„Neue Wege erkundet“: Abschlussevent des Energiewende-Projekts Ariadne

06.10.2026 – Das Mitte 2019 gestartete Forschungsprojekt Ariadne, das Ende 2026 planmäßig auslaufen wird, hat wichtige Orientierung für die Energiewende in Deutschland gegeben und hinterlässt fundierte Empfehlungen für die weitere Ausgestaltung. Dies ist die Botschaft der Ariadne-Abschlusskonferenz mit rund 200 Fachleuten aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft heute in Berlin. Zeitgleich zu diesem Event bündelt ein großer Report die Erkenntnisse des aus 26 Instituten bestehenden wissenschaftlichen Projekts, geleitet vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).
„Neue Wege erkundet“: Abschlussevent des Energiewende-Projekts Ariadne
Künftige Wasserstoff-Trasse bei Ludwigsburg: Die Industriewende ist einer der Schwerpunkte der Ariadne-Forschung. Foto: Shutterstock/Umomos

Das Kopernikus-Projekt Ariadne, vom Bundesforschungsministerium für die sechseinhalbjährige Laufzeit mit insgesamt rund 60 Millionen Euro finanziert, brachte rund 130 Publikationen heraus (bis Jahresende werden weitere folgen), entwickelte hochwertige Lern- und Analysetools und gestaltete mit Dialogformaten einen gesamtgesellschaftlichen Lernprozess. 

„Für Deutschlands Weg zur Klimaneutralität 2045 galt es in den vergangenen Jahren, angesichts erschwerter Rahmenbedingungen neue Wege zu erkunden – und unser in Ariadne geknüpftes starkes und vielfältiges Forschungsnetzwerk hat dazu maßgeblich beitragen können“, sagt PIK-Direktor Ottmar Edenhofer als Leiter des Projekts. „Wir danken der Politik für ihr Vertrauen und für ihr Erkenntnisinteresse. Und wir schauen heute mit der Abschlusskonferenz und dem Abschlussreport gemeinsam darauf, wie es weitergehen sollte.“

Die Transformation ist noch kein Selbstläufer

Dass dabei geopolitische Verwerfungen und innenpolitische Polarisierung gleichermaßen herausfordernd sind, ist den Ariadne-Forschenden bewusst. „Die Grand Challenges der Energiewende“ lautet der Titel sowohl der Konferenz als auch des Reports; die Transformation ist also trotz allem noch kein Selbstläufer. In zwei Blöcken, jeweils mit wissenschaftlichem Input aus Ariadne und einer prominent besetzten Podiumsdiskussion, schaut die Abschlusskonferenz nach außen auf „Deutschland und Europa in einer turbulenten Welt“ und nach innen auf „robuste Strategien für kosteneffizienten Klimaschutz“. 

Im abschließenden dritten Block geht es um ein Thema, das sich in der Ariadne-Forschung als bedeutsam herausgestellt hat: „Gesellschaftliche Trägerschaft der Energiewende“. Dabei geht es um soziales Ausbalancieren von Maßnahmen und um transparente Kommunikation auf Augenhöhe. Dahinter steht die Überzeugung: Ohne breite gesellschaftliche Unterstützung ist Klimaschutz langfristig nicht erfolgreich.

Die Ariadne-Abschlusskonferenz akzentuiert auch das Thema „Klima und Wirtschaft“, mit führenden Köpfen aus der Wirtschaft auf dem Podium. Den Schutz des Klimas mit den strategischen Fragen für einen zukunftsfähigen Standort zusammenzudenken, durchzieht als ein Leitgedanke die Ariadne-Studien zur Industriewende. 

Sabine Nallinger, Vorständin der von führenden Unternehmensvertretern initiierten Stiftung KlimaWirtschaft, betont: „Ariadne hat die energiepolitische Debatte maßgeblich vorangebracht. Es hat gezeigt, wie eng Klimaschutz und industrielle Wettbewerbsfähigkeit zusammenhängen – und dass die Transformation nur mit regulatorischer Sicherheit, konsequenter Elektrifizierung und einem funktionierenden Wasserstoffmarkt gelingt. Dieses Wissen wird den weiteren Diskurs zwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft prägen.“ 

Neun hervorstechende Herausforderungen

Konkret beschrieben werden die Grand Challenges der Energiewende in einer Gesamtschau von neun hervorstechenden Herausforderungen, die das Ariadne-Konsortium in den vergangenen Monaten entwickelt hat: auf Grundlage der zahlreichen Publikationen und in einem abschließenden Reflektionsprozess. Dies ist der Kern des Abschlussberichts. 

Im Einzelnen geht es bei den neun Herausforderungen um (1) smarte Flexibilisierung des Stromsystems, (2) sektorübergreifende Infrastruktur für ein klimaneutrales Energiesystem, (3) bezahlbare Ausgestaltung der Wärmewende, (4) Elektrifizierung des Straßenverkehrs und Innovationskraft im Automobilsektor, (5) wettbewerbsfähige Industrie und smarter Strukturwandel, (7) Weiterentwicklung des EU-Emissionshandels, (8) die Verzahnung von Klimaschutz und Geopolitik sowie (9) die gesellschaftliche Trägerschaft der Energiewende.

Der Ariadne-Abschlussbericht mit den neun Grand Challenges der Energiewende findet sich hier. Den Zugriff auf sämtliche 130 Ariadne-Publikationen und auf die Lern- und Analysetools sowie ausführliche Informationen zu den Dialogformaten bietet die Ariadne-Projektseite. Ein Überblick des Bundesforschungsministeriums über alle vier Kopernikus-Projekte (Ariadne, ENSURE, P2X, SynErgie) findet sich hier.

Artikel:

Schenk, A., Hoff, L., Schöberlein, P., Luderer, G., Bartels, F., Edenhofer, Billerbeck, A., Brehm, J., Brown, T., Burkhardt, A., Bussmann, S., Creutzburg, P., Duwe, M., Ebersbach, B., Feindt, S., Feist, M., Flachsland, C., Fleiter, T., Geis, J., Gillich, A., Gruhl, H., Haan, P., Henger, R., Herkel, S., Kahles, M., Kalkuhl, M., Kamm, J., Kaestner, K., Kellner, M., Kemmerzell, J., Knodt, M., Koch, N., Köhler, B., Kost, C., Krug, M., Lindner, M., Lotz, M., Lütz, L., Moretti, N., Müller, T., Nysten, J., Pahle, M., Pfluger, B., Plötz, P., Rütten, K., Sach, T., Schlacke, S., Seibold, Speckmann, J., Sulerz, J., Sultani, D., Tänzler, D., Treichel-Grass, K., Thierjung, E., Ueckerdt, F., Verpoort, P., (2026): Die Grand Challenges der Energiewende. Sechs Jahre Energiewendeforschung: Bilanz und Perspektiven. Kopernikus-Projekt Ariadne, Potsdam. [DOI: 10.48485/pik.2026.27]

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