Ein Mitarbeiter eines Landesministeriums sandte mir vor kurzem
den unten wiedergegebenen Text von Alvo von Alvensleben zu.
Bei seinen Bemühungen um sinnvolle Klimavorsorge stößt
er regelmäßig auf Skepsis und Widerstände,
und es werden ihm immer wieder ähnliche Artikel der sogenannten
"Klimaskeptiker" vorgehalten. Tenor: um Klimawandel
brauchen wir uns nicht sorgen, da ist gar nichts dran.
Der untenstehende Aufsatz
ist ein in vielerlei Hinsicht typisches Beispiel dieser “Skeptiker“-Literatur.
Die meisten der Standardargumente kommen vor, und der Text
ist geschickt formuliert. Hätte ich nicht mein Fachwissen
und wäre ich nicht mit den Argumenten vertraut, Alvenslebens
Aufsatz hätte auf mich wohl überzeugend gewirkt.
Als durchschnittlich informierter Zeitungsleser hätte
ich womöglich meine Einschätzung des Klimaproblems
nach diesem Aufsatz geändert.
Der Text wird im Internet
auf einer Seite mit Materialien für Physiklehrer verbreitet:
www.schulphysik.de/klima/alvens/klima.html (Abruf 10.2.2004).
Dort sind auch Abbildungen dabei, die hier aus technischen
Gründen nicht wiedergegeben werden, sowie einige von
mir weggelassene, klimatologisch unkontroverse Passagen.
Angesichts der Verbreitung
und Wirkung solcher Texte lohnt es sich zu erläutern,
weshalb diese seit Jahren im Internet und anderen Medien zirkulierenden
Argumente auf Klimatologen wenig überzeugend wirken.
Dies habe ich unten in der rechten Spalte versucht.
Stefan
Rahmstorf schloß 1987 sein Physikstudium
an der Universität Konstanz mit einer Diplomarbeit
zur allgemeinen Relativitätstheorie ab. Im Anschluß
verbrachte er vier Jahre in Neuseeland, nahm an Forschungsfahrten
im Südpazifik teil und promovierte in der Ozeanografie
an der Victoria University of Wellington. Ab 1991 arbeitete
er als Wissenschaftler am Institut für Meereskunde
in Kiel, seit 1996 am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.
1999 erhielt er einen mit $ 1 Million dotierten Förderpreis
der McDonnell Stiftung aus den USA. Seit 2000 lehrt Rahmstorf
als Professor für Physik der Ozeane an der Universität
Potsdam. Er ist Mitglied im "Panel on Abrupt Climate
Change" der US National Oceanic and Atmospheric Administration.
Text von
Alvo von Alvensleben
Anmerkungen
von Stefan Rahmstorf
Zu Beginn
ein Zitat
Zur Einstimmung auf das Thema hier Auszüge aus einem Artikel
in der angesehenen amerikanischen Wochenzeitung "Newsweek":
"Es gibt bedrohliche Anzeichen, daß die Wetterverhältnisse
der Erde begonnen haben, sich dramatisch zu verändern,
und daß diese Änderungen hindeuten auf eine drastische
Abnahme der Nahrungsmittelerzeugung – mit ernsten politischen
Auswirkungen für praktisch jede Nation auf der Erde. ...
Die Anhaltspunkte für diese Voraussagen haben sich nun
so massiv angehäuft, daß Meteorologen Schwierigkeiten
haben, damit Schritt zu halten. ... Letztes Jahr im April, beim
verheerendsten Ausbruch von Tornados, der je zu verzeichnen
war, haben 148 Wirbelstürme mehr als 300 Menschen getötet
und Schaden in Höhe von 500 Millionen Dollar in 13 US-Staaten
angerichtet. Wissenschaftler sehen in diesen ... Ereignissen
die Vorboten eines dramatischen Wandels im Wettergeschehen der
Welt. Meteorologen sind sich nicht einig über Ursache und
Ausmaß des Trends wie auch über seine spezifischen
Auswirkungen auf lokale Wetterbedingungen. ... "Ein größerer
Klimawechsel würde wirtschaftliche und soziale Anpassungen
in weltweitem Maßstab erzwingen", warnt ein kürzlich
erschienener Bericht der National Academy of Sciences (NAS)
... "Unsere Kenntnis der Mechanismen des Klimawechsels
sind ebenso bruchstückhaft wie unsere Daten" räumt
der Bericht der NAS ein. "Nicht nur sind die grundlegenden
wissenschaftlichen Fragen großenteils unbeantwortet, sondern
in vielen Fällen wissen wir nicht einmal genug, um die
entscheidenden Fragen zu stellen". ... Und weiter:
"Klimatologen sind pessimistisch daß die politischen
Führer irgendwelche positiven Maßnahmen ergreifen
werden, um die Folgen des Klimawandels auszugleichen oder seine
Auswirkungen zu verringern. ... Je länger die Planer zögern,
desto schwieriger werden sie es finden, mit den Folgen des klimatischen
Wandels fertig zu werden, wenn die Ergebnisse erst bittere Wirklichkeit
geworden sind."
Soweit das Zitat aus "Newsweek". Das klingt alles
ziemlich dramatisch und hochaktuell. - Wirklich? Der Bericht
erschien vor 27 Jahren, am 28. April 1975. Und er warnte - vor
den Folgen der in den letzten 3 Jahrzehnten beobachteten globalen
Abkühlung! Inzwischen hat ein Richtungswechsel um volle
180 Grad stattgefunden. Mit ähnlich dramatischen Worten
wird jetzt vor den Gefahren einer globalen Klima-Erwärmung
gewarnt. Auch die Hinweise auf die vermehrt drohenden Unwetterkatastrophen
sind ziemlich wörtlich die gleichen wie vor 27 Jahren -
nur die Ursache soll jetzt die globale Klima-Erwärmung,
nicht die Abkühlung sein. Was ist von all diesen Szenarien
zu halten?
Kein ungeschickter Einstieg: durch den
Vergleich mit einem Artikel aus den siebziger Jahren soll
die Glaubwürdigkeit von Warnungen der Klimaforscher gleich
zu Beginn generell in Frage gestellt werden.
Der Vergleich
hinkt allerdings aus mehreren Gründen. Seinerzeit gab
es einige wenige Wissenschaftler, die den Abkühlungstrend
der vorangegangen drei Jahrzehnte als möglichen Vorboten
einer gravierenderen Abkühlung werteten. Auch damals
schon gingen die meisten Forscher von einer globalen Erwärmung
durch das CO2 aus. Ein gesichertes quantitatives
physikalisches Verständnis der Mechanismen, wie wir es
heute haben, gab es damals jedoch noch nicht, und daher war
umstritten, was überwiegt: die Erwärmung durch CO2
oder die Abkühlung durch Aerosole. Breite Unterstützung
unter Klimatologen fanden die damaligen Anhänger einer
Abkühlung nicht, und nach wenigen Jahren haben sie ihre
Einschätzung aufgrund weiterer Untersuchungen selbst
korrigiert.
Ich möchte
daher einige differenziertere Folgerungen aus dieser Geschichte
vorschlagen:
(1) Behauptungen
einzelner Wissenschaftler sind zunächst mit Vorsicht
zu behandeln, bis sich ihre Argumente unter Fachleuten weithin
durchgesetzt (oder aber als nicht überzeugend erwiesen)
haben.
(2) Die Aussagen
von Wissenschaftler-Organisationen (wie etwa der zitierten
NAS, oder heute dem IPCC) sind erheblich zuverlässiger
und ausgewogener, da sich extreme Einzelmeinungen hier (anders
als in den Medien) kaum durchsetzen können. Die NAS hat
damals völlig korrekt und verantwortungsvoll gefolgert,
dass die wissenschaftlichen Kenntnisse nicht ausreichen. (Bei
der aktuellen globalen Erwärmung kommt die NAS zum gegenteiligen
Schluss.)
(3) Die Selbstkorrektur
ist eines der wesentlichen Merkmale der Wissenschaft, und
sie hat hier gut funktioniert. Wissenschaftler sind dafür
ausgebildet, die eigenen Einschätzungen immer wieder
kritisch zu hinterfragen und sie im Licht neuer Erkenntnisse
zu revidieren. Dogmen haben in einem offenen wissenschaftlichen
Diskurs keine Chance zu bestehen.
Das IPCC
Verantwortlich für
die weltweit verbreitete Furcht vor einer globalen Klima-Erwärmung
und ihren vielfältigen Folgen ist das IPCC (Intergovernmental
Panel on Climate Change), ein Gremium von (formell) rund 650
Wissenschaftlern, das vom United Nations Environmental Program
(UNEP) und von der World Meteorological Organization (WMO)
getragen wird. Dieses Gremium, in dem in mehreren Arbeitsgruppen
jeweils einige wenige Personen die Hauptarbeit leisten, hat
im April 2001 einen Third Assessment Report herausgegeben,
auf dessen Grundlage im Juli 2001 Vertreter zahlreicher Staaten
in Bonn zusammenkamen, um über die Durchführung
von Maßnahmen zu beraten, die in Kyoto 1997 empfohlen
worden waren ("Kyoto-Protokoll"). Mit Klima-Modellen
wurde eine Erwärmung der Erdatmosphäre zwischen
1.4 und 5.8 °C bis zum Jahre 2100 vorausberechnet. Diese
soll eintreten, wenn nichts gegen den weiteren Anstieg des
CO2 in der Atmosphäre unternommen wird. Wenn
man über das IPCC nichts Näheres weiß, hat
man den Eindruck, in den Veröffentlichungen müssten
sich die besten und sichersten Erkenntnisse der Klimatologie
wiederfinden. Aber Zweifel sind angebracht:
Mannigfaltige Versuche, die Arbeit des IPCC zu diskreditieren,
gehören zur "Skeptikerpflicht". Es handelt sich
hier nicht um eine naturwissenschaftliche Frage; dennoch will
ich einige Anmerkungen dazu machen, aus der Sicht von jemandem,
der zum letzten IPCC-Bericht sowohl als "contributing author"
eines Kapitels als auch als Gutachter bei anderen Kapiteln einige
Beiträge geliefert hat.
Zunächst: die Aufgabe der Wissenschaftler, die an den IPCC-Berichten
mitarbeiten, besteht darin, die in der begutachteten Fachliteratur
veröffentlichten Forschungsergebnisse zusammenzufassen
und zu diskutieren. Die IPCC-Berichte bringen also einen Überblick
über den gesamten wissenschaftlichen Forschungsstand. Sie
sind einerseits eine Art Serviceleistung für die Gesellschaft,
indem die Fülle der verstreuten Fachliteratur, die sonst
keiner überblicken kann, hier zusammenfassend zugänglich
gemacht wird. Andererseits sind sie ein intensiver Diskussions-
und Bewertungsprozeß unter den Forschern, der auch neue
Erkenntnisse bringt. Beispiel: schweizer, norwegische und neuseeländische
Glaziologen (usw.), die jeweils ihre heimischen Gletscher in-
und auswendig kennen, werden durch das IPCC zusammengebracht,
um eine globale Gesamtschau zu erstellen, wie sich die Gletscher
weltweit entwickelt haben und ob dies zur globalen Erwärmung
passt. Unterschiede in der Bewertung müssen hier offen
ausdiskutiert werden. Zudem werden die Kapitelentwürfe
im Internet zirkuliert und jedermann kann Kommentare einsenden,
damit keine Daten vergessen oder Argumente übersehen werden.
1. So war das
IPCC nach politischen, nicht nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten
zusammengesetzt: Es sollten möglichst viele Länder
(mehr als 100) vertreten sein; die Nationalität war wichtiger
als die wissenschaftliche Qualifikation.
Es stimmt, dass versucht wird, Experten aus möglichst vielen
Ländern zu beteiligen. Ich halte das für sinnvoll.
Würde man nur nach typischen Qualifikationskriterien wie
etwa der Anzahl der Fachpublikationen auswählen, hätten
Forscher aus den meisten Entwicklungsländern keine Chance
zur Mitarbeit. Die Entwicklungsländer sollten aber in alle
Diskussionen einbezogen werden, damit auch sie die Entscheidungen
zum Klimaschutz mittragen können.
2. die Schlußveröffentlichung
des "Technical Summary, (TS) stellt kein von Gutachtern
gebilligtes Dokument (wie in einer referierten Zeitschrift)
dar, weil die Hauptautoren Einwände ohne Begründung
übergehen durften - und dies auch taten, und
Weil die Erstellung der Berichte ein offener Prozess ist, müssen
die ehrenamtlich arbeitenden Autoren tausende von Kommentaren
und Einwänden bearbeiten. Es ist unmöglich, jeden
Einwand in den Text aufzunehmen (er würde ein unlesbares,
widersprüchliches Konglomerat). Das IPCC dokumentiert jedoch
jeden eingesandten Kommentar zusammen mit einem Hinweis, was
mit ihm geschehen ist und weshalb.
3. Autoren, die
- wie Professor Richard Lindzen vom MIT in Boston - daraufhin
verlangten daß ihr Name aus der Liste der "Contributors"
gestrichen wird, weil sie sich mit dem Inhalt der Veröffentlichung
nicht identifizieren können, wurde dieser Wunsch abgelehnt.
Nach außen erscheinen sie nach wie vor als Mitarbeiter
an den veröffentlichten Dokumenten.
Ich kann diesen Einzelfall nicht nachvollziehen – es gibt
einige andere Fälle von Autoren, deren Name auf ihren Wunsch
problemlos gestrichen wurde. Wie dem auch sei - die Qualität
des wissenschaftlichen Inhalts wird nicht durch die Namensliste
beeinflußt. Dass Dick Lindzen (seit vielen Jahren einer
der rührigsten der US-"Klimaskeptiker") eine
abweichende Meinung vertritt, ist durch seine öffentlichen
Auftritte hinlänglich bekannt; dass er an der Erstellung
des IPCC-Berichts beteiligt wurde, spricht für die Offenheit
des IPCC für alle Argumente.
Einige
persönliche Bemerkungen
Die
düsteren Prognosen des IPCC, erarbeitet von so vielen
Experten und mit den besten verfügbaren Computern und
Klimamodellen, schienen mir kaum von der Hand zu weisen. Allerdings
stieß ich bald auch auf kritische Stimmen, insbesondere
auf eine Veröffentlichung "Klimafakten" der
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in
Hannover [1].
Man sollte dazu wissen: die BGR ist eine nachgeordnete Behörde
des Wirtschaftsministeriums mit engen Verbindungen zur Kohle-Industrie.
Das Buch "Klimafakten" entstand (so BGR-Präsident
Wellmer in einem mir vorliegenden Schreiben) auf Initiative
und im Auftrag des Ministeriums, das Buch wurde dann vom Braunkohleverband
an Journalisten und Politiker verteilt. Dies obwohl die BGR
kaum Klimaforschung betreibt und nur wenig Expertise auf diesem
Gebiet vorweisen kann. Mehrere renommierte deutsche Klimaforscher
haben sich wiederholt an die BGR gewandt und eine lange Liste
von sachlichen Fehlern und irreführenden Darstellungen
in diesem Buch moniert. Auch innerhalb der BGR ist diese Publikation
sehr umstritten; im privaten Gespräch distanzieren sich
selbst an der Entstehung des Buches beteiligte Mitarbeiter von
dessen Aussagen zum menschlichen Einfluss auf das Klima. (Mehr
zum Thema BGR im Zeit-Artikel "Flotte Kurven,
dünne Daten", www.pik-potsdam.de/~stefan/flottekurven.html)
Meine Hauptbeschäftigung
in den letzten Monaten war dann ein Studium der Klimatologie,
insbesondere der Frage, ob wir nun, nach der Absage von Bush
an das Kyoto-Protokoll, mit einer katastrophalen Klima-Erwärmung
rechnen müssen, verursacht durch das von Menschen in
der Erdatmosphäre angereicherte Kohlendioxid.
Erlaubt mir hier eine kleine
Abschweifung: Das Internet bietet für ein solches Studium
traumhafte Möglichkeiten. Innerhalb von zwei Tagen war
ich Student der Universitäten von Zürich, Heidelberg,
Bochum, Erlangen, Potsdam, Berlin, Melbourne ..., konnte den
Wortlaut der Erklärungen von Bush und seinen Beratern
lesen, sowie das Kyoto-Protokoll und die Äußerungen
seiner Kritiker in USA und Deutschland. Das Wort "traumhaft"
habe ich bewußt gewählt, denn solche Möglichkeiten
zu Hause im Wohnzimmer (oder wo immer der Computer steht)
zu haben, konnte man früher höchstens träumen,
ohne Hoffnung, daß das jemals wahr werden könnte.
Das Internet bietet in der Tat phantastische Recherchemöglichkeiten.
Allerdings erfordert es auch ein gesundes Maß an Kritikfähigkeit
und Skepsis, denn eine Qualitätskontrolle gibt es nicht.
Jedermann kann jeden noch so abstrusen Inhalt ins Internet stellen.
So findet sich zu jedem die Gemüter bewegenden Wissenschaftsthema
ein Panoptikum an Meinungen. Es gibt die Seiten derer, die den
HIV-Virus nicht für die Ursache von AIDS halten. Es gibt
jene, die die Relativitätstheorie für einen großen
Schwindel halten (mit der Behauptung, dass dieses von der Physikermafia
unterdrückt wird). Es gibt die Kreationisten, die die Evolutionstheorie
ablehnen. Und es gibt die "Klimaskeptiker". Argumentationsstil
und Methoden ähneln sich dabei oft, auch die Publikationen.
So ist z.B. ein von den "Klimaskeptikern" häufig
propagierter Artikel des polnischen Atomforschers Jaworowski
("Solar cycles, not CO2 determine climate")
nicht etwa in der Fachliteratur, sondern in der Zeitschrift
21st Century Science and Technology erschienen, die
zur Organisation des amerikanischen Multimillionärs und
Verschwörungstheoretikers Lyndon LaRouche gehört,
und die nicht nur den Klimawandel, sondern u.a. auch die Quantentheorie
und Relativitätstheorie ablehnt.
In meiner Darstellung
bemühe ich mich um Anschaulichkeit unter Vermeidung von
Begriffen wie "Strahlung eines Schwarzen Körpers",
die entweder gar nicht oder falsch verstanden werden. Wo ich
mich auf "Autoritäten" berufe, versuche ich,
deren Kompetenz glaubwürdig zu begründen.
Eine Ankündigung, die in der Folge leider nicht realisiert
wird: Alvensleben stützt sich fast durchweg auf "Autoritäten",
die kaum oder überhaupt keine eigene Forschungsleistung
in der Klimatologie vorweisen können - er hält dagegen
offenbar wenig von Wissenschaftlern, die sich durch viele Jahre
solider Forschung eine internationale Reputation erarbeitet
haben.
Das ganze Thema
hat mich auch emotional sehr bewegt. Deshalb habe ich gelegentlich
persönliche Bemerkungen und Einschätzungen eingefügt.
Ich denke, sie kommen der Lebendigkeit des Vortrags zugute.
Die emotionale Bewegung nehme ich Alvensleben ab: viele "Klimaskeptiker"
sind - aus welchen Gründen auch immer - sehr emotional
dabei und haben das Gefühl, gegen eine große Verschwörung
der Klimaforscher zu kämpfen. Diese Haltung ist zwar unbegründet,
aber mir doch sympathischer als die kühle Berechnung der
"Berufsskeptiker", der Kohlelobbyisten. Emotionale
Bewegung kann aber auch ein Hindernis sein, wenn es um die nüchterne
Einschätzung von Fakten geht.
Hauptergebnisse
der Klimastudien
Die wichtigsten Ergebnisse
meiner Studien möchte ich zunächst in ein paar kurzen
Absätzen zusammenfassen. Im weiteren Verlauf werde ich
dann die Thesen, die für einige von Euch wohl überraschend
sein werden, näher erläutern und begründen.
Ich gehe davon aus, daß jeder von Euch in den vergangenen
Jahren schon gehört hat: Das Gas Kohlendioxid, CO2,
reichert sich seit Jahrzehnten in der Erdatmosphäre an.
Ebenso hat jeder schon gehört, daß die Zunahme
dieses Gases zu einer Erwärmung der Erdatmosphäre
führen soll, mit vielerlei bedrohlichen Folgen: Anstieg
des Meeresspiegels, vermehrtes Auftreten von Dürren hier,
von Überschwemmungen dort, von Orkanen, Aussterben von
Tierarten usw. Das weiß heute doch jeder - oder? Nun
einige Ergebnisse:
1. Das CO2
nimmt zu
Die CO2-Zunahme
in der Atmosphäre ist real (Bild 1a,b) – und außerordentlich
günstig für das Pflanzenwachstum; eine weitere Zunahme
ist im Interesse der Welternährung durchaus erwünscht.
Experimente mit Pflanzen in künstlich CO22-angereicherten
Atmosphären zeigen, daß mit einer Verdoppelung
des CO2-Gehaltes Wachstumssteigerungen bei den
meisten Pflanzen im Bereich 10 bis 80 % möglich sind
– Holz, Blätter, Früchte, alles wächst
besser. Es gibt keinen besseren Dünger. CO2
- ein "Umweltgift"? Mehr dazu später.
Richtig:
mehr CO2 ist bis zu einer gewissen Grenze günstig
für viele Pflanzen, wenn auch nicht in dem genannten Ausmaß.
Bei höherer Konzentration können sie ihre der Aufnahme
von CO2 dienenden Blattöffnungen (Stomata) kleiner
halten und verlieren dadurch weniger Wasser. Dieser Effekt ist
in den Biosphärenmodellen berücksichtigt. Demgegenüber
steht aber der Stress, unter den die Pflanzen durch den Klimawandel
geraten. Anfangs (auch derzeit noch) überwiegen die positiven
Effekte auf das Pflanzenwachstum, doch bei ungebremsten weiteren
Klimawandel werden bald die negativen Auswirkungen
überwiegen. Mehr dazu später.
2.
Das Klima der Vergangenheit
Um das Klima der Vergangenheit
zu erforschen, hat man in Grönland und in der Antarktis
tiefe Löcher ins Eis gebohrt und die Bohrkerne untersucht.
Aus ihnen konnte man die Entwicklung des Erdklimas über
mehr als 400 000 Jahre zurückverfolgen. Das Verhältnis
der Sauerstoff-Isotope 18O:16O von eingeschlossenen Luftbläschen
gibt Aufschluß über die Temperaturen; der CO2-Gehalt
in den Bläschen kann gemessen werden. Aus den Bohrkern-Untersuchungen
weiß man, daß es in den letzten 420 000 Jahren
vier kurze Warmzeiten von je etwa 10 000 Jahren Dauer und
dazwischen etwa 10 mal so lange Kaltzeiten gegeben hat.
Dies
ist korrekt; darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von
weiteren Daten aus Sedimenten, Baumringen, Korallen, usw.
Was Alvensleben
hier vielleicht hätte sagen sollen: diese Daten zeigen,
dass der CO2-Gehalt der Atmosphäre inzwischen
um ein Drittel über dem liegt, was jemals für die
letzten 420 000 Jahren gemessen wurde [1]. Wahrscheinlich
(nach weniger sicheren Daten aus Sedimenten) muss man etliche
Millionen Jahre zurückgehen, um ähnlich hohe CO2-Konzentrationen
zu finden wie heute. Das bedeutet: seit der Mensch den aufrechten
Gang gelernt hat, gab es noch nie soviel CO2 in
der Luft wie jetzt.
Außerdem zeigte sich,
daß in der Erdgeschichte der CO2-Anstieg zeitlich
immer erst nach den Klimaerwärmungen stattfand, also nicht
deren Ursache, sondern Folge war. Das ist ein sehr wichtiger
Befund. Ich komme darauf noch zurück
Seit über
fünfzehn Jahren ist dies ein Klassiker der "Klimaskeptiker".
Dazu einige Anmerkungen.
(1)
Die Ursache der Eiszeitzyklen, um die es hier geht, sind die
Milankovich-Zyklen der Erdbahn (dies war schon in meiner Jugend
Gymnasialstoff). Diese wirken durch die Umverteilung der Sonnenstrahlung
direkt auf die Temperatur; dass CO2-Änderungen
deshalb erst mit etwas Verzögerung einsetzen ist genau
das, was Klimatologen erwarten.
(2) Dass der
CO2-Anstieg zeitlich verzögert stattfand wurde
von Klimatologen daher lange vermutet, konnte aber wegen der
Unsicherheit im Altersunterschied von Eis und eingeschlossenen
Luftbläschen (ca. 2000-3000 Jahre - dies hängt davon
ab, wann sich die Poren im Eis schließen) erst kürzlich
nachgewiesen werden [2]. Die Verzögerung wurde für
die Erwärmung am Ende der vorletzten Eiszeit bestimmt
und beträgt 800 Jahre. Dies bedeutet nach Aussage der
beteiligten Eiskernspezialisten: das erste Sechstel des 5000
Jahre währenden Erwärmungstrends geschah ohne Zutun
des CO2, danach kam die CO2-Rückkopplung
in Gang und verstärkte die Erwärmung.
(3) Diese
Daten sind auch konsistent mit Modellrechungen von Eiszeiten.
Auch im Modell können Beginn und Ende von Eiszeiten allein
durch die Milankovich-Zyklen eingeläutet werden, CO2
wird dazu nicht gebraucht. Erst um das volle Ausmaß
der Eiszeiten zu verstehen wird die CO2-Rückkopplung
benötigt.
(4) Aus der
Zeitverzögerung zu schliessen, dass CO2 keine
Wirkung auf die Temperatur hat, ist ein Trugschluss. Der verzögert
einsetzende CO2-Anstieg verstärkt vielmehr
die Erwärmung. Es handelt sich um eine ganz normale positive
Rückkopplung: steigende Temperaturen setzen CO2
aus dem Ozean frei, höhere CO2-Werte in der
Atmosphäre wiederum führen zu weiterer Erwärmung.
Was bei diesem Kreislauf zuerst anfängt, hängt einfach
davon ab, woran von außen "gedreht" wird:
an der Temperatur (wie durch die Milankovich-Zyklen) oder
am CO2 (wie durch den Menschen).
3. Die Gletscher
der Erde
Zutreffend ist, daß
die Mehrzahl der kontinentalen Gletscher, z.B. in den Alpen,
in den letzten Jahrzehnten weiter geschrumpft ist. Kann man
daraus auf eine globale Erwärmung schließen? Dieser
Punkt verdient eine eingehendere Betrachtung.
Siehe
weiter unten.
4.
Die Entwicklung der globalen Temperatur in Bodennähe
seit 1860
Um 1860 endete eine Jahrhunderte
lange Phase globaler Abkühlung, die "Kleine Eiszeit",
die mit großen Gletschervorstößen verbunden
war. Seitdem stieg die globale Temperatur, gemessen in 2 m
Höhe über dem Erdboden, um etwa 0.6 °C ±0.2
°C bis 1930. (Bild 2) Parallel dazu gingen die kontinentalen
Gletscher stark zurück. Von 1940 bis 1975 nahm die Lufttemperatur
wieder um etwa 0.2 °C ab und stieg ab 1975 wieder auf
Werte, wie sie zwischen 1930 und 1940 gemessen wurden. Dies
gilt jedenfalls für den Bereich der Erde, aus dem die
genauesten Messungen der bodennahen Lufttemperatur stammen,
und in denen das dichteste Meßnetz bestand, nämlich
die USA.
Herr
Alvensleben ist in seiner Datenwahl etwas selektiv. Im globalen
Mittel sind die Lufttemperaturen über den Landmassen von
1900-1940 um ca. 0.3 °C gestiegen, sie stagnierten von 1940-1975,
und sind seitdem um weitere ca. 0.4 °C gestiegen. Die Meerestemperaturen
entwickelten sich fast parallel dazu, stiegen allerdings etwa
0.15 °C weniger (wie aus Gründen der thermischen Trägheit
zu erwarten). Die 1990er Jahre waren das wärmste Jahrzehnt
seit Beginn der Aufzeichnungen, und die zehn wärmsten Jahre
fanden alle seit 1990 statt. Die global wärmsten Jahre
seit Beginn der Aufzeichnungen waren 1998, 2002 und 2003.
5.
Temperaturmessungen von Satelliten aus
Seit 1979 kann man die Lufttemperatur
von Satelliten aus messen und hat so erstmalig die Möglichkeit,
die Temperatur der ganzen Erdatmosphäre, nicht nur die
über den Kontinenten zu messen. Zur Messung benutzt wird
die Emission von Sauerstoffmolekülen, die ein sehr genaues
Thermometer darstellt. An den Messungen sind ständig
mindestens 2 Satelliten (mit gewöhnlich 4 Jahren Lebensdauer)
beteiligt, deren Ergebnisse untereinander verglichen werden.
Die Meßmethode erlaubt sogar, zwischen verschiedenen
Höhenbereichen, nämlich der Troposphäre und
der Stratosphäre, zu unterscheiden.
Noch
ein Klassiker der „Skeptiker“-Szene. Was nicht
dazugesagt wird: was die betreffenden MSU-Satelliten nicht
messen können, ist die bodennahe Temperatur. Um die geht
es aber bei der Erderwärmung; hier wirkt sie sich auf
Mensch und Ökosysteme aus. Selbst wenn sich die mittlere
Troposphäre weniger stark erwärmt hätte als
die Oberfläche, so wäre das kaum ein Grund zur Entwarnung.
Doch trifft dies ohnehin nicht zu, siehe nächsten Absatz.
(Übrigens
wurde auch schon vor dem Start der Satellitenmessungen routinemäßig
die Temperatur über den Ozeanen gemessen, durch ein großes
Netz von "ships of opportunity".)
Die Messungen
hatten ein Ergebnis, daß für die Klima-Erwärmungspropheten
höchst überraschend war und entsprechend kritisch
und sorgfältig analysiert wurde: Für die Zeit seit
1979 kann man die "globale Erwärmung" mit gutem
Gewissen als ein Märchen bezeichnen. (Bild 3) Die Satellitenmessungen
stimmen untereinander auf 0.02°C, mit Ballonsondenmessungen
auf 0.03°C überein, und sie zeigen nur einen minimalen
Anstiegstrend (von 0.038°C pro Jahrzehnt) seit 1979, also
in der Zeit, in der der steilste Anstieg des CO2
in der Atmosphäre zu verzeichnen war.
Aus
den Satellitendaten lassen sich aus mehreren Gründen nur
schwer Langzeittrends gewinnen: die Lebensdauer jedes Satelliten
beträgt nur wenige Jahre, sie benutzen unterschiedliche
Instrumente mit unterschiedlichen Kalibrierungsfehlern, die
Umlaufbahn verändert sich kontinuierlich, und sie messen
zu verschiedenen Uhrzeiten. Deshalb mussten die berechneten
Trends schon mehrfach korrigiert werden: die verschiedenen publizierten
Analysen der MSU-Daten ergeben Trends zwischen
0,08°C und 0,26°C pro Jahrzehnt. Zuletzt wurde gezeigt,
dass diese Satelliten auch Teile der Stratosphäre mitmessen,
die sich stark abgekühlt hat (vorallem wegen des Ozonschwundes),
dadurch wurde der Trend verfälscht. Berücksichtigt
man diesen Effekt, ergeben die Satelliten einen Erwärmungstrend
von 0.18°C pro Jahrzehnt: etwas mehr als die Bodenmessungen
mit 0.17°C pro Jahrzehnt [3]. (Im Detail sieht man das auf
einer
Grafik des britischen Met Office, die den Temperaturverlauf
aus Bodenmessungen, Satellitenmessungen und Wetterballons (Radiosonden)
vergleicht - die drei Messreihen decken sich fast genau, und
zeigen alle drei den deutlichen Erwämungstrend der letzten
Jahrzehnte.)
Alvenslebens
Formulierung, man könne die globale Erwärmung "mit
gutem Gewissen als ein Märchen bezeichnen" ist ein
Beispiel für grundlose Polemik. Als
Argument für die Behauptung, es gäbe gar keine globale
Erwärmung, eignen sich die Satellitendaten nicht. Die
meisten "Klimaskeptiker" bestreiten daher auch nicht,
dass das Klima sich erwärmt, sondern nur, dass der Mensch
dafür verantwortlich ist.
6. Änderungen
des Meeresspiegels?
Als eine der Folgen der "globalen
Erwärmung" wird von den Klimawarnern eine Erhöhung
des Meeresspiegels erwartet. Wenn das Meerwasser sich erwärmt,
dehnt es sich aus. Außerdem befürchtet man ein
Abschmelzen der Festlandgletscher und des Grönlandeises
und langfristig der Antarktis, und damit verstärkte Zuflüsse
ins Meer. Wir werden noch sehen, was es damit auf sich hat.
Siehe
weiter unten.
7.
Häufigkeit von Unwetterkatastrophen
Ein vermehrtes Auftreten von
Stürmen, Hurrikans, Taifunen, Hochwassern als Folge einer
globalen Erwärmung gehört zu den beliebtesten Schreckensvisionen
der Klimawarner. Allerdings muß ich den IPCC-Bericht
in diesem Punkt freisprechen: In tropischen und außertropischen
Stürmen sei über das 20. Jahrhundert hin kein signifikanter
Trend erkennbar, und auch keine systematische Änderung
in der Häufigkeit von Tornados, Gewittertagen oder Hagelschlägen.
Anderslautende Voraussagen spekulieren auf das kurze Gedächtnis
der Menschen. Aber sorgfältigen statistischen Untersuchungen
halten sie nicht stand. Zugenommen hat, wie die Münchener
Rückversicherungsgesellschaft zu melden weiß, die
durchschnittliche Schadenshöhe von schweren Unwetterkatastrophen
- als Folge der zunehmenden Bevölkerungsdichte, aber
auch der Versiegelung von Böden, der Begradigung von
Bach- und Flußläufen etc. Aber die Zahl schwerer
Stürme pro Jahrzehnt ist in allen Erdteilen ziemlich
konstant geblieben; manche Untersuchungen verzeichnen sogar
eine Abnahme.
Eine
Zunahme von Extremereignissen ist wissenschaftlich grundsätzlich
nur schwer zu belegen, weil diese definitionsgemäß
selten sind - man muß über etliche Jahrzehnte "sammeln",
bis man genug Ereignisse für einen statistischen Nachweis
beisammen hat. Die Aussagen des IPCC bedeuten, dass nicht genug
Daten für den Nachweis eines Trends vorhanden sind; sie
bedeuten nicht, dass es keinen Trend gibt.
Es gibt aber
außer der reinen Statistik gute wissenschaftliche Gründe,
eine Zunahme von Unwetterkatastrophen in einem wärmeren
Klima zu befürchten; ich habe sie in meinem Brockhaus-Artikel
zur Elbeflut (www.pik-potsdam.de/~stefan/flutkatastrophe.html)
zusammengefaßt.
Wenn Herr Alvensleben schon die Erkenntnisse der Kollegen
von der Münchner Rück zitiert, dann sollte er dies
vollständig tun: sie kommen zu dem Schluß, dass
nur ein Teil der drastisch gestiegenen Schadenshöhe auf
den Anwachs von Werten in gefährdeten Gebieten zurückzuführen
ist, ein weiterer Teil dagegen auf den Klimawandel.
8.
Das Nordpoleis
Im Jahr 2000 wurden am Nordpol
offene Spalten im Eis entdeckt und als "Beweis"
für die globale Erwärmung durch die Medien weit
verbreitet. Was die Entdecker nicht wußten: Solche Spalten
waren längst aus früheren Jahrzehnten bekannt, sie
treten bei dem schwimmenden Nordpoleis immer wieder einmal
auf – wie man z.B. in dem Sachbuch "Klimafakten"
bei Berner [1] nachlesen kann. 2001 haben die Eisspalten am
Nordpol sich wieder geschlossen; kürzlich erfolgte Messungen
ergaben am Pol eine Eisdicke von 3.5 m ("Der Spiegel"
vom 15.9.2001).
Die
Entdecker waren arktiserfahren und kannten selbstverständlich
die "Leads", die offenen Spalten im Eis. Sie berichteten
im Sommer 2000 über ungewöhnlich geringen Eisgang
von ihrer Abfahrt in Spitzbergen auf dem ganzen Weg bis zum
Pol. In den Medien wurde dies aufgebauscht und verkürzt,
bis hin zur herrlichen Schlagzeile der "Bild"-Zeitung:
"Nordpol weg?". Sämtliche deutschen
Klimaforscher (auch ich) sagten damals einhellig den zahlreich
anrufenden Journalisten, dass ein einzelner Sommer mit geringem
Eisgang nicht als Beleg der globalen Erwärmung dienen kann.
Bessere Hinweise aus wissenschaftlicher Sicht kommen zum einen
von den Messungen der ständig unter dem Eis kreuzenden
militärischen U-Boote, die eine Abnahme der Eisdicke um
40% in den abgelaufenen 30 Jahren zeigen [4]. Zum anderen von
Satellitenmessungen, wonach die arktische Meereisfläche
sich deutlich verringert [5].
9.
Einfluß der Sonne
Hier müssen wir zwischen
direkten und indirekten Wirkungen, die von der Sonne ausgehen,
unterscheiden. Die direkte Sonnenstrahlung schwankt über
Jahrzehnte nur um etwa 0.1%, was an der Erdoberfläche
Schwankungen des "Strahlungsantriebs" (Forcing)
von 0.3 W/m² ausmacht.
Es
ist zu begrüßen, dass Alvensleben hier die konkrete
Zahl des solaren Forcings von 0.3 W/m² nennt. Noch besser
wäre es gewesen, zum Vergleich das derzeit vom Menschen
verursachte zusätzliche Forcing anzugeben: es beträgt
2.7 W/m². (Diese Zahl hätte Alvensleben nicht nur
beim IPCC, sondern auch in dem von ihm offenbar eher geschätzten
„Skeptiker“-Buch Klimafakten gefunden.)
Viel größer sind
indirekte Wirkungen als Folge von Schwankungen des Sonnenmagnetfeldes,
in das die Erde eingebettet ist. Folgendes geschieht dabei:
Teilchen der Kosmischen Strahlung, die aus den Tiefen des Weltraums
ständig in die Erdatmosphäre prasseln, erzeugen dort
Ionen, die - genau wie schwebende Staubteilchen (Aerosole) -
als Kondensationskerne für Wassertropfen dienen können.
Das wechselnde Magnetfeld und der Sonnenwind schirmen Kosmische
Strahlung mehr oder minder stark ab. Sie ändern damit die
Tropfenbildung in der Atmosphäre und die Wolkenbedeckung
der Erde.
Die Frage der
indirekten Wirkungen der Sonne ist wichtig und wird (im Gegensatz
zu den meisten anderen „Skeptiker“-Argumenten, die
sich nur an Laien wenden) auch unter Wissenschaftlern ernsthaft
diskutiert und erforscht. Allerdings ist Alvenslebens Darstellung
des derzeitigen Kenntnis- und Diskussionsstandes nicht richtig.
Er beginnt mit der Behauptung: "Viel größer
sind indirekte Wirkungen..." Niemand weiß, wie groß
eine solche indirekte Wirkung sein könnte, und ob sie schwächer
oder stärker als die direkte Strahlungswirkung ist. Bislang
ist nicht einmal der Nachweis gelungen, dass es überhaupt
eine solche indirekte Wirkung gibt.
Die Abschirmung
der ionisierenden Strahlung durch das solare Magnetfeld ist
lange bekannt. Sie wurde bereits 1971 auf dem Deckel eines Geophysik-Lehrbuches
zeichnerisch dargestellt. Noch länger bekannt ist die Wirkung
von Ionen als Kondensationskerne - sie sind die Grundlage der
"Wilsonschen Nebelkammer", die ich schon 1951 als
Physikstudent im Praktikum kennengelernt habe.
Der
Grundgedanke - der mögliche Einfluß der kosmischen
Strahlung auf die Wolkenbildung - wird durch Alvensleben richtig
dargestellt.
Im Jahre 1997 haben die dänischen
Forscher Svensmark und Friis-Christensen, gestützt auf
Satellitenmessungen der Wolkendecke seit 1979, den engen Zusammenhang
zwischen außertropischer Wolkenbedeckung und sonnenmodulierter
Kosmischer Strahlung nachgewiesen und veröffentlicht. Sie
fanden einen Abkühlungseffekt von 1 bis 1.5 W/m² -
3 bis 5 mal so groß wie die Schwankungen der direkten
Sonnenstrahlung.
Bei der
zitierten Arbeit handelt es sich um eine reine Korrelation
(also nur eine Ähnlichkeit im Kurvenverlauf von Wolkenbedeckung
und kosmischer Strahlung), die aber aufgrund der nur kurzen
Zeitreihe noch nicht sehr signifikant war (also auch Zufall
sein konnte). Leider hat sich diese Korrelation im weiteren
Verlauf der Messungen nicht bestätigt [6]. Weitere Korrelationen
mit anderen Wolkendatensätzen (z.B., nur niedrige Wolken)
sind seither publiziert und dann ebenfalls widerlegt worden.
Meine persönliche Einschätzung dieser Diskussion:
(1) Zunächst
hoffnungsvoll aussehende Korrelationen haben sich nicht bestätigt,
eine überzeugende langfristige Korrelation wurde bislang
nicht gefunden.
(2) Wolkenbildung
über Kondensationskerne funktioniert rasch - innerhalb
von Stunden. Daher müßte sich dieser Mechanismus
auch bei kurzfristigen Schwankungen zeigen, nicht nur in den
langen Klimatrends. Auf kurzen Zeitskalen findet man aber
keine Korrelation zwischen Wolkendaten und den Schwankungen
der kosmischen Strahlung [11].
(3) Berücksichtigt
man nur die direkte Strahlungswirkung der Sonne im Modell,
so erhält man bereits eine im Vergleich mit Paläodaten
realistische Abkühlung in den Aktivitätsminima der
Sonne (etwa dem Spörer-Minimum, Abbildung unter www.pik-potsdam.de/~stefan/
Publications/Other/klimageschichte.pdf) [7]. Wäre
die Sonnenwirkung durch indirekte Effekte 5 mal so groß,
so hätte das z.B. im Spörer-Minimum auch zu einer
5 mal größeren Abkühlung führen müssen,
die aber so nicht stattgefunden hat. Wäre die Sonnenwirkung
also erheblich stärker als bislang angenommen, so hätten
wir aufeinmal erhebliche Probleme zu verstehen, warum die
jüngere Klimageschichte nicht viel größere
Schwankungen aufweist.
Diese Argumente
sprechen dafür, dass die indirekte Sonnenwirkung nicht
sehr stark sein kann.
Übrigens: selbst wenn die indirekte Sonnenwirkung 5 mal
stärker ist als die direkte und damit 1.5 W/m² betragen
würde, wäre dies immer noch nur etwa halb soviel
wie der vom Menschen heute bereits verursachte Strahlungsantrieb
von 2.7 W/m² (siehe oben); selbst dann würde also
der menschliche Einfluss auf das Klima schon klar überwiegen.
Noch etwas:
egal wie sehr die Sonnenwirkung verstärkt sein könnte
– seit 60 Jahren hat die Sonnenaktivität nicht
zugenommen, wie Prof. Sami Solanki, Direktor des Max-Planck-Instituts
für Sonnensystemforschung und einer der führenden
Experten auf diesem Gebiet, bestätigt.
Aber der "Dritte
Ergebnisbericht" des IPCC befand noch 2001: "Mechanismen
für die Verstärkung solarer Effekte auf das Klima
sind vorgeschlagen worden, es fehlt ihnen aber bisher eine strenge
theoretische oder beobachtungsseitige Basis". Daher wurden
diese Effekte vom IPCC in seinen Klimamodellen nicht berücksichtigt
- wohl einer der größten einzelnen Fehler in den
Analysen der klimarelevanten Einflußgrößen.des
IPCC. Wir sollten auch im Auge behalten, daß wir das Verhalten
des solaren Magnetfeldes nicht voraussagen können. Es geht
als großer Unsicherheitsfaktor in alle Modellrechnungen
ein.
Ich
kann der Einschätzung im IPCC-Bericht nur voll zustimmen
– sie gilt auch jetzt (2004) noch uneingeschränkt.
Übrigens: der IPCC-Bericht diskutiert publizierte Forschungsarbeiten.
Wenn Alvensleben sagt "in seinen Klimamodellen nicht berücksichtigt"
bedeutet dies nicht, dass das IPCC eigene Klimamodelle betreibt;
es bedeutet einfach, dass noch kein Forscher in einem Modell
einen solchen indirekten Sonneneffekt berücksichtigt hat,
da bislang weder seine Existenz noch Stärke belegt ist.
Es steht jedem (auch jedem "Klimaskeptiker") frei,
ein solches Modell zu erstellen und zu publizieren; dann wird
es auch im nächsten IPCC-Bericht diskutiert werden.
Noch weit größere
Schwankungen der von der Erde empfangenen Sonnenstrahlung werden
verursacht durch periodische Veränderungen der Erdbahn
und der Schiefe der Ekliptik. Diese Änderungen spielen
sich ab auf Zeitskalen von 20 000 bis 100 000 Jahren (Milankowitsch-Zyklen)
und werden als Ursachen der Eiszeiten angesehen, die man aus
Eisbohrkernen datieren konnte. Wegen der großen Zeitskalen
sind sie aber nicht Thema dieses Vortrages.
Richtig.
Aufgrund der Milankovich-Zyklen ist erst in frühestens
30,000 Jahren mit dem Beginn der nächsten Eiszeit zu rechnen.
10.
Klimasimulationen im Computer
Die Klimamodelle, auf deren
Vorausberechnungen sich die ganze "Global Warming"-Aufregung
stützt, sind noch grob falsch - unter anderem deshalb,
weil sie den Einfluß der Wolken und vieler anderer,
auch von der Sonne kommender Effekte völlig unzureichend
berücksichtigen. Das stärkste Treibhausgas ist nicht
CO2, sondern H2O, also Wasserdampf in Gasform.
Und dessen Gehalt in der Atmosphäre schwankt zeitlich
zwischen 0.1 und 5.0 %, also in einem großen Bereich.
Aber nicht nur das - Wasserdampf absorbiert auch Strahlung
in einem viel breiteren Bereich von Wellenlängen des
Infrarotspektrums, in dem die Strahlung der Erdoberfläche
liegt, als es Kohlendioxid tun kann. Rund zwei Drittel des
gesamten Treibhauseffekts der Erdatmosphäre sind von
H2O-Dampf verursacht, wie in den "Klimafakten" [1]
festgestellt wird. Und je nachdem, wieviel Kondensationskerne
in der Atmosphäre sind, können sich Wolken bilden,
mit kleinen oder großen Tropfen, und davon hängt
wieder ab, wie stark sie Sonnenlicht direkt reflektieren,
und wie stark sie die Abstrahlung vom Erdboden behindern –
kurz, es gibt da so komplizierte Zusammenhänge, daß
ich gar keine Hoffnung sehe, Klimamodelle so gut zu machen,
daß sie brauchbare Voraussagen über Jahre oder
Jahrzehnte liefern könnten. (Eindrucksvolle Beispiele
für diese Problematik gibt Joachim Bublath [2] in seinem
Buch "Chaos im Universum").
Es
gehört zum Standardrepertoir der "Skeptiker",
den Eindruck zu erwecken, die Warnungen der Klimaforscher
vor dem Treibhauseffekt beruhten hauptsächlich auf Modellrechnungen.
Solche Modelle lassen sich dann leicht als Fiktion oder fehlerhaft
abtun. Die stärksten Argumente liegen aber in Meßdaten
und Daten der Klimageschichte.
Einige der
wichtigsten sind:
(1) der gemessene Anstieg des CO2,
(2) die gemessene Strahlungswirkung von CO2,
(3) Satellitenmessungen des Strahlungshaushalts der Erde,
(4) der Vergleich der Stärke des vom Menschen verursachten
Strahlungsantriebs mit anderen möglichen Antriebsfaktoren,
etwa Schwankungen der Sonnenaktivität,
(5) die gemessenen Erderwärmung im 20. Jahrhundert,
(6) der Vergleich mit natürlichen Temperaturschwankungen
aus längerfristigen Klimadaten (u.a. aus den Eisbohrkernen),
(7) der Vergleich der gemessenen Erwärmung mit der aus
dem Strahlungsantrieb zu erwartenden Erwärmung (die man
auch ohne Modellrechnung abschätzen kann, Arrhenius hat
dies bereits 1896 vorgemacht),
(8) die antarktischen Daten über CO2 und Temperaturverlauf
der letzten 420,000 Jahre (in Zusammenhang mit der Kenntnis
der Milankovich-Zyklen).
Diese Tatsachen
und ein paar simple Abschätzungen mit Papier und Bleistift,
ohne jedes Computermodell, reichen völlig aus, um den
menschlichen Einfluß auf das Klima mit hoher Wahrscheinlichkeit
festzustellen.
Die jetzt vom
IPCC in der Öffentlichkeit verbreiteten Modellrechnungen,
nach denen Erwärmungen von 1.4 bis 5.8 Grad bis zum Ende
des 21. Jahrhunderts zu erwarten sind, sind jedenfalls so unzuverlässig,
daß ich sie als Prognosen für wertlos halte. Sie
scheitern ja schon an der "Rückwärts-Vorhersage"
für das Klima des vergangenen Jahrhunderts. Die Modellierer
selbst sind auch vorsichtiger geworden, wie ich auf einer Klimatagung
in Frankfurt lernen konnte. Sie sprechen nicht von Prognosen,
sondern von "Szenarien", also von Beschreibungen eines
Klimas, das dann eintreten wird, wenn ihre hineingesteckten
Annahmen richtig sind. ... Klima-Skeptiker erwarten aufgrund
theoretischer Berechnungen eine Erwärmung von nicht mehr
als 0.4 °C bis 2100 als Folge der CO2-Zunahme
(Dietze, 2002). Das würde auch genau dem gemessenen Trend
in den Satellitenbeobachtungen entsprechen.
Wieso
Herr Alvensleben behauptet, die Modelle würden an der
"Rückwärts-Vorhersage" scheitern, ist
mir unklar, liefern die Modelle doch recht gute Rekonstruktionen
nicht nur der letzten hundert, sondern sogar der letzten tausend
Jahre [7]. Noch wesentlich genauere Rechnungen kann man selbst
mit perfekten Modellen nicht erwarten, da zum einen die Antriebsdaten
nur mit bestimmten Fehlermargen bekannt sind, und es zum anderen
einen gewissen Anteil zufälliger Wetterschwankungen im
Klimasystem gibt, die prinzipiell im Detail nicht berechenbar
sind.
Die Modellierer
haben schon immer von Szenarien und nicht von Prognosen gesprochen,
denn es gibt einen grundsätzlichen Unterschied. Szenarien
funktionieren nach dem "wenn...dann" Prinzip: "wenn
das CO2 um X ansteigen würde, würde dies
zu einer Erwärmung um Y führen". Dies ist aus
zwei Gründen keine Prognose. Einmal weiß man nicht,
wie stark das CO2 ansteigen wird, da dies von Menschen
und ihren Entscheidungen abhängt, die nicht auf hundert
Jahre vorherzusagen sind. Wir Menschen können uns z.B.
dafür entscheiden, Klimaschutz zu betreiben, wodurch
die pessimistischeren Szenarien nicht eintreten. Zum zweiten
kann ein Szenario den Effekt einer einzelnen Einflußgröße
(etwa CO2) untersuchen, eine Prognose müßte
dagegen alle denkbaren Einflüsse berücksichtigen.
Zu Dietze's Privattheorie weiter unten; die Satellitendaten
sind oben bereits behandelt worden.
Nach diesem Streifzug durch
meine Studienergebnisse möchte ich nun einige der oben
angeschnittenen Punkte näher erläutern.
Gletscher als Klimazeugen
Zuerst zu der Frage, wie weit
Gletscher uns über Klimaänderungen Auskunft geben
können: Bevor man aus der Abnahme der meisten kontinentalen
Gletscher auf eine globale Erwärmung schließt,
sollte man mehrere Umstände in Rechnung stellen:
a) 99% des Gletschereises
der ganzen Erde befinden sich in der Antarktis und auf Grönland.
Die kontinentalen Gletscher der polfernen Gebiete machen nur
1% der Gletschermasse aus. Das Hauptgletschergebiet der Erde,
die Antarktis, zeigt für die Zeit seit etwa 1960 in Bodennähe
eine beträchtliche Abkühlung von 0.7 °C pro Jahrzehnt,
wie unabhängig voneinander mehrere Forschergruppen in "Nature"
und "Science" berichteten (Januar 2002). Eine Voraussage,
im Jahre 1990 veröffentlicht in der referierten Zeitschrift
"Nature", erwartet sogar ein deutliches Absinken des
Meeresspiegels als Folge der Zunahme des antarktischen Inlandeises.
- Nur auf der antarktischen Halbinsel, dem "Sporn"
von der Antarktis in Richtung Südamerika, wurde eine Erwärmung
verzeichnet.
Für
die Antarktis erwartet man in der Tat (hier hätte Alvensleben
auch die IPCC-Berichte zitieren können) eine Zunahme des
Kontinentaleises - aber nicht wegen einer Abkühlung (die
Gletscher schmelzen dort ohnehin nicht, sondern fließen
bis ins Meer), sondern wegen zunehmender Niederschläge
in einem wärmeren Klima. Für sich alleine genommen
würde diese Zunahme des Inlandeises zu einer Abnahme des
Meeresspiegels führen. Andere Effekte (thermische Expansion
des Meerwassers, Abnahme des Grönlandeises) werden diesen
Effekt aber voraussichtlich mehr als ausgleichen, sodaß
insgesamt mit einem Anstieg des Meeresspiegels zu rechnen ist.
b) Eis ist ein
sehr schlechter Wärmeleiter. Gletscher folgen daher Temperaturänderungen,
abhängig von ihrer Dicke, nur träge mit großen
Verzögerungen (typisch: Jahrzehnte). Daher darf es nicht
überraschen, daß manche Gletscher, wie etwa der Franz-Josefsgletscher
auf Neuseeland, trotz der globalen Abkühlung von 1940-1970
zusammenschmolzen und trotz der anschließenden Erwärmung
wieder zunahmen. In den letzten Jahrzehnten sind die meisten
Alpengletscher geschrumpft, während die meisten norwegischen
Gletscher gewachsen sind.
Alvensleben
weiß sicherlich, dass Gletscher nicht auf die globale
Mitteltemperatur reagieren, sondern auf die Temperaturentwicklung
vor Ort; sein Argument ist nicht schlüssig. Im Januar
2002 hatte ich Gelegenheit, die Gletscher der MtCook-Region
einschließlich des Franz Josef auf einer zehntägigen
Feldexkursion mit amerikanischen und neuseeländischen
Wissenschaftlern zu besuchen.
Fazit: der Franz-Josef reagierte jeweils direkt auf die Temperaturentwicklung
vor Ort. Von 1980-1999 stieß er vor, weil es in der
Region eine Abkühlung gab. Das gleiche gilt für
die weiteren Gletscher der Südalpen, die von den neuseeländischen
Kollegen jedes Jahr aus der Luft fotografiert und vermessen
werden - die gesamte Region hat einheitlich auf die Abkühlung
reagiert. Dann erwärmten sich die Temperaturen wieder,
und innerhalb von nur zwei Jahren ist der gesamte Vorschub
des Franz-Josef der vorangegangenen 20 Jahre wieder weggeschmolzen
- ohne die behauptete Verzögerung.
Eine solche
Verzögerung gilt nicht für die Reaktion auf Temperaturschwankungen
(die unmittelbar auf das Schmelzen der Gletscherzunge wirken),
sie gilt nur für die Reaktion auf Änderungen der
Niederschläge im oberen Gletscherbereich. Sie beträgt
bei den meisten Gletschern einige Jahre, bei sehr großen
bis zu 2-3 Jahrzehnte.
c) Zu oder Abnahme
von Gletschern hängen empfindlich von den Niederschlagsmengen
im Nährgebiet der Gletscher ab. Daher findet man in nahe
benachbarten Regionen nicht selten gleichzeitig wachsende und
schrumpfende Gletscher.
Das
Verhalten der Gletscher in den meisten Weltgegenden wird von
Temperaturschwankungen dominiert. Es gibt einige bekannte Ausnahmen,
wo Niederschlagsschwankungen wesentlich sind. Etwa in der Antarktis,
wo die Temperaturen ohnehin immer unter dem Gefrierpunkt sind
und die Gletscher bis ins Meer fließen (s.o.). Oder in
Norwegen, wo es bei den küstennahen maritimen Gletschern
durch die Nordatlantische Oszillation (NAO) zu extrem starken
Niederschlagsschwankungen kommt - je nachdem, ob der Zustrom
feuchter Meeresluft über Norwegen verläuft oder nicht.
Die anhaltende Hochphase der NAO mit starken Winterniederschlägen
hat zeitweise zum Anwachsen der norwegischen Gletscher geführt;
insgesamt sind auch sie aber im 20. Jahrhundert deutlich zurückgegangen.
(Ich schreibe diese Zeilen übrigens in Norwegen und habe
mich bei den einheimischen Glaziologen der Richtigkeit dieser
Aussagen versichert.)
d) Die normale
Abnahme der Lufttemperatur nach oben beträgt 0.1 °C
pro 15 Höhenmeter. Bei einem Gefälle einer Gletscherzunge
von 10%, (also 1 m Höhendifferenz auf 10 m Gletscherlänge)
genügt daher eine Temperaturzunahme von 0.1 °C, um
die Gletscherzunge um 150 m zu verkürzen - ein ziemlich
dramatisch wirkender Effekt für eine so kleine Ursache.
Richtig
ist, dass Gletscher (von den eben erwähnten Ausnahmen abgesehen)
ein sensibler Indikator für Temperaturschwankungen sind.
Der Gletscherschwund hat in der Tat dramatische Ausmaße
angenommen (die Alpengletscher haben bereits die Hälfte
ihrer Masse verloren). Der vielerorts gemessene Gletscherrückgang
ist dabei in seinem Ausmaß in der Regel konsistent mit
der jeweils vor Ort gemessenen Erwärmung. In der globalen
Zusammenschau aller Gletscher [8] bedeutet dies eine eindrucksvolle
und unabhängige Bestätigung der von den Bodenstationen
gemessenen Erwärmung.
Wie funktioniert
der Treibhauseffekt on der Erdatmosphäre? Wenn die Satelliten
trotz der Zunahme des CO2 in der Atmosphäre
keine Temperaturerhöhung, also keinen verstärkten
Treibhauseffekt finden, verlangt das nach einer Erklärung.
Ich versuche, den Sachverhalt möglichst anschaulich darzustellen
und lehne mich im Folgenden an einen Internet-Diskussionsbeitrag
eines klugen Engländers, Richard Courtney, an, der schwierige
Sachverhalte gut zu erklären versteht: : Änderungen
im CO2-Gehalt der Atmosphäre haben die globale
Temperatur nicht so geändert, wie es die Hypothese des
verstärkten Treibhauseffekts voraussagt. Jahrzehntelang
zwischen 1940 und 1975, ist ja die globale Temperatur gesunken,
trotz steigenden CO2-Gehalts. Einige Klimatologen
haben dafür die "Sulfat-Aerosol-Hypothese" zur
Erklärung herangezogen. Aber John Emsley (vom Imperial
College of Science and Technology und Gewinner des Rhone Poulenc-Preises
1995) war der erste, der erklärte, daß es zu erwarten
sei, daß Anstiege im atmosphärischen CO2-Gehalt
nur einen geringen Einfluß auf die globale Temperatur
haben würden.
Wieder
zitiert Herr Alvensleben keine wissenschaftlichen Publikationen,
sondern fachlich nicht nachvollziehbare Behauptungen, die jemand
im Internet aufstellt. Aus gutem Grunde hat die Wissenschaft
eine Kultur entwickelt, in der Thesen in fachlichen Publikationen
sauber dokumentiert und damit der Nachprüfung und Kritik
von Fachkollegen ausgesetzt werden; sie setzen sich erst durch,
wenn sie einer solchen Überprüfung standhalten.
Übrigens
besagt die Theorie des verstärkten Treibhauseffektes
nicht, dass CO2 der einzige Einflußfaktor
auf das Klima ist. Schwankungen um ein oder zwei Zehntel Grad
sind auch bei konstantem CO2 nicht ungewöhnlich
und können aus verschiedenen Gründen auftreten (Sulfat-Aerosole,
Sonnenaktivität, Vulkanismus, interne Schwankungen im
Klimasystem). Diese Schwankungen überlagern sich dem
langsamen Erwärmungstrend, daher rechnet kein Wissenschaftler
mit einem gleichförmigen, monotonen Trend. Eine vorübergehende
leichte Abkühlung kann auch künftig wieder auftreten,
trotz steigendem CO2.
Einige Mechanismen des Treibhauseffekts
sind unumstritten. (...)
Einfache Berechnungen zeigen,
daß eine "nackte" Erde ohne Atmosphäre,
(aber mit dem tatsächlichen Reflexionsvermögen von
30%, das im zeitlichen Mittel für die teilweise bewölkte
Erde gilt) eine mittlere Oberflächentemperatur von etwa
-18 °C haben sollte. Aber die Erde hat eine mittlere Oberflächentemperatur
von etwa +15 °C, das heißt ungefähr 33 °C
wärmer als die einfache Berechnung des Strahlungsgleichgewichts
ergibt. Dieser Unterschied ist verursacht durch den "natürlichen
Treibhauseffekt."
Die Erdatmosphäre ist nicht transparent für einige
Infrarotstrahlung, die von der Erdoberfläche emittiert
wird, weil einige Wellenlängen dieser Strahlung durch Moleküle
in der Luft absorbiert werden können. Strahlung besteht
aus Photonen, und jedes Photon besitzt eine Energie, die von
seiner Wellenlänge abhängt. Diese Energie wird aufgenommen,
wenn ein individuelles Photon von einem individuellen Luftmolekül
absorbiert wird. (Bild 4) Das Molekül wird dabei angehoben
in einen Zustand höherer Schwingungs- und Rotationsenergie,
und man nennt das dann "angeregt". Das angeregte Molekül
kehrt zu seinem ursprünglichen Zustand niedriger Energie,
seinem "Grundzustand" zurück, wenn es die Energie
des absorbierten Photons wieder abgibt. CO2-Moleküle
in Luft absorbieren Strahlung in zwei schmalen Bereichen von
Wellenlängen ("Absorptionsbanden"). Es gibt keine
Meinungsverschiedenheiten über den bis hierher beschriebenen
Mechanismus.
In
Ordnung.
Dr. Jack Barrett
(einer der eingeladenen Vortragenden auf einer Klimatagung in
Frankfurt, Oktober 2001) hat nun darauf hingewiesen, daß
es sehr unwahrscheinlich ist, daß diese Strahlung von
den CO2-Molekülen re-emittiert werden kann,
bevor sie durch Zusammenstöße mit Stickstoff- oder
Sauerstoffmolekülen in Bewegungsenergie dieser Moleküle,
also in Wärme umgewandelt wird. Dieser "Thermalisierung"
genannte Vorgang wird auch von IPCC-Vertretern nicht bestritten.
Die CO2-Moleküle würden, wenn sie ungestört
blieben, nach etwa einer hunderttausendstel Sekunde aus dem
angeregten Zustand spontan in den Grundzustand zurückkehren,
indem sie das eingefangene Photon wieder emittieren. Stattdessen
werden sie vorher, (also innerhalb einer Hunderttausendstel
Sekunde!) etwa 10 000 mal von den viel zahlreicheren N2- und
O2-Molekülen angestoßen. Man unterscheidet elastische
und unelastische Stöße. Letztere sind viel seltener,
aber zahlreich genug, um den CO2-Molekülen ihre
Anregungsenergie abzunehmen, bevor sie diese abstrahlen können.
Die N2- und O2- Moleküle können die Wärme aber
nicht abstrahlen. Sie können sie durch Konvektion, durch
Wind, durch Bodenberührung und durch Stöße untereinander
neu verteilen, und sie können ihrerseits CO2-Moleküle
im Grundzustand wieder "anregen". Dieses Pingpongspiel
mit Photonen bedeutet aber, daß die Wärmeenergie
im Mittel tagelang in der Atmosphäre gespeichert bleibt,
bevor sie es schafft, in der oberen Atmosphäre in den Weltraum
abgestrahlt zu werden. Nach Barretts Berechnung ist der gesamte
Wärmegehalt der Erdatmosphäre rund 120 mal so groß
wie die Wärmemenge, die täglich umgesetzt, also von
der Sonne empfangen und wieder emittiert wird.
Der
Sinn dieses Absatzes ist unklar. Zunächst beschreibt Herr
Alvensleben die bekannte Absorption von Strahlungsenergie und
ihre Umwandlung in Wärme. Daran ist nichts neu oder kontrovers;
lediglich der Begriff "Thermalisierung" ist ungebräuchlich.
Dann spricht er von der Schwierigkeit der Atmosphäre, Wärme
abzustrahlen, sodaß die Atmosphäre die tagsüber
von der Sonne empfangene Wärme mehrere Tage zwischenspeichert.
Jeder der einmal erlebt hat, wie schnell sich die Luft an einem
klaren Tag nach Sonnenuntergang abkühlt, weiß aus
eigener Erfahrung, daß dies so nicht richtig ist. Vielleicht
meint Herr Alvensleben auch nur, dass nicht innerhalb eines
Tages die auf den absoluten Nullpunkt (-273 °C) bezogene
gesamte Energie abgestrahlt werden kann - das stimmt. Wie dem
auch sei - die Wärmespeicherung in der Atmosphäre
bestimmt zwar die Amplitude des Tagesgangs, hat aber auf die
über Jahrzehnte ablaufende Treibhauserwärmung kaum
Einfluß (ebensowenig wie die Speicherung über mehrere
Monate im oberen Ozean). Insofern ist diese ganze Erklärung
für das Problem irrelevant.
Berechnungen auf
Basis der HITRAN-Spektral-Datenbank, mit der auch das IPCC arbeitet,
zeigen, daß eine typische Atmosphäre mit dem normalen
Partialdruck von CO2 und mit einer 50-prozentigen
Wasserdampfsättigung schon nach 100 m Weglänge 72,8%
der Strahlung von der Erdoberfläche absorbiert hat. Verdoppelt
man in dieser Atmosphäre den CO2-Gehalt, so
erhöht sich die Absorption von 72.8 auf 73,5%. Die winzige
Erhöhung um 0.7 Prozent bei CO2-Verdoppelung
zeigt an, wie nahe an einer Sättigung die Treibhauswirkung
durch CO2 - im Zusammenwirken mit dem stets vorhandenen
Wasserdampf - bereits ist.
Tatsächlich
ist die untere Troposphäre durch ihren hohen Wasserdampfgehalt
wenig durchlässig für Wärmestrahlung, daher
wird ein großer Teil der Wärme dort durch Konvektion
nach oben abtransportiert. Dies ist natürlich in allen
Modellen berücksichtigt.
Die seit Beginn
des 20. Jahrhunderts bekannte beinahe-Sättigung der CO2-Absorptionsbanden
ist der Grund für die im Vergleich zu anderen Gasen ungewöhnlich
geringe Treibhauswirkung von CO2 (pro Molekül).
Klimaskeptiker
contra IPCC
Soweit die Erläuterung
des Treibhauseffektes durch Dr. Barrett. Demgegenüber
geht das IPCC davon aus, daß bei einer CO2-Verdoppelung
in der Atmosphäre ein zusätzlicher "Strahlungsantrieb"
von etwa 3.7 W/m² auftritt, der an der Tropopause abgestrahlt
werden müßte (Die Tropopause ist die Grenzschicht
von der Troposphäre zur Stratosphäre in Höhen
zwischen ca.12 km am Äquator und 8 km an den Polen. Sie
markiert ein Temperaturminimum - oberhalb, in der Stratosphäre,
wird es wieder wärmer, weil dort die harte Ultraviolettstrahlung
der Sonne von Ozon (O3) absorbiert wird und die Stratosphäre
heizt). Der Strahlungsantrieb von 3.7 W/m² soll zu einer
Erwärmung der Atmosphäre von 2.8 °C führen.
Herr
Alvensleben stellt hier eine Erhöhung der Absorption um
0.7 Prozentpunkte einem Strahlungsantrieb von 3.7 W/m²
gegenüber. Offenbar glaubt er, diese Zahlen würden
sich widersprechen. Dies ist nicht der Fall; eine Begründung
versucht Alvensleben auch gar nicht erst.
Es ist in der
Klimatologie üblich, zu berechnen, wie sich eine Verdoppelung
des CO2-Gehalts in der Erdatmosphäre auswirken
würde. Damit macht man sich frei von Annahmen darüber,
wann eine solche Verdoppelung eintreten könnte. Zugleich
schafft man sich eine Basis für Vergleiche verschiedener
Klimamodelle. Dabei benötigt man aber immer noch zwei Stufen:
Zuerst wird berechnet, um wieviel Watt pro Quadratmeter Erdoberfläche
die durch das zusätzliche CO2 zurückgehaltene
Strahlung zunimmt. Im zweiten Schritt muß man herausfinden,
um wieviel Grad C pro 1 Watt Strahlungsantrieb (Forcing) die
Temperatur in der Atmosphäre zunimmt. Letzteres nennt man
die "Klimasensitivität". Zur genauen Feststellung
dieser Sensitivität gibt es leider kein eindeutiges und
allein richtiges Verfahren. Aber mit einer Reihe verschiedener
Verfahren kommt man zu brauchbaren Werten für die Unter-
und Obergrenzen der Sensitivität: Sie liegen bei 0.08°C
und 0.22°C pro 1 Watt/m².[3]
Es
gibt zwei grundsätzlich verschiedene Methoden, um die
Klimasensitivität zu bestimmen:
(1) Man kann
von der Physik ausgehen, nämlich von der im Labor gemessenen
Strahlungswirkung von CO2, die ohne jede Rückkopplung
direkt eine Erwärmung um 1.2°C bei einer Verdoppelung
der Konzentration bewirken würde. Dann muss man noch
die Rückkopplungen im Klimasystem berücksichten:
Wasserdampf, Eis-Albedo, Wolken, usw. Dazu benutzt man Modelle,
die am gegenwärtigen Klima und zunehmend auch an anderen
Klimazuständen (etwa Eiszeitklima) getestet sind. Damit
ergibt sich eine Klimasensitivität von 1.5-4.5 °C
[8]. Die Unsicherheit stammt überwiegend vom Unwissen
über das Verhalten der Wolken. Es wird u.a. auch an unserem
Institut daran gearbeitet, diesen Unsicherheitsbereich weiter
einzugrenzen.
(2) Man kann
von Daten ausgehen und aus vergangenen Klimaschwankungen (z.B.
Eiszeitzyklen) durch eine sogenannte Regressionsanalyse den
Einfluss einzelner Faktoren zu isolieren versuchen. Dazu braucht
man sehr gute Daten und muss sehr sorgfältig alle Faktoren
berücksichtigen. Eine solche Analyse wurde 1990 anhand
der antarktischen Eiskerndaten durchgeführt und ergab
eine Klimasensitivität von 3-4°C [9].
Die durch
Alvensleben genannten extrem niedrigen Werte sind wissenschaftlich
nicht begründet, und würden bedeuten, dass stark
negative Rückkopplungen im Klimasystem überwiegen
und alle Schwankungen wegdämpfen. Wenn das so wäre,
dann wäre es unverständlich, wie es z.B. zu Eiszeiten
kommen konnte. Es verwundert, dass Alvensleben die in der
wissenschaftlichen Fachliteratur dokumentierten Abschätzungen
gar nicht für erwähnenswert hält, und dafür
unhaltbare Zahlen von der Internetseite eines pensionierten
Seemanns anführt.
Ein Kritiker des
IPCC, Peter Dietze, einer der offiziellen Gutachter für
den Dritten IPCC-Bericht, hat in einer detaillierten Kritik
der Methoden, Vereinfachungen und Vernachlässigungen des
IPCC vorgerechnet, daß eine CO2-Verdoppelung
einen (im Vergleich zum IPCC) etwa um den Faktor 4 geringeren
Temperatureffekt bewirken würde - also nur 0.7 °C Erwärmung
der Atmosphäre bei Verdoppelung des CO2-Gehalts.
Herr
Dietze vertritt als Laie eine Privattheorie, die nicht nur
von keinem Strahlungsforscher geteilt wird, sondern auch nicht
von anderen "Klimaskeptikern". Der von Herrn Alvensleben
geschätzte IPCC-Kritiker Berner etwa stimmt in seinem
Buch Klimafakten in diesem Punkt mit dem IPCC überein.
Fachleute haben immer wieder vergeblich versucht, Herrn Dietze
seine Trugschlüsse zu erläutern.
Dies ist aber
nur ein Punkt der Kritik. Weitere Punkte beziehen sich auf die
vom IPCC in Modellrechnungen angenommene jährliche Zunahme
des CO2-Gehalts um 1 Prozent - obwohl die gemessene
Zunahme nur 0.4% beträgt. Ferner kritisiert Dietze die
vom IPCC angesetzte Extrapolation bis zum Jahre 2100 beim globalen
Verbrauch von Kohle, Öl und Gas. Dort wird nicht berücksichtigt,
daß die Vorräte in der Erde begrenzt sind, und daß
mit schwindenden Vorräten und steigenden Preisen die Rate
des Verbrauchs zurückgehen wird..
Manche
Forschergruppen (auch wir) haben einige Testszenarien mit einer
CO2-Zunahme von 1% pro Jahr durchgeführt, in
denen keine anderen anthropogenen Treibhausgase berücksichtigt
wurden - es wurde dabei einfach statt der anderen Gase entsprechend
mehr CO2 angenommen.
Die wesentlichen, im IPCC-Bericht diskutierten Szenarien gehen
dagegen von detaillierten Annahmen für mehrere Gase und
Aerosole aus, die von einer Arbeitsgruppe aus Wirtschaftswissenschaftlern
erarbeitet wurden. Darunter sind auch solche Szenarien, die
von einem deutlichen Rückgang des fossilen Brennsstoffverbrauchs
ausgehen.
Ähnliche
Kritiken wie die von Dietze haben auch andere Experten vorgebracht
[4]. Ich habe mich hier nur auf die von Dietze beschränkt.
Er beschreibt detailliert und für Physiker nachvollziehbar
die gedanklichen und die Rechen-Schritte, mit denen er zu seinen
Ergebnissen kommt. Er hat diese Ergebnisse auch vor Behörden-
und Industrievertretern im Capitol in Washington im Rahmen einer
Anhörung zum Thema der globalen Erwärmung im Mai 2000
vorgetragen ("IPCC's Most Essential Model Errors",
[5])
Dietze
ist nicht der einzige "Skeptiker", der einen solchen
Auftritt in Washington fälschlich wie eine offizielle Anhörung
erscheinen läßt - in Wahrheit handelt es sich um
eine der regelmäßig dort stattfindenden Lobbyveranstaltungen,
die von verschiedenen Interessengruppen organisiert werden,
in der Hoffnung, Einfluß auf die Politik zu gewinnen.
Die Veranstaltung im Mai 2000 war vom prominenten US-Klimalobbyisten
Fred Singer und seiner Organisation SEPP organisiert.
Das Emissionsspektrum
der Erde wird durch Satellitenmessungen veranschaulicht –
im Bereich der CO2-Absorptionswellenlänge ist
die Atmosphäre praktisch vollständig undurchlässig
gegenüber der vom Boden stammenden IR-Strahlung (Bild 5).
Die Strahlung am Boden des 15 µm-"Trichters"
stammt aus einer Atmosphärenschicht mit einer Temperatur
von etwa -53 °C - d.h. aus einer Schicht nahe der Tropopause,
ca. 10 bis 12 km über der Erdoberfläche. Bei CO2-Verdoppelung
müßte sich der "Trichter" bei Fehlen von
Wasserdampf um etwa 11% verbreitern und sich wegen zunehmender
Strahlungskühlung auch etwas vertiefen. Wegen des stets
vorhandenen Wasserdampfes ist die Wirkung der CO2-Verdoppelung
in der Natur aber noch erheblich kleiner. [Dietze2001: Carbon
Model Calculations]
Richtig
ist, dass die zentrale Absorptionsbande des CO2 fast
gesättigt ist. Es gibt aber weitere Banden, die ebenfalls
berücksichtigt werden müssen. Die Absorptionseigenschaften
von CO2 sind im Labor präzise vermessen, Strahlungsspektren
werden auch in der Atmosphäre täglich gemessen. Wenn
der Strahlungstransport in der Atmosphäre nicht voll verstanden
wäre, könnten die von Herrn Alvensleben weiter oben
als "sehr genau" gelobten Satellitenmessungen gar
nicht funktionieren, die auf der Messung der Strahlung von O2-Molekülen
aus der Atmosphäre beruhen. Die zur richtigen Berechnung
des Strahlungsantriebs von CO2 erforderliche Strahlungsphysik
ist seit Jahrzehnten bekannt, gesichert und in der Wissenschaft
völlig unumstritten. Herr Alvensleben hätte sich hier
besser auf seine Physikerkollegen verlassen als auf einen Pensionär
ohne naturwissenschaftliche Ausbildung.
Was
kann durch CO2 -Beschränkungen erreicht werden?
Eine bedeutsame Folgerung
müssen wir noch ziehen: Die Verminderung des CO2-Ausstoßes
in die Atmosphäre, wie sie das Kyoto-Protokoll vorsieht,
kann bestenfalls nur einen kleinen Bruchteil der Wirkung auf
die globale Temperatur haben, die das IPCC annimmt. Die Emissionsreduktion
gemäß Kyoto ist in dieser Hinsicht praktisch wirkungslos:
Folgt man Tom Wigley, einem prominenten Vertreter des IPCC,
so würde sie bis 2050 nur 0.07 °C ausmachen. Wie
Dietze und andere Kritiker gezeigt haben, ist selbst dieser
errechnete Wert noch etwa um den Faktor 3.5 zu groß
- es bleibt ein Kyoto-Temperatursenkungseffekt von 0,02 °C
bis zum Jahre 2050. (Diese Zahl hat Dietze auf einer Tagung
in Wiesbaden den IPCC-Vertretern vorgehalten, und es wurde
ihm nicht widersprochen!). Bekanntlich wollen aber die USA
und andere Länder das Kyoto-Protokoll nicht ratifizieren.
So wird der errechnete Effekt noch einmal herabgesetzt - auf
weniger als 1 /100 °C.
Die
Reduktionsziele des Kyotoprotokolls gelten zunächst bis
2012. Es ist allgemein anerkannt, dass dies nur ein erster Schritt
sein kann, und dass zur Vermeidung eines gefährlichen Klimawandels
weitere Reduktionen in den folgenden Jahrzehnten notwendig sein
werden. Nur aus diesem Grund haben Forscher wie Wigley darauf
hingewiesen, dass Kyoto alleine, ohne weitere Schritte, nicht
ausreicht. Aus diesem Grund ist das Kyotoprotokoll auch von
vorherein als Stufenprozess angelegt; im Protokoll ist der Beginn
von Verhandlungen über weitere Maßnahmen bereits
auf 2005 festgelegt.
Daraus aber
zu folgern, man sollte den Kopf in den Sand stecken und lieber
gleich gar nichts gegen den Klimawandel tun, ist unverantwortlich.
Nur durch konsequente Klimaschutzmaßnahmen über
die nächsten 50 Jahre hinweg läßt sich der
Klimawandel noch in handhabbaren Grenzen halten.
Meine persönliche
Schlußfolgerung: Was uns als Normalbürgern mit
den CO2-Reduktionen zugemutet wird, ist ein beträchtlicher
finanzieller Aufwand und eine für jeden Einzelnen spürbare
Einschränkung seiner persönlichen Lebensgestaltung
- nur zu dem Zweck, eine globale Temperatursenkung zu erreichen,
die so winzig ist, daß praktisch niemand sie messen
kann.
Auf der erwähnten Tagung
in Wiesbaden hörte ich im November 2001 einen Vertreter
des IPCC. Er glaubte noch an die drohende Erwärmung durch
CO2. Seinem Vortrag hatte er den Titel gegeben:
'Von Kyoto nach Marrakesh – von "zu wenig"
nach "noch weniger"'. Obwohl es nicht so gemeint
war, konnte man es praktisch als ein Plädoyer dafür
verstehen, die Pläne von Kyoto stillschweigend zu begraben.
So
groß ist der finanzielle Aufwand gar nicht (mehr dazu
unten), und gerade für Deutschland ergeben sich aus der
notwendigen technologischen Entwicklung auch erhebliche wirtschaftliche
Chancen.
Und der Meeresspiegel?
Nachdem wir uns nun überzeugt
haben, daß die vorausgesagte Klimaerwärmung durch
CO2 gar nicht droht, – ihre Theorie ist "faulty
science" – fehlerhafte Wissenschaft, wie Präsident
Bush sie genannt hat, - und nachdem die Satellitenmessungen
zeigen, daß der Temperaturanstieg gar nicht stattfindet
- können wir die Frage des Meeresspiegelanstiegs ziemlich
schnell erledigen - er findet auch nicht statt.
Pegelmessungen über 3
Jahrzehnte in Tuvalu, einem kleinen pazifischen Inselstaat,
und in Diego Garcia, dem englischen Flottenstützpunkt
mitten im Indischen Ozean, zeigten keine Veränderung
des Meeresspiegels. (Bild 6) Lediglich von Zeit zu Zeit, wenn
der Wind den El-Niño-Strom nach Osten trieb, sank der
Meeresspiegel für einige Zeit um bis zu 30 cm, um anschließend
zu normalen Werten zurückzukehren. (Eine dpa-Meldung
über den drohenden Untergang von Tuvalu, die ich in der
Badischen Zeitung fand, habe ich auf Grund meiner Informationen
beanstandet, und 3 Tage später druckte die BZ einen Widerruf,
nachdem sie mit dem Konsul von Tuvalu gesprochen hatte).
Alvensleben
greift hier zu einem klassischen Trick der „Klimaskeptiker“:
drei Einzelpunkte sollen einen globalen Trend widerlegen. Selbstverständlich
ist bekannt, dass der Meeresspiegel nicht global gleichmäßig
steigt und an vielen Orten sogar absinkt, da der lokale Meeresspiegeltrend
auch von den tektonischen Bewegungen der Kontinente und von
Änderungen in der Ozeanzirkulation abhängt. Wissenschaftlich
hat Herr Alvenslebens Absatz daher keinerlei Aussagekraft über
einen möglichen anthropogenen Trend, aber er ist publikumswirksam.
Drei generelle
Anmerkungen zum Meeresspiegel.
(1) Der anthropogene
Meeresspiegelanstieg beginnt sehr langsam, weil der Ozean
eine große thermische Trägheit hat und anfangs
nur die Oberflächenschichten von der Erwärmung erfasst
werden. Auch das Grönlandeis reagiert nur sehr langsam
auf eine Erwärmung. Deshalb steht uns der allergrößte
Teil des Meeresspiegelanstiegs, der durch die bereits stattgefundene
Erwärmung verursacht wird, noch bevor. Lokale Schwankungen
sind daher bislang z.T. noch größer als der globale
Trend. Meeresspiegelanstieg ist kein Frühwarnsignal einer
Erwärmung, sondern überwiegend eine Spätfolge.
(2) Es handelt
sich aber um eine unausweichliche Folge: einfache Physik sagt
uns, dass warmes Wasser mehr Volumen einnimmt (thermische
Ausdehnung). Selbst wenn wir die globale Erwärmung in
fünfzig Jahren gestoppt haben, wird der Meeresspiegel
noch Jahrhunderte weiter ansteigen, bis sich auch die Tiefsee
entsprechend erwärmt hat. Aus dieser Tatsache ergibt
sich die Gefährdung für tiefliegende Inselstaaten
– nicht aus lokalen Beobachtungstrends aus der Vergangenheit.
(3) Dennoch
ist der Anstieg des Meeresspiegels eine gemessene Tatsache.
Im 20. Jahrhundert betrug er 10-20 cm (also 1-2 mm/Jahr) -
die Unsicherheit ergibt sich aus der ungenauen Datenbasis.
Erst seit 1992 gibt es exakte globale Messungen mit Satelliten-Altimetern.
Diese zeigen einen Trend
von knapp 3 mm/Jahr; der Anstieg hat sich also gegen Ende
des 20. Jahrhunderts bereits deutlich beschleunigt.
Nun zu Tuvalu.
Die dortigen
Pegelstationen werden vom australischen "National Tidal
Centre" unterhalten, allerdings ist dort erst seit März
1993 eine qualitativ hochwertige Station installiert. In dessen
Bericht für Tuvalu vom Juni 2003 (www.ntf.flinders.edu.au)
heisst es: The sea level trend to date is +5.4 mm/year
(as compared to a global average of 1-2 mm/year) but the magnitude
of the trend continues to vary widely from month to month
as the data set grows. Accounting for the geodetic survey
results, the trend is unchanged. A nearby gauge, with a longer
record but less precision and datum control, shows a trend
of +0.9 mm/year.
Auf deutsch: der Meeresspiegel steigt auch in Tuvalu. Wer
mehr wissen will, dem sei das Buch Sturmwarnung des
britischen Journalisten Mark Lynas empfohlen, der die Geschichte
vor Ort in Tuvalu recherchiert hat. Er beschreibt eindrucksvoll,
mit welchen Problemen die Einwohner bereits heute durch den
Meeresspiegelanstieg zu kämpfen haben. Die Betroffenen
würden die Versuche eines deutschen Rentners, ihre Probleme
von seinem trockenen Schreibtisch aus für irreal zu erklären,
wohl als recht zynisch empfinden.
Entsprechendes
gilt für den Inselstaat der Malediven, deren Vertreter
in Marrakesch auf die drohende Überflutung ihrer Inseln
hingewiesen haben sollen. Eine schwedische Untersuchungskommission
unter Leitung eines führenden Experten für die Frage
von Meeresspiegelschwankungen (Prof. Mörner) hat das Problem
auf den Malediven untersucht und überhaupt keine Zunahme
des Meeresspiegels für die letzten 100 Jahre gefunden.
Siehe
oben. Diese Kommission hat übrigens auch festgestellt,
dass der globale Meeresspiegel ansteigt.
Schwankungen
des CO2 in der Erdgeschichte
Die Messungen des CO2-Gehalts
in Eisbohrkernen haben sich, wie man erst seit wenigen Jahren
weiß, doch als ziemlich ungenau erwiesen – wohl
als Folge von Diffusionseffekten im Eis, durch die größere
Schwankungen des CO2-Gehaltes nivelliert wurden.
Daher ist zur Zeit noch die Meinung verbreitet, in den letzten
420 000 Jahren habe der CO2-Gehalt nur zwischen
190 ppm in den kältesten Zeiten und 280 ppm in den Warmzeiten
gependelt. Daraus haben Botaniker gefolgert, der Anstieg des
CO2 in der Atmosphäre um rund 30% in den letzten
140 Jahren sei in der jüngeren Erdgeschichte ein einzigartiger
Vorgang, und die Natur werde sich darauf nicht einstellen
können, mit katastrophalen Folgen für die Pflanzenvielfalt.
(Ich habe darüber einen Briefwechsel mit Prof. Christian
Körner, Botaniker an der Universität Basel geführt,
dem ich für viele Anregungen zu danken habe).
Durch
geschickte Formulierung wird der falsche Eindruck erweckt, neuere
Ergebnisse ("wie man erst seit wenigen Jahren weiß")
haben die CO2-Messung aus Eisbohrkernen ernstlich
in Frage gestellt - die "zur Zeit noch verbreitete Meinung"
sei gar überholt. Fachleute sehen das völlig anders
- siehe nächste Absätze. Die Gasdiffusion im Eis,
die hier als Grund vermutet wird, ist übrigens physikalisch
gut verstanden (u.a. durch Labormessungen) und wird sogar als
weiteres unabhängiges "Thermometer" bei abrupten
Klimawechseln genutzt, weil verschiedene Stickstoffisotope aufgrund
der unterschiedlichen Massen auch etwas unterschiedlich diffundieren
[10].
Ein
neues Meßverfahren - und überraschende Ergebnisse
Hier ein Zitat aus einer Buchbesprechung
[6] im Internet: "Eine neue, robuste Technik zur Bestimmung
der CO2-Gehalte der Luft in der Vergangenheit wurde
nun in den späten Neunziger Jahren eingeführt. Zwischen
der Flächendichte der Spaltöffnungen (Stomatae)
in den Blättern bedecktsamiger Pflanzen (Angiospermen)
und der umgebenden atmosphärischen CO2-Konzentration
besteht ein enger inverser Zusammenhang. Dieser macht es möglich,
den einstigen CO2-Gehalt der Atmosphäre aus
fossilen Blättern zu bestimmen. (Bild 7) Für weniger
weit zurückliegende Epochen können CO2-Gehalte
abgeleitet werden aus Blättern, die man im Torfmoor findet.
Obwohl die Eisbohrkerne dies nicht erkennen lassen, zeigt
das neue Meßverfahren, wie die atmosphärische CO2-Konzentration
von 260 ppm am Ende der letzten Eiszeit schnell auf 335 ppm
im Preboreal (vor 11500 Jahren) anstieg, dann wieder auf 300
ppm abfiel und vor 9300 Jahren 365 ppm erreichte.
Als
Beleg muss hier eine "Buchbesprechung aus dem Internet"
(ohne Autorenangabe) herhalten - das sollte schon skeptisch
stimmen. Wenn diese neue Methode wirklich so robust und akzeptiert
wäre, müßte es dazu ja auch entsprechende
Aussagen von Fachwissenschaftlern geben. Die schätzen
allerdings die Stomata-Methode als erheblich unsicherer ein
als die Eiskerndaten. Das leuchtet selbst Laien ein: die Flächendichte
der Spaltöffnungen variiert von Blatt zu Blatt gewaltig
und stellt eine komplexe biologische Anpassungsreaktion dar,
ist also nur ein sehr indirekter Indikator für CO2;
zudem muß man genügend Blätter finden und
genau datieren (schwierig). In den Luftbläschen im Eis
kann die CO2-Konzentration dagegen direkt und zuverlässig
physikalisch gemessen werden, und das Eis bietet eine fast
lückenlose Abfolge abzählbarer Jahresschichten.
Wissenschaft
ist ein System, in dem viele Menschen zahllose neue Ideen
hervorbringen und diese dokumentieren und publizieren, damit
sie von Fachkollegen kritisch geprüft, diskutiert und
beurteilt werden können. Nur die Ideen haben Bestand,
die sich überzeugend belegen und bestätigen lassen;
viele gehen wieder unter. Wissenschaftler schauen dabei nüchtern
auf methodische Aspekte, etwa auf die Streuung und Reproduzierbarkeit
der Daten, mögliche Fehler, mögliche andere Einflußfaktoren
(auf die Blattöffnungen hat z.B. außer CO2
auch die Feuchte einen großen Einfluß). "Klimaskeptiker"
gehen anders vor: sie bejubeln kritiklos einzelne Arbeiten,
die ihnen ins Konzept passen (wie die Stomata-Daten) und wischen
bedenkenlos und ohne jeden Grund viele andere, methodisch
viel robustere Arbeiten (dutzende detaillierte Untersuchungen
zu Gaskonzentrationen im Eis) vom Tisch. Professionelle Forscher
können es sich nicht leisten, derart mit zweierlei Maß
zu messen.
Diese Beobachtungen
widerlegen die Annahme einer stabilen "vorindustriellen"
Atmosphäre und zeigen, daß CO2-Niveaus
wie das heutige das Ergebnis sonnengesteuerter Temperaturzunahmen
mit darauffolgender Ozean-Entgasung sind. Der rekonstruierte
Verlauf aus der Zeit vor 9000 Jahren gibt Auskunft über
CO2-Zunahmen von 65 ppm pro Jahrhundert, die zu CO2-Niveaus
wie dem heutigen führten, bei Temperaturen ebenfalls ähnlich
den heutigen. Daraus folgt, daß man nach Beweisen für
Effekte der industriellen CO2-Emissionen vergeblich
suchen wird. Weder die heutigen Temperaturen noch die heutige
atmosphärische Chemie zeigen Anomalien." (Ende des
Zitats)
Die
heutigen hohen CO2-Werte nicht durch menschliche
Emissionen, sondern durch Ozean-Ausgasung entstanden?
Die vom Menschen geförderten
und verbrannten Mengen an Erdöl, Gas, usw. sind bekannt,
daher wissen wir auch, wieviel CO2 von uns in die
Atmosphäre emittiert wurde. Dies ist fast doppelt so
viel wie der gemessene Konzentrationsanstieg von 280 auf 370
ppm. Wer sagt, dieser Anstieg sei nicht das vom Menschen in
die Luft geblasene CO2, der sagt konkret: unser
CO2 ist auf mysteriöse Weise wieder aus der
Atmosphäre verschwunden (wohin?), und zufällig hat
der Ozean gleichzeitig eine ähnliche Menge ausgegast
und dabei die atmosphärische Konzentration auf Werte
steigen lassen, wie es sie seit Jahrmillionen nicht gegeben
hat. Dies kann wohl niemand ernsthaft glauben.
Zudem ist
das Gegenteil auch durch Ozeanmessungen belegt: der Ozean
hat nicht etwa CO2 ausgegast, sondern im Gegenteil,
er hat (zusammen mit der Biosphäre) einen Teil des anthropogenen
CO2 aus der Atmosphäre aufgenommen. Eine entsprechende
CO2-Zunahme läßt sich inzwischen im
Meerwasser messen. Der fossile Kohlenstoff verrät sich
zudem durch seine andere Isotopenzusammensetzung, die sowohl
in der Atmosphäre als auch im Ozean messbar ist.
CO2-Wirkungen
in der Biosphäre
Aber damit nicht genug. CO2
ist neben Wasser und Lichtenergie das Grundnahrungsmittel
der Pflanzen. Unsere Pflanzenwelt hat eine Evolution hinter
sich, die über Hunderte von Millionen Jahren fast ständig
in einer Atmosphäre ablief, die CO2-Gehalte
bis zum Zehnfachen des vorindustriellen CO2-Gehalts
aufwies, also 2000 bis 3000 ppm. Dies weiß man aus Untersuchungen
an Blättern des Ginkgo-Baumes, der sich über 300
Millionen Jahre kaum verändert hat. Die Ergebnisse wurden
in "Nature" im Mai 2001 veröffentlicht. Erst
in der letzten Million Jahre lag der CO2-Gehalt
meistens zwischen 190 und 280 ppm.
Die Pflanzenwelt
hat sich wohl nur mit Mühe dem niedrigen CO2
angepaßt, wie die Existenz von sogenannten C4-Pflanzen
zeigt, die eine CO2-Anreicherungsmethode erfunden
haben, um das bescheidene Angebot besser nutzen zu können.
(95% aller Pflanzen sind C3-Pflanzen, die ohne die Anreicherung
auskommen). Es ist daher kaum verwunderlich, daß die Pflanzenwelt
auf das neuerdings erhöhte Angebot an CO2 in
einer Weise reagiert, die ich mit "geradezu enthusiastisch"
bezeichnen möchte: Kürzlich wurden Experimente veröffentlicht,
bei denen man den heutigen CO2-Gehalt der Atmosphäre
künstlich auf den Wert herabgesetzt hat, der vor 1860,
d.h. vor Beginn der Industrialisierung bestanden hat. Man hat
also verschiedene Pflanzenarten bei 280 ppm CO2 wachsen
lassen und mit Pflanzen verglichen, die 365 ppm CO2
zur Verfügung hatten.
Der
CO2-Düngungseffekt ist unbestritten; er ist
der wichtigste Grund dafür, dass die Biosphäre einen
Teil des von uns emittierten CO2 aufgenommen hat
(durch Zuwachs von Wäldern). Er ist zweifellos eine positive
Wirkung des CO2 (die allerdings, wie auch Herr Alvensleben
weiter unten sagt, bald in Sättigung übergehen wird,
sodass weiterer Anstieg nichts mehr bringt).
Demgegenüber stehen allerdings (neben den Klimafolgen)
die negativen Wirkungen des CO2 auf die Ökologie
der Meere. Fast die Hälfte unserer CO2-Emissionen
landen im Meer, das dadurch versäuert (gemessen ist bereits
eine Abnahme des pH um 0,1 pH-Einheiten). Dies schädigt
Phytoplankton und Korallenriffe. Auch ohne Klimawandel ist dies
Grund genug, den weiteren Anstieg des CO2 zu stoppen.
Ergebnis: Ein
um 25 % vermindertes Pflanzenwachstum bei dem niedrigen CO2-Gehalt
der Vergangenheit. (Bild 8) Auch wenn das vielleicht nicht
für alle Nahrungspflanzen zutreffen mag - es bedeutet:
Schon jetzt haben wir der CO2-Zunahme um 30 % in
den letzten 140 Jahren rund ein Viertel unserer Ernteerträge
zu verdanken, oder anders ausgedrückt: ¼ der Menschheit,
1.5 Milliarden Menschen, leben von der atmosphärischen
CO2-Zunahme seit 1860!
Bild 8: Änderungen der
Biomasse von Sojabohnen in Abhängigkeit von der CO2-Konzentration
in der Atmosphäre (in ppm)
Dies
sind Fantasiezahlen.
Ein erfreuliches
Nebenergebnis ist, daß der Zuwachs den Bauern weltweit
und kostenlos zugute kam. Mit weiterer Zunahme des CO2-Gehalts
wird, wie Experimente in künstlich angereicherten CO2-Atmosphären
zeigen, der Zuwachs an Biomasse bei den Pflanzen in eine Sättigung
übergehen. Außerdem ist selbstverständlich das
CO2 nur einer von verschiedenen Nährstoffen,
die die Pflanzen brauchen. Wenn z.B. Stickstoff oder Phosphor
oder Wasser fehlen, stößt der Zuwachs der Pflanzen
schnell an seine Grenzen. Aber insgesamt ist das Grün auf
der Erde in den vergangenen 30 Jahren soviel dichter geworden,
daß der Zuwachs in den gemäßigten Breiten (zwischen
30 und 70 Grad nördlicher Breite) bereits von Satelliten
aus meßbar geworden ist! [7]
Der
Zuwachs ist nicht nur vom Satelliten messbar, sondern lässt
sich inzwischen auch quantitativ gut mit Biosphärenmodellen
nachvollziehen - ein schöner Erfolg für die Modellierer.
Leider verheissen diese selben Modelle bei weiterer ungebremster
Erwärmung nichts Gutes, weil dann der Klimawandel die Anpassungsfähigkeit
der Ökosysteme überfordert.
Der logische Schluss aus Alvenslebens Argumentation lautet:
entschlossene Klimaschutzmaßnahmen, um den Zuwachs des
CO2 bei 400 oder 450 ppm zu stoppen. Dann profitieren
die Pflanzen von höherem CO2 (viel mehr bringt
wegen der Sättigung ohnehin nichts), ohne an Klimastress
(Dürre etc.) zu Grunde zu gehen.
Die positiven
Wirkungen der CO2-Vermehrung sind damit noch gar
nicht alle aufgezählt: Mehr CO2 bedeutet meßbar
geringeren Wasserbedarf der Pflanzen, also Erweiterung von Anbaumöglichkeiten
in trockenere Gebiete hinein, und verlängerte Photosynthesezeiten
in der Morgen- und Abenddämmerung (um Minuten) und im Frühjahr
und Herbst (um Tage). Und zu den neuesten, noch nicht ganz gesicherten
Ergebnissen gehört, daß vermehrtes CO2
auch als Heilmittel gegen das Waldsterben wirkt - den kranken
Bäumen scheint die CO22Kur gut zu bekommen.
Eine Kehrseite
hat die schöne Medaille der CO2-Vermehrung natürlich
auch. So enthalten "CO2-gedüngte"
Pflanzen weniger Blattproteine, die Stickstoffkonzentration
ist erniedrigt. Auch der (relative) Proteingehalt in Samen und
damit auch der im Brotgetreide (Backfähigkeit) geht unter
erhöhtem CO2 zurück. Noch bedeutsamer mag
eine andere Folge der CO2-Düngung sein: Da nicht
alle Pflanzen in gleicher Weise reagieren, wird es bei den neuen
Bedingungen nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer geben.
Nachdenkliche Wissenschaftler wie der Baseler Botaniker Prof.
Körner [8] befürchten deshalb eine Abnahme der Pflanzenvielfalt,
und wegen der Abhängigkeit vieler Tiere von ihren Nahrungspflanzen
parallel dazu eine Abnahme der Vielfalt in der Tierwelt. Ich
kann diese Befürchtungen verstehen, vertraue aber auf die
Anpassungsfähigkeit der lebendigen Natur, die, wie oben
dargestellt, das gleiche Problem schon wiederholt gelöst
hat - auch in jüngerer Zeit, in den letzten Jahrtausenden
(was Professor Körner noch nicht bekannt war, als er seine
Bedenken vortrug).
Die
Natur ist anpassungsfähig, aber mit gewissen Grenzen. Auch
bei vergangenen zu raschen Klimawechseln hat es Massen-Aussterben
gegeben. Die einschneidendsten globalen Klimaänderungen
zumindest der letzten einigen Jahrhunderttausende waren die
Eiszeiten; die stärksten Erwärmungen traten jeweils
zum Ende dieser Eiszeiten auf. Sie betrugen etwa 4-6°C über
einen Zeitraum von 5,000 Jahren (nur lokal, etwa in Grönland,
gab es raschere Klimawechsel). Nun drohen wir eine ähnliche
Erwärmung innerhalb von 100 Jahren zu verursachen - fünfzig
mal schneller. Dazu sind die Ökosysteme heute durch die
menschliche Landnutzung stark fragmentiert, viele Arten leben
nur noch in eng begrenzten Naturschutzräumen. Eine neue
Studie von Biologen schätzt, dass bei ungebremster Erwärmung
bis zum Jahr 2050 bis zu einem Viertel aller Tierarten vom Aussterben
bedroht sein könnte [12].
Zusammenfassung:
Eine nennenswerte Klima-Erwärmung
durch Zunahme des von Menschen produzierten CO2
in der Atmosphäre droht uns nicht. Die Verminderung der
CO2-Einträge in die Atmosphäre gemäß
dem Kyoto-Protokoll halte ich nicht nur für überflüssig,
sondern sogar für schädlich, da sie die Ernährung
der wachsenden Weltbevölkerung erschwert, die schon jetzt
auf den erreichten Zuwachs der Ernteerträge angewiesen
ist. Alle bisherigen Beobachtungen zeigen auch, daß
die natürlichen Senkenflüsse - d.h. die Aufnahme
von CO2 aus der Luft durch Meere, Erdboden und
Pflanzen - bei Anstieg der CO2-Konzentration zunehmen
und den CO2-Zuwachs in der Luft begrenzen.
Hier
widerspricht Herr Alvensleben sich selbst: hat er oben noch
vermutet, der atmosphärische Anstieg des CO2
sei durch Ausgasen aus dem Ozean entstanden, so spricht er hier
(richtigerweise) von den Meeren als Senke. Ohne diese Senken
wäre der Anstieg des CO2-Gehalts der Atmosphäre
heute bereits doppelt so hoch. Es gibt aber Grund zur Vermutung,
dass diese Senken künftig abnehmen oder gar zu Quellen
werden könnten. Herr Alvensleben weist selbst weiter oben
darauf hin, dass in der Klimageschichte oft auf eine Temperaturerhöhung
ein zeitlich verzögerter Anstieg des CO2 folgte.
Falls eine solche Rückkopplungs-Reaktion des Kohlenstoff-Kreislaufs
auch diesmal eintreten sollte, würde das die Erderwärmung
noch verstärken.
Und
obendrein: Die im Kyoto-Protokoll geforderte CO2-Verminderung
ist auch extrem teuer. Präsident Bush war nicht schlecht
beraten, als er sich weigerte, das Kyoto-Protokoll zu ratifizieren
[9].
"Extrem
teuer": dies ist zumindest eine unbewiesene Behauptung,
über die man trefflich streiten kann, die allerdings ausserhalb
der Naturwissenschaft und damit auch ausserhalb meiner Expertise
liegt. Nur ein Hinweis dazu: die Studie "Langfristszenarien
für eine nachhaltige Energienutzung in Deutschland",
vom Wuppertal-Institut gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für
Luft- und Raumfahrt im Jahr 2002 erarbeitet, kommt zu dem Ergebnis,
dass eine Emissionsreduktion in Deutschland um 80% bis zum Jahr
2050 ca. 48 Euro pro Kopf und Jahr kosten würde, was 0,14%
des mittleren Brutto-Inlands-Produkts entspricht. Auch andere
Studien zeigen, dass ein nachhaltiger Umbau des Energiesystems
über die kommenden Jahrzehnte zu moderaten und völlig
vertretbaren Kosten möglich ist. Allerdings: je länger
die notwendigen Maßnahmen (auch durch die Medienarbeit
der "Klimaskeptiker") hinausgeschoben werden, desto
teurer wird es.
Dank:
Mein Dank gilt John Daly in
Tasmanien, dessen Website zu konsultieren immer wieder eine
Freude war, vor allem aber Herrn Dipl.-Ing Peter Dietze, der
mehr als jeder andere in intensiven Diskussionen und per E-mail
zur Entstehung dieses Textes einschließlich seiner technischen
Ausgestaltung beigetragen hat. Etwaige Fehler bleiben aber
meine eigenen.
Daly
und Dietze sind beides Rentner, die (nach eigenen Angaben) keine
naturwissenschaftliche Ausbildung und auch keinen beruflichen
Hintergrund in der Klimaforschung haben. Beide agitieren seit
vielen Jahren im Internet und anderen Medien gegen die Ergebnisse
der Klimaforschung. Alvensleben referiert in seinem Text fast
ausschließlich die altbekannten Argumente dieser Herren.
Warum Herr Alvensleben als Physiker sich auf solche Quellen
verläßt, statt auf die Wissenschaft, ist mir unverständlich.
Hat er sich nie gefragt wie es sein kann, dass praktisch alle
professionellen Klimatologen der Welt an das "Märchen"
der Erderwärmung glauben, während nur eine Handvoll
Pensionäre die Wahrheit erkennt? Dies zu glauben erfordert
schon eine recht abenteuerliche Verschwörungstheorie -
jeder dieser Forscher, darunter viele Nobelpreisträger,
müßte entweder dumm oder unredlich sein. Die Wahrheit
ist viel einfacher: Klimatologen kennen die "Skeptiker"-Argumente
zwar alle, sind aber aus guten wissenschaftlichen Gründen
zu einer anderen Einschätzung gekommen.
Schlußbemerkung
Ich kenne die "Klimaskeptiker" als ständige
Begleiterscheinung der Klimaforschung, seit ich vor rund 15
Jahren von der relativistischen Physik in die Klimatologie
wechselte. Ich habe all die Jahre die "Skeptiker"-Diskussionen
wie die meisten meiner Kollegen am Rande mitverfolgt - man
liest gelegentlich "Skeptiker"-Artikel, um zu sehen,
ob dort neue, vielleicht erstzunehmende Argumente auftauchen.
Für
die Klimaforschung sind die "Klimaskeptiker" eher
nützlich. Sie sind ein zusätzlicher Anstoß,
die eigenen Folgerungen und die der Fachkollegen noch stärker
zu hinterfragen; vielleicht auch bestimmte Aspekte durch weitere
Forschung noch besser zu belegen. Solange "Skeptiker"
den Eindruck wachhalten, die Resultate der Klimaforschung
seien noch umstritten und ungenügend gesichert, solange
läßt sich auch weiterer Forschungsbedarf leicht
begründen. In den USA haben die "Skeptiker"
sich politisch durchgesetzt, und Präsident Bush hat eine
Verdoppelung der Forschungsmittel angekündigt. Viele
meiner US-Kollegen würden allerdings gerne auf diese
zusätzlichen Mittel verzichten, wenn ihre Regierung stattdessen
die weltweiten Klimaschutzanstrengungen im Rahmen des Kyoto-Protokolls
unterstützen würde. Kein Forscher hat etwas gegen
noch mehr Forschung, aber die meisten Klimatologen halten
inzwischen die Zeit zum Handeln für gekommen.
Politisch
sind die Aktivitäten der "Klimaskeptiker" schädlich,
denn sie verhindern sinnvolle Vorsorgemaßnahmen. Sie
führen dazu, dass in Teilen von Politik und Wirtschaft
das Klimaproblem falsch eingeschätzt wird, und daher
falsche Entscheidungen getroffen werden. Führende multinationale
Firmen wie Shell und BP haben die Dringlichkeit des Klimaproblems
erkannt, unterstützen das Kyoto-Protokoll und investieren
massiv in den erforderlichen Umbau des Energiesystems. Es
besteht die Gefahr, dass deutsche Firmen, die den "Klimaskeptikern"
glauben schenken, hier den Zug in die Zukunft verpassen.
Vorallem
aber besteht die Gefahr, dass Klimaschutzmaßnahmen so
sehr hinausgezögert werden, dass durch vermehrte Unwetterkatastrophen
viele Menschen unnötig ihr Leben verlieren. Ich habe
lange die
Aktivitäten der "Skeptiker" kommentarlos verfolgt
und mich einfach meiner Forschung gewidmet. Ich habe mich
aber nach einigen Schlüsselerfahrungen im Zusammenhang
mit der Elbeflut, u.a. auch bei einem Besuch im überfluteten
Dresden, zur Stellungnahme entschlossen. Wissenschaftler haben
auch die Verantwortung, sich mit unseriösen Thesen auseinanderzusetzen,
wenn sie in der Öffentlichkeit zirkulieren.
Kritische,
sachliche Argumente in die wissenschaftliche Diskussion einzubringen
ist sehr willkommen. Für unverantwortlich halte ich es
dagegen, wenn wie durch Herrn Alvensleben mit für Fachleute
leicht durchschaubaren Scheinargumenten und durch Weglassen
wesentlicher Fakten Laien geschickt in die Irre geführt
werden. Besonders verwerflich ist es, sich mit solchen Texten
an Lehrer zu wenden (www.schulphysik.de). Unsere Schüler
müssen sich darauf verlassen können, dass ihnen
im Unterricht wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse präsentiert
werden, nicht die Privatmeinung einer kleinen Gruppe von Aktivisten.
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