Entschädigung für Schäden durch Klimawandel: Studie zum Aufbau eines globalen Fonds

10.06.2013 - In der internationale Klimapolitik wird zunehmend über einen Ausgleich für „die durch die negativen Auswirkungen des Klimawandels verursachten Verluste und Schäden“ diskutiert – so hieß es im Schlussbericht des jüngsten Weltklimagipfels in Doha, Katar. Hierfür fehlt aber bislang ein umsetzbarer Mechanismus. Wissenschaftler haben jetzt Optionen aufgezeigt für einen freiwilligen internationalen Entschädigungsfonds. Dieser sollte verbunden werden mit einem spezialisierten und unabhängigen Klimagericht, das ermittelt, wie Schäden tatsächlich ausgeglichen werden können. Der Fonds würde dem Zweck dienen, auf strukturierte Weise diejenigen zu entschädigen, die den Folgen des menschgemachten Klimawandels ausgesetzt sind.
Entschädigung für Schäden durch Klimawandel: Studie zum Aufbau eines globalen Fonds

„Durch die Finanzierung des Fonds ließe sich ein glaubwürdiges Engagement in Sachen Klimapolitik demonstrieren, und er würde das Zahlen für Anpassungsmaßnahmen rechtfertigen. Hilfszahlungen werden so durch einen planbaren Kompensationsmechanismus ersetzt“, sagte Detlef Sprinz, Politologe am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Leitautor der jetzt in der Zeitschrift Weather, Climate and Society erschienenen Studie. „Die Struktur des Fonds ist hier so gestaltet, dass sie auf alle Länder der Erde anwendbar ist. Die Minderung von Emissionen wäre in diesem Rahmen die zentrale Möglichkeit, um die Beiträge von Staaten zum Fonds zu reduzieren, so dass der vorgeschlagene Mechanismus einen zusätzlichen Anreiz zur Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen böte.“

Beiträge zu einem Entschädigungsfond könnten einer so genannten doppelten Proportionalität folgen, so die Autoren. Seine Mitglieder hätten einen Beitrag zu leisten, der ihren bisherigen Treibhausgasemissionen entspricht – und der Fond gleicht den Anteil an Emissionen aus, für welchen die Mitglieder kollektiv verantwortlich sind.

„Unsere Ideen sind sowohl für die Rechtswissenschaft als auch im Bereich der Politik von Bedeutung“, sagt Ko-Autor Steffen von Bünau, Berater der Weltbankgruppe. Das Konzept wurde zum Beispiel bereits von Bangladesch und bei Germanwatch diskutiert. Es ist verknüpft mit früheren Vorschlägen im Rahmen des UNFCCC, etwa mit dem brasilianischen Vorschlag zur Haftungsverteilung. „Die Notwendigkeit, hier eine institutionelle Lücke zu schließen, ist offensichtlich“, erklärt Bünau. „Verluste und Schäden durch Klimawandel sind ein drängendes Problem, und wenn die Debatte über den Bereich der Theorie hinaus geht, werden praktische Lösungen – wie eben die Formulierung rechtlicher Mechanismen – nötig.“

 

Weblink zur Studie