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„Braunkohle ist nicht zukunftsfähig“: Forscher zu Gast im Landeskabinett

01.09.2011 - Wenn Brandenburg seine Klimaziele erreichen will, kann es mit Strom aus Braunkohle nicht einfach weitermachen wie bisher. Das und mehr haben Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) diese Woche in der Kabinettsitzung der Landesregierung vorgetragen. „Ein so offenes und intensives Gespräch zwischen Wissenschaft und Politik ist alles andere als selbstverständlich“, sagte PIK-Direktor Hans Joachim Schellnhuber. Bereits zum vierten Mal hatte Ministerpräsident Matthias Platzeck ihn und seine Kollegen zur Diskussion über Energiepolitik und Klimawandel eingeladen.

Der Abbau von Braunkohle in der Lausitz als Brennstoff für Großkraftwerke ist umstritten, weil dabei besonders viele Treibhausgase freigesetzt werden – zugleich aber Arbeitsplätze und Steuereinnahmen hiervon abhängen. „Ein Dilemma“, sagte Schellnhuber. „Aber Braunkohle ist nicht zukunftsfähig, wenn die Preise für Emissionszertifikate in Europa steigen.“ Und der Umstieg auf erneuerbare Energien biete Job-Chancen, „nicht umsonst ist Brandenburg bei den Erneuerbaren in Deutschland die Nummer Eins“.

Kürzlich hat die Landesregierung angekündigt, wegen mancher Ängste in der Bevölkerung das Abtrennen und Speichern von CO2 aus Kraftwerksabgasen (CCS, Carbon Capture and Storage) nicht weiter voranzutreiben. „CCS darf nicht einfach so vom Tisch gewischt werden“, sagte Schellnhuber. „Wir müssen wegkommen von der Dämonisierung dieser Technologie.“

Einen Weg biete hier CCX – das X steht für die Nutzung des CO2 oder für eine Kreislaufwirtschaft statt nur für die Speicherung. So kann CO2 zu Methan umgewandelt werden, das wie Erdgas eingesetzt werden kann. Hierfür ist Wasserstoff nötig. Dieser kann etwa mit Windstrom gewonnen werden, wenn es besonders stark weht und die anfallende Energie gespeichert werden muss, statt einfach ins Netz zu fließen. „CO2 sollte statt als Gift als Gebrauchsstoff betrachtet werden“, erklärte Schellnhuber.

Die Umwandlung zu Methan und CCS seien noch nicht marktreif, könnten dies aber in zehn oder fünfzehn Jahren sein, sagte Schellnhuber. „Technologische Durchbrüche sind eher die Regel als die Ausname – wenn entsprechend investiert wird.“ Brandenburg biete hier als Standort von Spitzeneinrichtungen der Geoforschung beste Voraussetzungen.

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