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Das Dilemma des Geoengineering

13.12.2011 – Den menschgemachten Klimawandel erst am Ende des Schornsteins zu bekämpfen, wo der Rauch schon in die Luft quillt – über solche vermeintlich einfachen Lösungen wird zunehmend in der Öffentlichkeit diskutiert. Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), beleuchtet das fundamentale Dilemma dieses so genannten Geoengineering in einem Kommentar, der diese Woche in den Proceedings der US-Akademie der Wissenschaften erschienen ist (PNAS). „Dies ist eine Geschichte von zwei Feen: die böse beschwört das Steuern der Sonneneinstrahlung herauf, die gute bringt uns das Herausholen von CO2 durch das so genannte ‚air capture’ im industriellen Maßstab“, so Schellnhuber. Letzteres würde allerdings, betont er, viele Billionen Dollar kosten.
Das Dilemma des Geoengineering

Rauchende Schornsteine (Foto: Thinkstock)

„Schaut man genauer hin, so zeigt das Steuern der Sonneneinstrahlung Züge von MAD“, schreibt Schellnhuber. „Die Abkürzung steht für ‚mutual assured destruction’, also die gesicherte gegenseitige Vernichtung, was die Philosophie des wahnwitzigen Wettrüstens war. Wenn das Klima vergleichsweise kostengünstig beeinflusst werden kann, indem man Raketen mit Aerosolen in die Atmosphäre schießt, wer entscheidet dann wann und wo die entscheidenden Knöpfe gedrückt werden?“ Manche Länder wie etwa Russland würden eine gewisse Erwärmung auf ihrem Gebiet begrüßen, erklärt Schellnhuber. Andere hingegen gar nicht.

„Die (relativ) guten Vorhaben, bei denen es um das Einfangen von CO2 geht, sind nicht bezahlbar; und die (relativ) bezahlbaren Vorhaben, bei denen es um ein Steuern der Sonneneinstrahlung geht, sind nicht brauchbar. Was also sollen wir tun? Die Antwort scheint offensichtlich und schlichtweg vernünftig: Absichtlich das unabsichtliche Geoengineering beenden, das verursacht wird durch unsere sorglose Nutzung von fossilen Brennstoffen“, so Schellnhuber. Anders gesagt: Dekarbonisierung.

 

Weblink zu PNAS: “Geoengineering: The good, the MAD, and the sensible”

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