| |
Im Juli letzten Jahres machte die Forderung nach einem massiven
Damm über die Straße von Gibraltar internationale Schlagzeilen.
Der Amerikanische Geologe R. Johnson hatte behauptet, daß ohne diesen
Damm eine neue Eiszeit ausgelöst würde, weil nach dem Bau des
Assuan-Staudamms am Nil das Mittelmeer zunehmend salziger werde, was wiederum
den Ausstrom salzreichen Wassers in den Atlantik verstärken und dessen
Strömungen umlenken könnte. Computersimulationen von Stefan Rahmstorf,
einem Ozeanographen am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung,
haben nun gezeigt, daß diese Sorge unbegründet ist. Seine Ergebnisse
erschienen in einer Titelgeschichte in der jüngsten Ausgabe von Eos,
der Zeitschrift der Amerikanischen Geophysikalischen Gesellschaft (Eos,
Transactions, American Geophysical Union, Volume 79 (24), June 16, 1998).
Der bekannte salzreiche Ausstrom aus dem Mittelmeer, der
durch die hohe Verdunstung dort verursacht wird, beeinflußt den ganzen
Atlantik. Er erzeugt eine Schicht von ungewöhnlich salzigem Wasser,
das sich in einer Tiefe von ca. 1000 m westwärts über den Atlantik
ausbreitet. Rahmstorf nutzte ein Computermodell der globalen Ozeanzirkulation,
um die Auswirkungen dieses salzigen Wassers auf die Strömungen im
Atlantik und das Oberflächenklima zu untersuchen. Seine Simulationen
zeigen, daß der gegenwärtige Ausstrom aus dem Mittelmeer den
Golfstrom verstärkt, und dadurch die Oberflächentemperaturen
im nördlichen Nordatlantik um einige zehntel Grad erwärmt.
Die Änderung im Mittelmeerausstrom dagegen, die durch
den Bau des Assuan-Dammes und die damit verbundene Umleitung von Süßwasser
verursacht werden könnte, ist sehr klein. Rahmstorfs Simulationen
zeigten, daß diese Änderung zA?u gering ist, um einen merklichen
Effekt auf das Klima im Atlantikraum zu haben. "Damit kann man keinesfalls
eine Eiszeit auslösen", sagte Rahmstorf. "Einen Damm über die
Straße von Gibraltar zu bauen, um eine Klimaänderung zu verhindern,
ist völlig sinnlos; ganz abgesehen von den negativen Folgen, die ein
so massiver Eingriff in die Umwelt zweifellos nach sich zöge."
Rahmstorf betonte, daß es ernsthaften Grund zur
Sorge gibt, daß sich durch den Treibhauseffekt die Meeresströmungen
im Atlantik verlagern könnten. Dies würde aber durch die Änderung
von Temperaturen und Niederschlägen über dem Atlantik verursacht
und nicht durch den Mittelmeerausstrom.
Der volle Text ("Influence of Mediterranean Outflow on
Climate") mit Abbildungen ist verfügbar unter http://www.pik-potsdam.de/~stefan.
Für weitere Informationen wenden Sie sich an Dr.
Stefan Rahmstorf, 0331 2882688 oder 0331 715429 (priv.), email: Stefan.Rahmstorf@pik-potsdam.de
|