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Klimawandel könnte Hungerrisiko verstärken

09.11.2015 - Das Hungerrisiko durch steigende Kosten der Erzeugung von Nahrungsmitteln könnte bei ungebremsten Klimawandel verstärkt werden, das zeigt eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Die Ergebnisse der Wissenschaftler sind in einen großen Bericht der Weltbank eingeflossen, der jetzt veröffentlicht wurde. Das Potsdamer Papier untersucht drei Kernregionen, für die Hunger eine große Rolle spielt – der Nahost und Nordafrika, Südasien und Afrika südlich der Sahara - und zeigt auf, dass jede Region bereits 2030 mit Problemen rechnen muss, wobei die Struktur des Problems jeweils unterschiedlich ist. Den Computersimulationen zufolge steigt das Risiko über die Zeit deutlich an, wenn der Ausstoß von Treibhausgasen nicht gesenkt wird.
Klimawandel könnte Hungerrisiko verstärken

Cover des Weltbank-Berichts

Der Weltbank-Bericht „Shock Waves: Managing the Impacts of Climate Change and Poverty” zeigt, dass die Armen bereits jetzt einem hohen Risiko von klimabedingten Schocks ausgesetzt sind, wie etwa Ernteausfälle durch zu wenig Regen, starke Schwankungen von Nahrungsmittelpreisen nach Extremwetterereignissen, verstärktes Auftreten von Krankheiten nach Hitzewellen, oder durch Überflutungen. Dem Bericht zufolge könnten solche Schocks schwer erkämpfte Fortschritte wieder zunichte machen und Menschen zurück in die Armut treiben, besonders in Afrika und Südasien. „Dieser Report sendet die klare Botschaft, dass wir der Armut kein Ende machen können, wenn wir nicht entschlossen auf die Bedrohung des Klimawandels für arme Menschen reagieren und schädliche Emissionen dramatisch reduzieren“, sagt Weltbank-Präsident Jim Yong Kim. "Der Klimawandel trifft vor allem die Ärmsten, und es ist jetzt unsere Herausforderung Millionen von Menschen vor extremer Armut durch Klimawandel zu schützen".

Das Potsdamer Hintergrund-Papier untersucht die Folgen des Klimawandels für Hunger durch die Analyse von Nahrungsmittelkosten. Der Klimawandel wird sich auf Ernten auswirken, der Effekt unterscheidet sich jedoch von Region zu Region stark. „Bis 2030 werden die Folgen des Klimawandels im Mittleren Osten und Nordafrika am stärksten zu spüren sein – je nach dem, welches Szenario von Bevölkerungswachstum und wirtschaftlicher Entwicklung wir zugrunde legen, könnten hier die Nahrungsmittelkosten um 17 bis 35 Prozent ansteigen“, sagt die Leitautorin der Studie Anne Biewald. „Jedoch wird für diese Region auch starkes ökonomisches Wachstum prognostiziert, so dass ein großer Anstieg von Hunger vermieden werden könnte.“

In Subsahara-Afrika könnte der Einfluss des Klimawandels auf Nahrungskosten kurzfristig geringer ausfallen. Weil für diese Region aber ein niedriges Wirtschaftswachstum vorher gesagt wird, könnte auch der verhältnismäßig geringe Kostenanstieg 60-90 Prozent der Bevölkerung einem Hungerrisiko aussetzen. Nur ein Teil geht dabei jedoch auf negativen Klimawandel zurück. Das liegt auch daran, dass sich die Region verhältnismäßig gut an den Klimawandel anpassen kann, vor allem durch Produktionsverlagerung zu weniger betroffenen Gebieten. Das allerdings ist nur nur kurzfristig der Fall, in der Perspektive bis 2030.

Langfristig könnte sich die Situation verschärfen. Bis 2080 könnten der Studio zufolge negative Klimafolgen auf Ernteeinträge zu für eine Steigerung der Nahrungskosten von 50 bis 130 Prozent sorgen. Das ist zwar eine große Spanne, zeigt jedoch das große Risiko auf.

„Die sich daraus ergebenden Herausforderungen sind enorm. „Anpassung kann und muss etwa eine Produktionsverlagerung zu ertragreicheren Gebieten beinhalten, Änderungen im Nahrungsmittelhandel sowie gut angepassten landwirtschaftlichen Technologien umfassen“, sagt Hermann Lotze-Campen, Leiter des PIK-Forschungsbereichs Klimafolgen & Vulnerabilität. „Das würde dazu beitragen die Nahrungsmittelproduktion zu stabilisieren – allerdings nur in begrenztem Umfang, und es könnte auch zu einem Anstieg der Produktionskosten führen“. Es ist heute noch nicht möglich, die präzisen Folgen des Klimawandels als Einzelfaktor für Unterernährung zu berechnen. „Aber es ist sehr warscheinlich, dass die globale Erwärmung die Anfälligkeit für Hunger für Millionen armer Menschen auf dem Planeten ansteigen lässt“.

 

Link zum Weltbank Bericht "Shock Waves: Managing the Impacts of Climate Change on Poverty" und weitere Informationen:
https://openknowledge.worldbank.org/handle/10986/22787

Link to allen 14 Hintergrund-Papieren:
http://www.worldbank.org/en/topic/climatechange/brief/shock-waves-managing-the-impacts-of-climate-change-on-poverty-background-papers

Link zum PIK-Report:
Biewald, A., Lotze-Campen, H., Otto, I., Brinckmann, N., Bodirsky, B., Weindl, I., Popp, A., Schellnhuber, H.J.: The impact of climate change on costs of food and people exposed to hunger at subnational scale. PIK-Report No.128

https://www.pik-potsdam.de/research/publications/pikreports/summary-report-no-128

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