Weltklimagipfel COP27: "Ergebnisse sind nicht gut genug"

 
22.11.2022 - Ein Scheitern der COP wurde vermieden, aber es war nur ein sehr mäßiger Erfolg für das Klima. 1,5 als globales Ziel steht zwar auf dem Papier, aber die COP27 bietet keinen konkreten Plan, wie das erreicht werden soll. So lautet kurz gefasst die Einschätzung der PIK-Direktoren Ottmar Edenhofer und Johan Rockström nach der 27. Auflage des Weltklimagipfels COP, der am Sonntag im ägyptischen Sharm el-Sheikh zu Ende ging. Zu den positiven Ergebnissen des Gipfels gehört die erstmalige Einrichtung eines Fonds für Klimaschäden, der Entwicklungsländer für die Folgen des Klimawandels entschädigen soll.
Weltklimagipfel COP27: "Ergebnisse sind nicht gut genug"
Foto: PIK

In Anbetracht dessen, was auf dem Spiel steht, reichen die Ergebnisse der COP27 nicht aus, um eine rasche Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu gewährleisten, so Ottmar Edenhofer: "Auf dem Weltklimagipfel haben die Länder Ziele zur Begrenzung der Erderwärmung bekräftigt. Das nützt aber wenig, wenn die Wege zu diesen Zielen nicht definiert sind." Für das ZDF bewertete Edenhofer "das Ergebnis der COP27 als einen sehr kleinen Schritt" (Link zum ZDF-Interview und zum Deutschlandfunk-Interview).

Einrichtung eines Fonds für Klimaschäden als einer der wenigen Erfolge

Während der zweiwöchigen Verhandlungen, bei denen Klimapolitiker und -experten zusammenkamen, um dringend benötigte Klimaschutzmaßnahmen voranzutreiben, waren die Hoffnungen für diese COP schon zu Beginn relativ gering. Das Erscheinen vieler Staatsoberhäupter wie Präsident Biden auf der COP zeigte jedoch, dass der Klimawandel ein Thema auf der politischen Agenda zu sein schien, so PIK-Direktor Johan Rockström (mehr über Rockströms Einschätzung nach der Halbzeit der COP27 sind in diesem Interview mit dem Guardian zu finden).

Eines der wenigen positiven Ergebnisse der COP27 könnte der "Loss and Damage"-Fonds für Entwicklungsländer sein, aus dem die reichen Länder die ärmeren Länder für die durch den Klimawandel verursachten Schäden und wirtschaftlichen Verluste entschädigen sollen. PIK-Direktor Ottmar Edenhofer begrüßte die Einrichtung des Fonds grundsätzlich: "Wenn man damit rechnen muss, dass man für zukünftige Schäden zahlen muss, hat man einen Anreiz, diese zu vermeiden. Das schafft auch einen Anreiz für die größten Emittenten, die USA, China und die EU, zu kooperieren und ihre Emissionen zu reduzieren. Das Geld sollte so ausgegeben werden, dass die armen Länder sofort auf einen Entwicklungspfad ohne Kohle, Öl und Gas einschwenken. Eine gute Klimapolitik ist nicht eine, bei der wir für Schäden zahlen, sondern Schäden vermeiden." Edenhofer betonte auch, dass viele Details des Fonds vorerst unklar blieben, z.B. wer in den Fonds einzahlen muss, nach welchen Kriterien das Geld verteilt werden soll usw. Im The Hindu-Podcast gibt Edenhofer weitere Einblicke in mögliche Finanzierungsoptionen für Klimaschutz und -anpassung.

Stärkung der Rolle der Wissenschaft bei der COP

Johan Rockström äußerte sich besorgt über die Rolle der Wissenschaft bei der COP: "Die Wissenschaft hat eine viel zu schwache Stimme bei den Verhandlungen auf den COP-Treffen. Wir neigen dazu, die Klimarisiken zu unterschätzen. Das Tempo der vom Menschen verursachten globalen Erwärmung schreitet schneller voran, als wir erwartet hatten. Angesichts der aktuellen Verhandlungsergebnisse brauchen die politischen EntscheidungsträgerInnen wahrscheinlich mehr und nicht weniger Wissenschaft auf ihren Tischen". (Mehr über Rockströms COP27-Einschätzung auf ZEIT online - zu seiner Sichtweise über kollidierende Krisenkaskaden mehr in der NYT).
Auf der COP stellte Rockström gemeinsam mit dem UNFCCC-Exekutivsekretär Simon Stiell die 2022er Ausgabe der "10 neuen Erkenntnisse der Klimawissenschaft " vor.
Rockström schlug außerdem eine Reform des COP-Prozesses vor, bei der das tatsächliche Erreichen der vereinbarten Klimaziele entsprechend der wissenschaftlichen Notwendigkeit stärker im Vordergrund stehen würde.

"Die Welt muss ihre Emissionen innerhalb von sieben Jahren um 50 % senken - und in Sharm haben wir immer noch darüber gestritten, ob wir aus der Kohle aussteigen oder nicht, und waren nicht einmal bereit, über fossile Brennstoffe zu sprechen. Die Diskrepanz könnte nicht größer sein." Deutschland und die EU müssten nun versuchen, mit den USA und China zusammenzuarbeiten - eine Allianz der größten Treibhausgasemittenten sei nötig, um Fortschritte zu erzielen, schlussfolgerte Rockström.

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