Corona-Krise schürt Hass gegen Chinesen auf Twitter: Kommentar

 
19.05.2020 - Mit Millionen von bestätigten Fällen weltweit und ganzen Staaten, die sich komplett oder teilweise abschotten, hat die COVID-19-Pandemie die Welt fest im Griff. Trotz Aufrufen zum Zusammenhalt über nationale Grenzen hinweg und zahlloser lokaler Solidaritätsinitiativen hat der Ausbruch der Corona-Pandemie auch zu einer Reihe rassistischer Angriffe gegen Chinesen und Menschen mit asiatisch anmutendem Aussehen auf den Straßen und in Sozialen Netzwerken geführt. Ein Forschungsteam des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung hat nun den Gebrauch diskriminierender Sprache gegen Chinesen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie auf Twitter untersucht.
Corona-Krise schürt Hass gegen Chinesen auf Twitter: Kommentar
COVID-19 schürte rassistisch motivierten Hass auf Twitter. Foto: Kurfeß/Unsplash

"Während wir normalerweise die sozialen Auswirkungen von Wetterextremen analysieren, haben wir nun den Corona-Ausbruch als Studienfall genutzt, um die sozialen Reaktionen auf Extremereignisse besser zu verstehen", erklärt Leonie Wenz, Autorin und Forscherin am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).  "Anhand von Social-Media-Daten haben wir englischsprachige Tweets gezählt, die eine Reihe von Stichwortkombinationen wie z.B. Chinese AND Corona AND hate enthielten, und die Entwicklung dieser täglichen Tweet-Zählung seit Beginn des Corona-Ausbruchs untersucht", ergänzt Annika Stechemesser, Co-Autorin und ebenfalls am PIK. "Das so entstandene Bild war recht unzweifelhaft: Am 11. März erklärte die WHO COVID-19 zur Pandemie, die Aktienmärkte weltweit stürzten ab - und innerhalb der ersten Märzhälfte stieg die Zahl der beleidigenden Tweets in unserem Datensatz um mehr als 1000%", erklärt sie. Die Analyse wurde in einer Ausgabe der weltberühmten medizinischen Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht.

Jüngste Forschungen zeigen einen Zusammenhang zwischen diskriminierenden Online-Hassreden und rassistisch motivierten Straftaten. Das Stigma, das in Sozialen Netzwerken Chinesen trifft, könnte daher zu einer Zunahme physischer Gewalt führen und Konflikte zwischen verschiedenen Gruppen anheizen. "Diese Forschung bestätigt eine weitere Botschaft, die in Sozialen Netzwerken verbreitet wird, und das zu Recht: Dass wir zusammenstehen und über Grenzen hinweg Solidarität und Mitgefühl zeigen sollten. Gerade in Krisenzeiten ist es entscheidend, der Suche nach einem Schuldigen sowie der Frustration und dem Hass gegen bestimmte Gruppen zu widerstehen", betont Leonie Wenz abschließend.

 

Artikel: A. Stechemesser, L. Wenz, A. Levermann (2020): Corona crisis fuels racially profiled hate in social media networks. The Lancet – EclinicalMedicine. [DOI:https://doi.org/10.1016/j.eclinm.2020.100372]

Link zum Artikel: https://www.thelancet.com/journals/eclinm/article/PIIS2589-5370(20)30116-4/fulltext

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