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„Es braucht ein neues Marktdesign": Erkenntnisse aus der Regulierung erneuerbarer Energien in Kalifornien und Deutschland

09.07.2019 – Die zwei globalen Vorreiter der Energiewende, Deutschland und Kalifornien, sind lehrreiche Fallbeispiele für Regulierung zum Ausbau der erneuerbaren Energien, wie ein neuer Bericht zeigt. Als viert- und fünftgrößte Volkswirtschaften weltweit beziehen beide Gebiete mehr als 30 Prozent ihres Stroms aus Wind, Solar und Biomasse und teilen ehrgeizige Ziele für erneuerbare Energien von 80 bis 100 Prozent bis Mitte des Jahrhunderts. Ein internationales Team von Wissenschaftlern aus Deutschland und den USA analysierte nun kalifornische und deutsche Politikmaßnahmen, um Schlussfolgerungen für den weiteren Weg zu ziehen. Sie stellen fest, dass in beiden Fällen die Integration der ersten 30 % erneuerbarer Energien im Hinblick auf die Anpassungen des Marktdesigns und des regulierenden Rahmens relativ gering waren - im Vergleich zu den Maßnahmen, die für die Integration der nächsten 30 % erforderlich sein werden . Von zentraler Bedeutung ist dabei die Stärkung der CO2-Preise und die Förderung der Elektrifizierung.
„Es braucht ein neues Marktdesign": Erkenntnisse aus der Regulierung erneuerbarer Energien in Kalifornien und Deutschland

Windkraftanlagen in Kalifornien. Foto: istock/SumikoPhoto

„Beide Regionen versuchen, ihre Stromsysteme grundlegend zu transformieren, und müssen dabei neue und noch größtenteils unbekannte Wege gehen", sagte der Leiter des Forschungsprojekts, Michael Pahle vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Aus diesem Grund ähneln Politik und Marktdesign in Kalifornien und Deutschland einem Ping-Pong aus politischen Experimenten und Problemerkundungen. Eine gemeinsame Herausforderung für beide ist, dass mit dem Anstieg des Anteils erneuerbarer Energien die Kosten für Förderung und Integration gestiegen sind und ihre Verteilungsauswirkungen zunehmend Besorgnis erregen. Als Reaktion darauf haben sich die politischen Entscheidungsträger in Deutschland und Kalifornien mehr und mehr damit beschäftigt, Mängel der Regulierung aus den Anfangsjahren zu beheben, die oft ineffiziente oder ungerechte Anreize für Investitionen in erneuerbare Energien setzte.

„Das unterstreicht, dass ein reines ‚Weiter so‘ nicht funktionieren wird, sondern dass eine neues Markt- und Politikdesign notwendig ist", sagt Pahle. Dies ist eines der wichtigsten Ergebnisse des Berichts im Rahmen des von der Stiftung Mercator Foundation und ClimateWorks geförderten AHEAD-Projekts. Zu den Autoren gehören Dallas Burtraw von der US-Denkfabrik Resources for the Future, Jim Bushnell von der University of California Davis und Christian Gambardella von PIK.

Besonderes Augenmerk wurde darauf gelegt, Handlungsfelder zu identifizieren, bei denen beide Seiten für das weitere Vorgehen voneinander lernen könnten. Ein großes Problem in Deutschland ist die Diskrepanz zwischen dem starken Ausbau der erneuerbaren Energien und dem schleppenden Ausbaus der Übertragungskapazitäten, wodurch Netzengpässe zu einem wesentlichen Kostentreiber der Energiewende werden. Im Gegensatz dazu ist Kalifornien in der Strommarktregulierung gut aufgestellt, um dem rasanten Wachstum der erneuerbaren Energien gerecht zu werden. Insbesondere die Einführung von standortbezogenen Strompreisen (sogenannte Knotenpreise), bei denen die Preise an verschiedenen Standorten im Stromnetz variieren, liefert geeignete Signale für Investitionen in Kapazitäten, wo sie am dringendsten benötigt werden. „Da die Kosten durch Netzengpässe in Deutschland weiter steigen, müssen deutsche Entscheidungsträger möglicherweise die bisherige einheitliche Strompreisezone überdenken und die standortbezogenen Preise nach kalifornischem Vorbild einführen", sagt Gambardella.

AHEAD report

Ein weiteres Thema, bei dem Deutschland in die Fußstapfen Kaliforniens treten könnte, ist die geplante Rolle eines CO2-Preises zur Erreichung der Klimaziele 2030. „Es ist noch offen, wie viel Emissionsreduzierung auch bei relativ hohen Preisen erreicht werden kann", erklärt Burtraw. „Doch Kalifornien drängt immer mehr darauf, es herauszufinden, da es bereits eine sektorübergreifende CO2-Bepreisung mit ansteigendem Preiskorridor hat. Deutschland, das über ähnliche Maßnahmen nachdenkt, könnte nach Kalifornien als mögliches Vorbild schauen und dessen Beispiel folgen."

Darüber hinaus stellt der Bericht im Hinblick auf das zukünftige Politik- und Marktdesign eine überraschende Überschneidung der Herausforderungen für die politischen Entscheidungsträger hier wie dort fest: Die Struktur der Strompreise müssen neu gestaltet werden, um einerseits die Deckung der Fixkosten zu gewährleisten und gleichzeitig den Verbraucherinnen und Verbrauchern sowohl die Vorteile als auch Kosten volatiler Strompreise der erneuerbaren Energien zu signalisieren. Die Energiesteuern müssen so reformiert werden, dass die bestehenden Verzerrungen zwischen den Kraftstoffpreisen im Strom-, Transport- und Wärmesektor reduziert werden, um endlich ein ordentliches Maß an Elektrifizierung zu erreichen. Pahle resümiert: „Klar ist, dass Deutschland und Kalifornien denselben Weg eingeschlagen haben. Sie müssen nun aber zügig voranschreiten, wenn sie ihre ehrgeizigen Emissionsziele für 2030 noch erreichen wollen."

Weblink zum Bericht "The response of market and policy design to increasing shares of renewables in California and Germany: Lessons learned and directions for the path ahead" (englisches pdf):
https://www.pik-potsdam.de/research/transformation-pathways/projects/ahead/reports/ahead-report-renewable-comparison/at_download/file

Weblink zur AHEAD-Projektseite:
https://www.pik-potsdam.de/ahead

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