Kalter Sommer, kürzerer Monsun: Wie die arktische Erwärmung das weltweite Klima verändert

 
Die Erwärmung der Arktis könnte einer der Gründe dafür sein, dass Indiens Monsun-Saison in diesem Jahr kürzer sein wird - der vorzeitige Rückzug Anfang Oktober wird auf Grundlage einer einzigartigen Prognosemethode von Elena Surovyatkina vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung vorhergesagt.
Kalter Sommer, kürzerer Monsun: Wie die arktische Erwärmung das weltweite Klima verändert
Arktische Erwärmung im April 2020. Karten der Oberflächenlufttemperatur unter Verwendung der NCEP/NCAR-Daten. Das Hochdruckgebiet mit hoher Temperatur ist rot dargestellt, das Tieftemperaturgebiet drumherum blau. (Infografik: Nitin Babu George)

In der ersten Hälfte des Jahres 2020 herrschte in Mitteleuropa, Zentralasien und einigen Teilen Fernostasiens atypisch kaltes Wetter. Gleichzeitig war es in Sibirien im Winter und Frühjahr ungewöhnlich warm. Dies geschah, weil sich während der gesamten diesjährigen Frühjahrssaison ein großes Hochdruckgebiet über Ostrussland abzeichnete. Es verursachte nicht nur Rekordtemperaturen am Polarkreis in Nordsibirien (im Mai bis zu 10°C über dem Durchschnitt; in der Stadt Werchojansk erreichte die Temperaturen sogar bis zu 38°C) - sondern hatte auch Auswirkungen auf die gesamte nördliche Hemisphäre und die ganze Welt. „Weil sich an der Peripherie dieser heißen Zone ein Wolkenband bildete, das die Sonnenstrahlung reflektierte, kühlten Zentralasien, die Küstenregion Eurasiens sowie Mitteleuropa deutlich ab“, erklärt Elena Surovyatkina, Senior Scientist und Expertin für Klimadynamik am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Vorhersage für 2020: Früheres Monsun-Ende

Während die Temperatur in Deutschland beispielsweise im Frühjahr und in den ersten beiden Sommermonaten vier Grad unter dem Durchschnitt lag, hatte die arktische Erwärmung für Indien weitaus dramatischere Folgen - insbesondere für die Regenzeit des Monsuns, die von Juni bis Oktober dauert. Während der Monsun für die indische Bevölkerung nach der sengenden Hitze der vergangenen Monate Quelle und Freude ist, kann er auch schwere Regenfälle und Überschwemmungen bringen.

Da im nördlichen Teil des benachbarten Pakistan aufgrund der Erwärmung der Arktis niedrigere Temperaturen herrschten, wird erwartet, dass sich die diesjährige Monsunzeit in Indien verkürzen wird: "Wenn die Temperaturen in Nordpakistan kühler als gewöhnlich sind, dauert es weniger lange, bis sich der gesamte indische Subkontinent von Nordpakistan bis zur Ostküste Zentralindiens abgekühlt hat", sagt Surovyatkina. „Deshalb prognostiziere ich für dieses Jahr einen frühen Monsunrückzug aus dem zentralen Teil Indiens - zwischen dem 3. und 13. Oktober 2020.“ Diese einzigartige Vorhersage, die 50 Tage im Voraus gemacht wurde, ist die einzige verfügbare Prognose in Indien.

Insgesamt zeigen die Beispiele Deutschland und Indien, dass die Erwärmung der Arktis konkrete, unmittelbare und greifbare Auswirkungen für die Bevölkerungen in verschiedenen Teilen der Welt hat: „Wenn der Klimawandel nicht entsprechend den Zielen des Pariser Abkommens von 2015 eingedämmt wird“, sagt Surovyatkina, „ist es wahrscheinlich, dass wir in Zukunft eine noch stärkere Erwärmung der Arktis erleben werden, die wiederum zu weiteren unumkehrbaren Klimaänderungen  auf der ganzen Welt führen könnte.“

Elena Surovyatkina ist die Gruppenleiterin der Monsunforschung im Rahmen des EPICC-Projekts, das Teil der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) ist.

Weblink zur Informationsseite des PIK über die indische Monsunvorhersage:
https://www.pik-potsdam.de/services/infodesk/forecasting-indian-monsoon