Der jährliche Synthesebericht, an dem mehr als 70 Forschende, auch vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, aus knapp 30 Ländern mitgewirkt haben, übersetzt komplexe Forschungsergebnisse in verständliche, prägnante Erkenntnisse, die als Grundlage für Entscheidungen von großer Tragweite dienen. Der heute veröffentlichte Bericht warnt davor, dass ein Überschreiten der Erwärmungsgrenze von 1,5 °C mit rasch zunehmenden Risiken unumkehrbarer Auswirkungen auf Ozeane, Gletscher und Permafrostgebiete verbunden ist. Dies hätte über Jahrzehnte hinweg weitreichende Folgen für Lebensgrundlagen und wirtschaftliche Aktivitäten.
„Die Beweislage ist eindeutig: 1,5 °C ist eine Grenze, deren Überschreitung wir auf eigene Gefahr eingehen. Jenseits dieser Grenze steigen die Risiken von Kaskadeneffekten und potenziell irreversiblen Klimaauswirkungen, die mit jedem weiteren Zehntelgrad an Schwere zunehmen,“ sagte Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Co-Vorsitzender der Earth League und Redaktionsmitglied des Berichts.
Als gemeinsame Initiative von Future Earth, The Earth League und dem World Climate Research Programme verdeutlicht der Bericht „10 New Insights“, dass ein Teil des Meeresspiegelanstiegs aufgrund vergangener Emissionen bereits unumkehrbar ist. Das letztendliche Ausmaß dieses Anstiegs hängt jedoch nach wie vor stark davon ab, wie schnell die Welt Treibhausgasemissionen senkt. „Die Ozeane haben die Folgen der Erderwärmung bisher abgefedert. Da es Jahrzehnte dauert, bis die Wärme in die Tiefen des Ozeans vordringt, führen die heutigen Emissionen faktisch zu einer weiteren Erwärmung und einem weiteren Anstieg des Meeresspiegels,“ sagte Wendy Broadgate, Global Hub Direktorin bei Future Earth und Redaktionsmitglied des Berichts.
„Drastische, umgehende Emissionsminderungen sind die einzige Möglichkeit, diese Risiken zu begrenzen.“ Der Bericht bezieht sich auch auf Fortschritte in der Attributionsforschung, die es Forschenden ermöglichen, Emissionen bestimmter Länder, Unternehmen und Sektoren mit konkreten Klimaauswirkungen in Verbindung zu bringen. Diese wachsende Evidenzbasis wird bereits genutzt, um Gerichtsverfahren zu stärken, Verhandlungen über Verluste und Schäden zu unterstützen und Debatten über Verantwortung und Finanzierung zu schärfen.
Vollständige Liste der 10 Erkenntnisse 2026/2027:
- Wärmeaufnahme durch die Ozeane: Die Ozeane nehmen weiterhin Rekordmengen an Wärme auf, was eine weitere Erwärmung in den kommenden Jahren festsetzt und die Klimarisiken erhöht. Um dies zu stoppen, sind drastische Emissionsminderungen unerlässlich.
- Beschleunigter Meeresspiegelanstieg: Schmelzende Gletscher und Eisschilde treiben den Anstieg des Meeres voran. Einige Veränderungen sind bereits unumkehrbar, doch rasche Klimaschutzmaßnahmen können den künftigen Anstieg noch begrenzen.
- Austrocknung der Kontinente: Der Klimawandel und der steigende Wasserverbrauch führen zu einem raschen Rückgang der Süßwasservorkommen auf allen Kontinenten. Das gefährdet die Wasserversorgungssicherheit, die Ökosysteme und die Nahrungsmittelproduktion.
- Auswirkungen einer Überschreitung der 1,5-°C-Grenze: Je stärker die Erwärmung über 1,5 °C hinausgeht und je länger dieser Zustand anhält ("Overshoot"), desto größer ist das Risiko irreversibler Auswirkungen und desto umfangreicher müssen Emissionsminderungen, Kohlenstoffentnahme und Anpassungsmaßnahmen ausfallen.
- Ernährungssysteme sind entscheidende Hebel: Die Transformation von Ernährungssystemen, insbesondere durch eine pflanzenreichere Ernährung, kann erhebliche Vorteile für das Klima, die biologische Vielfalt und die Gesundheit mit sich bringen. Diese Transformation muss jedoch sorgfältig und gerecht erfolgen.
- Die tatsächlichen gesellschaftlichen Kosten des Kohlenstoffs: Die wirtschaftlichen Schäden, die durch Kohlenstoffemissionen entstanden sind, sind deutlich höher als bisher angenommen, und jede weitere Tonne CO2 birgt zusätzliche Risiken.
- Die Zuordnung von Klimaauswirkungen zu Verursachern: Fortschritte in der Attributionsforschung ermöglichen es nun, die Emissionen bestimmter Akteure mit konkreten Klimaauswirkungen in Verbindung zu bringen, wodurch die Beweislage für Verantwortlichkeit, Rechtsstreitigkeiten sowie Verluste und Schäden gestärkt wird.
- Gerechte und wirksame Klimabündnisse: Die Verknüpfung von Klimaschutzmaßnahmen mit Handelsmaßnahmen kann die Dekarbonisierung fördern, doch dieselben Maßnahmen können Schwellen- und Entwicklungsländern auch unverhältnismäßige Kosten und Herausforderungen auferlegen.
- Blockade des Klimaschutzes: Absichtliche Bemühungen, Klimaschutzmaßnahmen zu verzögern, haben sich von der Leugnung wissenschaftlicher Erkenntnisse hin zu subtileren Taktiken entwickelt, darunter Greenwashing, irreführende Lösungen und die groß angelegte Verbreitung digitaler Desinformation.
- Geopolitik und Energiewende: Geopolitische Instabilität kann in einigen Ländern den Übergang zu sauberer Energie beschleunigen, während sie in anderen Ländern die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verstärkt, was mitwachsenden Risiken einer ungleichen globalen Energiewende einhergeht.
Über den Bericht „10 neue Erkenntnisse der Klimawissenschaft“
Der Report wurde von einem internationalen Forschungsteam erstellt und fasst die wichtigsten Fortschritte der Klimaforschung der letzten 18 Monate zusammen. Der Bericht soll eine zuverlässige Quelle für evidenzbasierte Informationen zu den dringlichsten Erkenntnissen der Klimaforschung sein.
Link zum Report: https://10insightsclimate.science/
Link zur Pressemeldung: https://10insightsclimate.science/wp-content/uploads/2026/10/Press-release-10-New-Insights-2026.pdf
10 New Insights in Climate Science Webinar
PIK-Direktor Johan Rockström präsentiert den Bericht am Dienstag, dem 6. Oktober, von 15:00 bis 16:00 Uhr CEST in einem Webinar.
Anmeldung:
https://council.science/events/10-new-insights-climate-insights-2026
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