Die von Waldbränden betroffene Fläche in Europa könnte sich aufgrund des Klimawandels fast verdreifachen

20.08.2026 – Zunehmend heiße, trockene und windige Bedingungen könnten die von Waldbränden betroffene Fläche in ganz Europa erheblich vergrößern. Das zeigt eine neue Studie unter der Leitung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), mit Beiträgen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. In einem Szenario mit geringen Emissionen (SSP1-2.6) würde bis zum Ende des Jahrhunderts jährlich etwa 39 Prozent mehr Fläche verbrennen als im heutigen Durchschnitt; in einem Szenario mit hohen Emissionen (SSP3-7.0) wären es den Berechnungen der Forschenden zufolge rund 192 Prozent. Zwar sind Emissionsminderungen entscheidend, um die Auswirkungen von Bränden zu verringern, doch zeigen die Ergebnisse auch, dass Verbesserungen bei Prävention, Früherkennung und Brandbekämpfung eine Schlüsselrolle dabei spielen, das Ausmaß künftiger Waldbrände zu verringern.
Die von Waldbränden betroffene Fläche in Europa könnte sich aufgrund des Klimawandels fast verdreifachen
Der Klimawandel verschärft die Bedingungen für Waldbrände in ganz Europa, wobei die verbrannten Flächen voraussichtlich selbst bei einer relativ geringen Erwärmung zunehmen werden. Foto: Stefan Rahmstorf

„Der Klimawandel führt zu einer Zunahme der Brandaktivität in ganz Europa, da sich heiße, trockene und windige Bedingungen verschärfen“, sagt PIK-Forscher Maik Billing, Leitautor der heute in Global Change Biology veröffentlichten Studie.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die verbrannte Fläche selbst bei einer vergleichsweise geringen Erwärmung um etwa 1,8 °C deutlich zunehmen könnte. Wenn wir jedoch mehr Emissionen verursachen und die globalen Temperaturen um etwa 3,6 °C steigen, werden Brände wesentlich häufiger auftreten, insbesondere im Mittelmeerraum sowie in weiten Teilen West- und Mitteleuropas, einschließlich Gebieten, in denen es bisher kaum Brände gab“, fügt Billing hinzu.

Die Forscher verglichen den prognostizierten Jahresdurchschnitt für den Zeitraum 2070 -2100 mit dem modellierten Referenzzeitraum 2000 - 2030.

Brandbegünstigende Bedingungen erfordern mehr Investitionen

Die Studie verfolgt zudem einen zweiten Ansatz, mit dem die Auswirkungen von Maßnahmen zur Prävention, Erkennung und Bekämpfung von Bränden in einer Welt mit höheren Temperaturen untersucht werden. Dieser Ansatz wurde von den Co-Autoren der Studie von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung entwickelt. Kontinuierliche Verbesserungen im Brandmanagement könnten die Brandfläche in einem 1,8 °C-Szenario um 92 Prozent und bei etwa 3,6 °C um 72 Prozent reduzieren. Die Autorinnen und Autoren weisen jedoch darauf hin, dass die Ergebnisse hinsichtlich der Wirksamkeit des Brandmanagements in einem deutlich wärmeren Klima möglicherweise zu optimistisch ausfallen.

„Wir sehen, dass die Brandbedingungen zunehmen, daher müssen wir mehr investieren. Unsere Szenarien zeigen, dass höhere Investitionen in das Waldbrandmanagement in Europa, etwa in die Ausbildung von Einsatzkräften, eine angemessene Ausrüstung und eine gute Koordination, z. B. zwischen Forstwirtschaft, Naturschutz und Feuerwehr, einen erheblichen Unterschied bewirken können. Sollten die Brände jedoch wirklich extreme Ausmaße annehmen, könnte unsere Fähigkeit, sie einzudämmen, an ihre Grenzen stoßen, und wir wissen noch nicht, wann dieser Punkt erreicht ist. Die jüngsten Rekordbrände in Frankreich zeigen deutlich, dass wir das nicht einfach aus den Erfahrungen der Vergangenheit ableiten können“, kommentiert Senckenberg-Forscher und Co-Autor der Studie Thomas Hickler.

Die Studie erscheint inmitten einer weiteren schweren Waldbrandsaison in Europa. Nach Angaben des Europäischen Waldbrand-Informationssystems (EFFIS) sind bis zum 12. August 2026 EU-weit rund 550.000 Hektar abgebrannt – etwa zweieinhalb Mal so viel wie der (20-jährige) Durchschnitt zu diesem Zeitpunkt im Jahr.

„Die Brände in Frankreich, Spanien und Griechenland zeigen, wie schnell heiße, trockene und windige Wetterbedingungen die Feuerwehrkräfte und ihre Ressourcen an ihre Grenzen bringen können“, sagt Kirsten Thonicke, PIK-Forscherin und Autorin der Studie.

„Mit dem Klimawandel könnten die Bedingungen so extrem werden, dass wir an die Grenzen dessen stoßen, was noch machbar ist, um Brände zu verhindern und zu bekämpfen, sobald diese Brände eine bestimmte Größe erreichen. Daher ist es absolut unerlässlich, Emissionen zu reduzieren und zugleich das lokale Brandmanagement zu stärken“, so Thonicke.

Article:

Billing, M., Forrest, M., Bowring, S. P. K., Oberhagemann, L., Neidermeier, A. N., Hetzer, J., von Bloh, W., Müller, C., Rolinski, S., Hickler, T., & Thonicke, K. (2026): Future projections of burned area in Europe highlight the importance of human action. Global Change Biology. DOI: 10.1111/gcb.71043

Contact:

PIK press office
Phone: +49 331 288 2507
E-Mail: press@pik-potsdam.de 
Web: www.pik-potsdam.de/en
Social Media: www.pik-potsdam.de/socials