarisiken vorzubereiten, die mit einer globalen Erwärmung um 2,8 bis 3,3 °C bis 2100 vereinbar sind, da Europa derzeit etwa 1 °C wärmer ist als der globale Durchschnitt. Dies sollte durch die systematische Verwendung ungünstigerer Szenarien für Stresstests ergänzt werden.
  3. Eine klare Vision für eine klimaresiliente EU bis 2050 und darüber hinaus entwickeln, gestützt durch sektorale Strategien und messbare Anpassungsziele.
  4. Klimaresilienz systematisch fair und gerecht in EU-Politiken, Programme und Investitionen integrieren, begleitet von Monitoring, Evaluation und Lernprozessen.
  5. Öffentliche und private Investitionen in Anpassung mobilisieren und einen kohärenteren Ansatz zum Umgang mit den steigenden Kosten von Klimafolgen entwickeln – etwa über den EU-Haushalt, wirtschaftspolitische Steuerung und Mechanismen zur Risikoteilung.

Der Bericht warnt davor, dass Anpassungsmaßnahmen nur begrenzt wirksam sind und Klimaschutzmaßnahmen nicht ersetzen können. Um die globalen Temperaturen zu stabilisieren und schließlich zu senken sowie die schwerwiegendsten und irreversiblen Auswirkungen zu verhindern, sind nach wie vor tiefgreifende und nachhaltige Emissionsreduktionen sowie eine verstärkte Kohlenstoffentfernung unerlässlich. Europa muss daher auf beiden Ebenen gleichzeitig handeln: Emissionen senken, um künftige Risiken zu begrenzen, und gleichzeitig die Anpassung verstärken, um die Auswirkungen des Klimawandels zu minimieren.