Klimawandel verschärft Gesundheitsrisiken, Gegenmaßnahmen bleiben unzureichend

28.10.2026 – Steigende hitzebedingte Sterblichkeit, zunehmender Druck auf die Nahrungsmittel- und Wasserversorgung sowie wirtschaftliche Verluste durch hitzebedingte Einbußen der Arbeitsproduktivität: Der Lancet Countdown 2026 zu Gesundheit und Klimawandel dokumentiert die weltweit wachsenden gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen des Klimawandels. 146 Forschende aus mehr als 100 Institutionen haben an dem Bericht mitgewirkt. Er wird jährlich unter Leitung des University College London in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation erstellt. Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) leiteten die KI-gestützte Analyse der weltweiten Klima- und Gesundheitsforschung.
Klimawandel verschärft Gesundheitsrisiken, Gegenmaßnahmen bleiben unzureichend
Arbeiter auf einem Dach: Im Jahr 2025 führten hitzebedingte Einbußen bei der Arbeitsproduktivität weltweit zu schätzungsweise 1,07 Billionen US-Dollar Verlusten an portenziellem Einkommen. Photo: AdobeStock

Zehn Jahre nach Verabschiedung des Pariser Abkommens nehmen die klimabedingten Gesundheitsrisiken bei vielen Indikatoren weiter zu, teilweise sogar mit zunehmender Geschwindigkeit, wie der „Lancet Countdown 2026“ zeigt. Die vergangenen elf Jahre waren die heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen. Hitze, Dürre und Wasserextreme die Ernährungssicherheit, bedrohen die Lebensgrundlagen und die Gesundheit der Menschen zunehmend. Im Jahr 2025 war mehr als die Hälfte der weltweiten Landfläche mindestens einen Monat lang von extremer Dürre betroffen.

Eine neue Satellitenanalyse zeigt auch zunehmende Extreme bei der Wasserspeicherung an Land. Seit 2003 sind 43 Prozent der weltweiten Landfläche langfristig trockener geworden, während 37 Prozent feuchter geworden sind. Diese Veränderungen betreffen mehr als 80 Prozent der weltweiten Landfläche und gefährden Ernten, die Nahrungsmittelversorgung und die hygienischen Bedingungen. Auch sehr starke Regenfälle sind häufiger geworden und betrafen im Zeitraum 2016–2025 jährlich fast 17,2 Prozent der weltweiten Landfläche, gegenüber 14,8 Prozent im vorherigen Jahrzehnt. Dies erhöht das Risiko von Überschwemmungen, Erdrutschen und durch Wasser übertragenen Krankheiten.

Hitze gefährdet zunehmend Lebensgrundlagen und Menschenleben 

Schätzungen zufolge hat der Klimawandel zwischen 2016 und 2023 fast drei Millionen hitzebedingte Todesfälle verursacht. In diesem Zeitraum wurden durchschnittlich ca. 540.800 Todesfälle pro Jahr mit Hitze in Verbindung gebracht, wobei 68 Prozent auf den Klimawandel zurückzuführen waren – ein Anstieg gegenüber 55 Prozent im Zeitraum 2006–2015.

Hitze beeinträchtigt zudem die Arbeitsfähigkeit der Menschen. Im Jahr 2025 führten hitzebedingte Einbußen bei der Arbeitsproduktivität weltweit zu etwa 1,07 Billionen US-Dollar Verlusten an potenziellem Einkommen, was 0,91 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung entspricht. Südostasien und Afrika waren am stärksten betroffen, mit Verlusten in Höhe von 3,9 bzw. 3,2 Prozent des Bruttoinlanprodukts (BIP), im Vergleich zu 0,2 Prozent in Europa. Besonders stark betroffen waren die Landwirtschaft und das Baugewerbe. In Afrika entfielen allein auf die Landwirtschaft 71 Prozent der hitzebedingten potenziellen Einkommensverluste.

PIK-Forschende analysierten Entwicklungen in der Klima- und Gesundheitsforschung

Anhand von 54 Indikatoren untersucht der Lancet Countdown jährlich die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels und den gesundheitlichen Nutzen von Klimaschutzmaßnahmen. Der Bericht für das Jahr 2026 führt vier neue Indikatoren ein, die die Wasserverfügbarkeit an Land, die Treibhausgasemissionen des Gesundheitssektors, die Forschungsfinanzierung im Bereich Klima und Gesundheit sowie die gesetzgeberischen Maßnahmen in Bezug auf Gesundheit und Klimawandel erfassen.

PIK-Forscher haben zum fünften Mal an dem Bericht mitgeschrieben und dafür mithilfe von künstlicher Intelligenz die Entwicklungen in der Klima- und Gesundheitsforschung analysiert. Die Zahl der wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu menschlicher Gesundheit und Klimawandel stieg demnach zwischen 2024 und 2025 um 28 Prozent, während der Anteil der Arbeiten, die sich mit den gesundheitlichen Auswirkungen von Klimaschutzmaßnahmen befassten, zurückging. Die Analyse ergab zudem, dass der Anteil der Veröffentlichungen, die sich auf Länder mit niedrigem und mittlerem Human Development Index (HDI) konzentrierten, von 15 Prozent im Zeitraum 2006–2015 auf 19 Prozent im Zeitraum 2016–2025 stieg. Diese Länder sind mit besonders schwerwiegenden Klimafolgen konfrontiert.

Erneuerbare Energien nützen der Gesundheit, doch Ausbau geht zu langsam voran

Der Bericht dokumentiert zwar Fortschritte in den Bereichen erneuerbare Energien, Vorsorge der Gesundheitssysteme und gesundheitsschützende Regulierung. Er kommt jedoch zu dem Schluss, dass die Maßnahmen nach wie vor zu langsam und zu wenig aufeinander abgestimmt sind, um die wachsenden Risiken für die Gesundheit auszugleichen.

Die weltweiten Investitionen in erneuerbare Energien stiegen 2025 um 7,2 Prozent und lagen um 82 Prozent über den Investitionen in fossile Brennstoffe, die sich auf 1,16 Billionen US-Dollar beliefen. Der Anteil erneuerbarer Energien an der weltweiten Stromerzeugung stieg von 5,5 Prozent im Jahr 2016 auf 13,5 Prozent im Jahr 2023. Sauberere Luft rettet bereits heute Leben: In mindestens 77 Ländern, in denen die Luftverschmutzung durch fossile Brennstoffe seit 2016 zurückgegangen ist, werden schätzungsweise 323.000 Todesfälle pro Jahr verhindert.

Dennoch ist der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen nach wie vor unzureichend. Fossile Brennstoffe decken immer noch mehr als 80 Prozent des weltweiten Energiebedarfs, die klimaschädlichen Emissionen erreichten 2024 einen Rekordwert, und die Luftverschmutzung durch fossile Brennstoffe verursacht weiterhin schätzungsweise 2,73 Millionen Todesfälle pro Jahr.

Die Autorinnen und Autoren plädieren dafür, den Klimawandel als globalen Gesundheitsnotstand anzuerkennen und entsprechend zu handeln: Die Gesundheit müsse in den Mittelpunkt klimapolitischer Entscheidungen gestellt werden – von Emissionsminderungen bis hin zu Finanzierungsprioritäten.

Der „Lancet Countdown“ wurde 2016 in Zusammenarbeit mit dem Wellcome Trust, der weiterhin die Grundfinanzierung sicherstellt, initiiert.

Link zum Report

https://lancetcountdown.org/2026-report/

Link zum Lancet Countdown Data Explorer 

https://data.lancetcountdown.org/data-explorer

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