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„Coming out“

19.08.2011 - Forscher sollen forschen, nicht sich einmischen – so heißt es oft. Philosophen und Physiker, Ökonomen und Ökologen versammelten sich diese Woche auf Initiative des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Humboldt-Viadrina School of Governance, um mit Fachleuten aus Politik und Wirtschaft hierüber zu diskutieren. „Wissenschaft muss sich stets vom Prinzip der Wahrhaftigkeit leiten lassen“, sagte Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des PIK. „Gerade deshalb aber steht sie in gesellschaftlicher Verantwortung.“
„Coming out“

Schellnhuber in der Humboldt-Viadrina School of Governance. Foto: PIK

Namentlich die Klimaforschung müsse die Gesellschaft über ihre Entdeckungen informieren, erklärte Schellnhuber – weil sie die Zukunft aller betreffen. Nötig sei ein „coming out“, eine „Flucht in die Öffentlichkeit“, sagte Schellnhuber. Erkenntnisse zur Erderwärmung würden von Entscheidern wie auch von Bürgern vielfach geistig verdrängt, weil sie unangenehm seien. Deshalb hätten Wissenschaftler die Aufgabe, der Öffentlichkeit „das zu sagen, was sie nicht hören will“, so Schellnhuber. „Wenn ich mehr weiß, als ich verantworten kann zu verschweigen, dann muss ich sprechen“.

Mehrere Philosophen unter den Teilnehmern sprachen von einem ethischen Dreieck Ich-Wir-Natur. Verantwortung zu übernehmen heiße, mit Gründen einzustehen für die Folgen des eigenen Handelns auf andere und die Umwelt. Wissenschaft sei mit ihren Ergebnissen immer schon in der Gesellschaft, sie müsse sich nicht erst in diese hineinbegeben – und könne sich gar nicht aus ihr heraushalten. Vereinzelte Naturwissenschaftler vertraten dagegen die Position, Wissenschaft sei zur strikten öffentlichen Zurückhaltung verpflichtet, wolle sie ihren guten Ruf wahren. Vertreter von Umweltverbänden forderten im Gegenteil mehr Engagement von der Wissenschaft.

Ein Modell pragmatisch-aufgeklärter Politikberatung stellte der PIK-Chefökonom Ottmar Edenhofer vor. „Oft fragt die Politik Sachzwänge nach, und die Wissenschaft bietet Sachzwänge an“, erklärte er. Es funktioniere aber nicht, wenn die eine Seite einfach Ziele vorgebe und die andere Seite hierfür die Mittel liefere – vielfach gebe es Folgen und Nebenfolgen, die eine neue Betrachtung der Ziele erforderlich machten. Und oft gebe es mehrere Wege zum Ziel. Wissenschaftliche Politikberatung müssten daher den Entscheidern mehrere Wenn-Dann-Optionen anbieten. Und sie müsse Lernprozesse bei der Umsetzung von Zielen organisieren, auch in institutionalisierter Form.

Eine ganze Reihe Teilnehmer will nun Möglichkeiten suchen, einen – wie es hieß – strukturierten Dialog zumindest zwischen Wissenschaft und Politik zum Thema Klimawandel und Energiewende anzuschieben.

 

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