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9. Sept. 1999
Eine neue Studie zu den möglichen Auswirkungen der
globalen Erwärmung im kommenden Jahrtausend wird in dieser Woche von
Wissenschaftlern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung vorgestellt.
Die Studie bestätigt Befürchtungen, wonach sich bis zum Ende
des nächsten Jahrhunderts die Temperaturen weltweit um mehr als 3°C
erhöhen könnten, falls die Treibhausgasemissionen nicht verringert
werden. Die Wissenschaftler Stefan Rahmstorf und Andrey Ganopolski untersuchen
außerdem die Gefahr, daß es infolge der Erwärmung zu einer
dauerhaften und gravierenden Veränderung der Ozeanströmungen
kommen könnte.
Für ihre Untersuchungen benutzten die beiden Wissenschaftler
ein am PIK für Langzeit-Klimasimulationen entwickeltes Computermodell.
Im Gegensatz zu früheren Klimamodellen wurde dieses Modell an Klimaschwankungen
der Vergangenheit getestet. Im vergangenen Jahr gelang es dem Potsdamer
Team weltweit erstmals, das Klima auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit,
vor 21.000 Jahren, zu simulieren. Im Juli dieses Jahres eroberte das Team
unter Leitung von Martin Claußen abermals die Schlagzeilen, als sein
Modell aufzeigte, wie die Sahara vor 5.500 Jahren zu einer Wüste wurde.
Mit dem selben Modell wurden auch andere Zeitabschnitte der Klimageschichte
nachgerechnet, wie z.B. das Eem, also die Warmzeit, die der letzten Eiszeit
vorausging.
Da die meisten Klimamodelle nie anhand der Klimaveränderungen
der Vergangenheit überprüft wurden, haben Kritiker die Aussagekraft
der Modelle in Bezug auf Klimavorhersagen häufig in Frage gestellt.
Das in Potsdam entwickelte Modell ist zwar grobmaschiger als andere Modelle,
läuft aber wesentlich schneller und ermöglicht es somit, Jahrtausende
der Klimageschichte zu ?simulieren.
"Als wir gesehen haben, daß unser Modell die Klimaveränderungen
der Vergangenheit richtig widerspiegelt, haben wir es auf die Zukunft angewandt",
sagt Ganopolski. "Wir haben ein ganz neues Modell mit völlig anderem
Ansatz benutzt; wir haben es gründlich mit früheren Klimaschwankungen
getestet und bekommen als Ergebnis für das nächste Jahrhundert
immer noch die gleiche Erwärmung, wie sie in anderen Studien ermittelt
wurde. Dies ist ein weiteres Indiz für die globale Erwärmung
des Klimas." Die Modellergebnisse für das nächste Jahrhundert
stimmen mit der Einschätzung des Intergovernmental Panel on Climate
Change (IPCC) überein, das die Regierungen der Welt in Klimafragen
berät.
Die neue Studie berechnet mögliche Klimaveränderungen
bis zu tausend Jahre in die Zukunft - und geht damit weit über frühere
Szenarien hinaus. Erstmalig zeigt sie, wie die globale Erwärmung möglicherweise
zu einer dauerhaften Abkühlung Europas führen könnte, falls
die Nordatlantische Meeresströmung zusammenbricht. Solch eine Abkühlung
ist seit langem Gegenstand zahlreicher Spekulationen, doch war sie bisher
nie in einer Computersimulation gezeigt worden. "Wir können noch nicht
sagen, wie wahrscheinlich ein solches Szenario ist, aber es ist eine Möglichkeit,"
sagt Rahmstorf. "Unsere Ergebnisse zeigen, daß dies von Veränderungen
im Wasserkreislauf der Atmosphäre abhängt, die noch sehr schwer
vorherzusagen sind."
Die Studie wird in dieser Woche in der Zeitschrift "Climatic
Change" (Vol. 43, Nr. 2, S. 353-367) veröffentlicht und auf der internationalen
Konferenz "Modelling of Global Climate Change and Variability" (13.-17.9.)
in Hamburg vorgestellt. Sie ist außerdem unter http://www.pik-potsdam.de/~stefan/
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