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"Das Schicksal der erneuerbaren Energien“: Edenhofer beim Verband der Elektrizitätswirtschaft

13.07.2012 - Drei Kernelemente einer zukunftsfähigen Energiepolitik hat Ottmar Edenhofer, Chef-Ökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) in einem Grundsatzvortrag in Berlin vorgeschlagen. Dabei gehe es um eine Reform des Europäischen Emissionshandels, um eine neue Form der Förderung der Erneuerbaren Energien, und um Optionen für die Integration von Strom aus Sonne und Wind in das Gesamtsystem, erklärte er vor mehr als tausend Zuhörern beim Kongress des Bundesverbandes der Elektriziäts-und Wasserwirtschaft. Damit formulierte er erstmals umfassend die institutionellen Anforderungen für einen langfristigen Erfolg der Energiewende.
"Das Schicksal der erneuerbaren Energien“: Edenhofer beim Verband der Elektrizitätswirtschaft

Ottmar Edenhofer beim Kongress des BDEW. Foto: Screenshot

Der Emissionshandel müsse so gestaltet werden, „dass er uns befähigt, tatsächlich die effizientesten Vermeidungsoptionen herauszufinden – und das heißt in Europa, dass alle Sektoren mit einbezogen werden müssen“, also etwa auch der bislang weitgehend ausgeklammerte Transportsektor, so Edenhofer. Außerdem müsse der europäische Emissionshandel in die Lage versetzt werden, sich mit den entsprechenden Systemen anderer Länder zu verbinden – etwa mit jenem Australiens, dem im aktuellen Fünfjahresplan skizzierten System in China, und anderen weltweit im Aufbau befindlichen.

„Wir brauchen sicherlich auch eine Förderung der Erneuerbaren Energien“, sagte Edenhofer. „Aber hier geht es nicht nur um eine Förderung der Technologien, sondern dass wir hier auf Kosteneffizienz dringen.“ Hierfür sei eine neues Marktdesign nötig, „die effizientesten Integrationsoptionen heraus zu finden.“ Hierzu zählen eine Flexibilisierung der Nachfrage, das Bereitstellen von Restleistung durch flexible fossile Kraftwerke, der Netzausbau, Speichertechnologien, mehr Importe und Exporte zwischen Ländern.

„Die Schicksal der Erneuerbaren wird sich an diesen Integrationsoptionen entscheiden“, betonte Edenhofer. Die Energiegewinnung aus Sonne und Wind schwankt naturgemäß stark – „es ergibt sich kein Mengenproblem, sondern ein Verlässlichkeitsproblem“. Die entscheidende Herausforderung der Zukunft bestehe darin, dass sich für diese Verlässlichkeit an den Märkten Preise bilden könnten, die Anreize schaffen, in die kosteneffizientesten Integrationsoptionen zu investieren. „Ich weiß, das ist eine große Baustelle.“

Das diesjährige Motto des BDEW Kongresses lautete "Märkte von morgen - zwischen Wettbewerb und Regulierung". "Aufgrund des stetigen Ausbaus der Erneuerbaren Energien und der damit einhergehenden dämpfenden Wirkung auf die Börsenpreise gibt es aktuell nicht genügend Preissignale, um Milliarden-Investitionen in neue Kraftwerke auszulösen", erklärte Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW. Dies führe dazu, dass das jetzige Energy-only-Marktmodell künftig alleine voraussichtlich nicht mehr ausreichen werde. "Vielmehr müssen wir künftig wahrscheinlich eher zu einem Modell kommen, bei dem auch Leistung bezahlt werden kann", so Müller. Langfristig gehe es darum, die Erneuerbaren Energien schrittweise in den Markt zu integrieren und mit dem Markt der konventionellen Energieerzeugung in einem unter Umständen vollkommen neuen Marktdesign zusammenzuführen.

Weblink zu den Videos der Vorträge des BDEW-Kongresses

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