„Das Gesamtbild zeigt eine Region im raschen Wandel“, fasst PIK-Forscher Iulii Didovets zusammen, der das Projekt als leitender Herausgeber koordinierte. „Zentralasien erwärmt sich schneller als der globale Durchschnitt, wodurch seine Gletscher bis zum Jahr 2100 bis zu 85 Prozent an Volumen verlieren werden. Unser Buch zeigt, dass der Klimawandel ein Risiko-Multiplikator mit Blick auf soziale Spannungen ist. Gemeinsame Herausforderungen in den Bereichen Wasser und Klima können jedoch auch neue Wege für die Zusammenarbeit zwischen den fünf Ländern eröffnen.“
Das Buch, miteditiert von Valentina Krysanova und Fred Hattermann (PIK) sowie von Abror Gafurov (GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung), ist das erste, das den Klimawandel und seine Auswirkungen in allen fünf zentralasiatischen Ländern sektorübergreifend bewertet. Es stützt sich auf das Rahmenwerk der internationalen Initiative zur Klimamodellierung CMIP6 und behandelt Klimatrends und -prognosen, die Kryosphäre und Gefahren in Bergregionen, Wasserressourcen, Landwirtschaft und den Zusammenhang Wasser-Energie-Ernährung, Gesundheit sowie Widerstand und Friedensförderung. Jedes Kapitel fasst den aktuellen Wissensstand zusammen und identifiziert Erkenntnislücken für künftige Forschung und Forschungsfinanzierung.
Verschärfter Wettbewerb zwischen Wasser-Bedarfen
Insgesamt besteht eine latente Bedrohung für das Wohlergehen der insgesamt rund 75 Millionen Menschen in diesen fünf Ländern: Derzeit erhalten die von Gletschern gespeisten Flüsse zusätzliches Schmelzwasser, wodurch die Wasserverfügbarkeit vorübergehend erhöht wird – doch auf diesen relativen Überfluss wird wohl ein rascher Rückgang und eine verheerende Knappheit folgen. Im weiter nördlich gelegenen Tian-Shan-Gebirge wird der Gletscherschwund viel früher eintreten als im südlich gelegenen Pamir-Gebirge.
Bis 2050 wird je nach Szenario erwartet, dass die Flusswassermengen im Zeitraum von Juli bis September um bis zu 50 Prozent zurückgehen. Dies trifft genau die Vegetationsperiode, in der Wasser am dringendsten benötigt wird – vor allem für die Bewässerungslandwirtschaft, auf die je nach Land bis zu 92 Prozent der Wasserentnahmen entfallen. Gleichzeitig beziehen flussaufwärts gelegene Regionen den Großteil ihres Stroms aus Wasserkraft. Durch die veränderten Wasserströme wird sich somit der Wettbewerb der Ansprüche von Bewässerung, Energieerzeugung und grenzüberschreitender Wassernutzung verschärfen.
Literaturhinweis zum Buch (Englisch):
Editors Didovets, I., Krysanova, V., Hattermann, F., Gafurov, A., (2026): Towards Sustainable Future of Central Asia: Analysis of Climate, Resources and Human Security. – Springer Nature. [DOI: 10.1007/978-3-032-29989-5, ISBN 978-3-032-29988-8 (Print Hardcover) / 978-3-032-29991-8 (MyCopy Softcover) / 978-3-032-29989-5 (eBook)]
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