Von Dürren zu Überschwemmungen: Klimawandel und Migration in Peru

 
10.02.2021 - Zu viel, zu wenig Wasser: Die Menschen in Peru sind zunehmend von Klimaextremen betroffen. Wenn sich Klimafolgen wie Gefahr durch Fluten weiter beschleunigen, könnten eine verstärkte klimabedingte Migration und erhöhter Druck auf das Wohlergehen der Menschen die Folge sein. Dies sind die zentralen Ergebnisse eines umfassenden Berichts von Natur- und Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Internationalen Organisation für Migration (IOM), der heute im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung vorgestellt wurde.
Von Dürren zu Überschwemmungen: Klimawandel und Migration in Peru

Der umfangreiche Bericht untersucht erstmalig systematisch die Zusammenhänge zwischen klimabedingten Gefährdungen und Mobilität in den drei wichtigsten topographischen Zonen Perus (Küste, Hochland und Regenwald). “Den stärksten Zusammenhang zwischen klimabedingter Gefährdung und Mobilität fanden wir im peruanischen Hochland", sagt Jonas Bergmann, Wissenschaftler am PIK und Hauptautor des 160-seitigen PIK-IOM-Berichts. "Die Menschen ziehen bereits innerhalb des Landes um, aufgrund der Klimaauswirkungen. Mehr als 9 Millionen Menschen sind starken Regenfällen, Überschwemmungen, Sturzfluten und Erdrutschen ausgesetzt, und fast 3,5 Millionen sind von Dürren betroffen. Eine Verschärfung der Klimaauswirkungen wird es den Peruanern noch schwerer machen, sich dort anzupassen, wo sie leben; gleichzeitig wird eine Migration in Würde, die das Wohlergehen der Menschen bewahrt, schwieriger zu erreichen sein."

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des PIK erstellten auf Grundlage ihrer Untersuchungen zwei mögliche langfristige Szenarien: Bei einer Klimakrise "mit angezogener Bremse" - die globale Erwärmung wird bis 2100 auf 2°C begrenzt - würden die Klimaauswirkungen in Peru die Migrationsmuster stark belasten; allerdings gäbe es dann mehr Zeit und Möglichkeiten zur Anpassung. Im Gegensatz dazu könnte eine Klimakatastrophe "mit Vollgas" - hohe Emissionen, die zu einem Temperaturanstieg von 4°C oder sogar mehr bis 2100 führen - extrem schwere Klimaauswirkungen in Peru verursachen, die möglicherweise Teile des Landes unbewohnbar machen würden. Diese Auswirkungen würden ein fast vollständiges Abschmelzen der Gletscher bedeuten, einen Meeresspiegelanstieg von bis zu 0,7 Metern in Verbindung mit häufigeren El-Niño-Ereignissen sowie extremen Hitzestress im Amazonasbecken in Verbindung mit dem Sterben des Regenwaldes. Diese Bedrohungen könnten gleichzeitig auftreten, zu parallelen Katastrophen führen und Migrationen und Vertreibungen von bisher nicht gekanntem Ausmaß auslösen.

Angesichts dieser möglichen Bedrohungen unterstreicht der Bericht, wie wichtig ein klares Verständnis der Klima-Migrationsmuster ist; eine Integration des Themas in die Anpassungspolitik und -planung ist dringend nötig. PIK-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler des Projekts East Africa Peru India Climate Capacities (EPICC) arbeiten aktiv u.a. mit dem peruanischen Umweltministerium zusammen, um die Ergebnisse des Berichts in aktuelle politische Entwicklungen einfließen zu lassen, wie etwa in den peruanischen Aktionsplan zur Klima-Migration und den nationalen Anpassungsplan.

Während der heutigen Präsentation unterstrich PIK-Direktor Johan Rockström die hohe Relevanz der umfassenden Studie: "Der Bericht legt die Beweise auf den Tisch: In Peru sehen wir bereits die Auswirkungen, wie Klimawandel und Ökosystemdegradation die Risiken von menschlicher Vertreibung und Migration verstärken."

Artikel:

Jonas Bergmann, Kira Vinke, Carlos Fernandez Palomino, Christoph Gornott, Stephanie Gleixner, Rahel Laudien, Anastasia Lobanova, Josef Ludescher & Hans Joachim Schellnhuber (2021): Assessing the Evidence: Climate Change and Migration in Peru. Potsdam Institute for Climate Impact Research (PIK) and International Organisation for Migration (IOM): Potsdam and Geneva.

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