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Kippelemente, Meeresspiegelanstieg und Kosten des Klimaschutzes in Posen dargestellt

10.12.2008 - Auf der Klimakonferenz der Vereinten Nationen im polnischen Posen haben Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in vier Begleitveranstaltungen neue Erkenntnisse auf ihren Forschungsgebieten vorgestellt. Hermann Held berichtete über Kippelemente im Klimasystem der Erde. Stefan Rahmstorf fasste neue Abschätzungen zusammen, wie stark der Meeresspiegel ansteigen könnte. In den zwei anderen so genannten Side Events berichteten Brigitte Knopf und Ottmar Edenhofer, der Ko-Vorsitzende der IPCC-Arbeitsgruppe "Vermeidung des Klimawandels", aus ökonomischer Sicht über die Erreichbarkeit des Zwei-Grad-Ziels der Europäischen Union und die mit dem Klimaschutz verbundene Kosten.
Kippelemente, Meeresspiegelanstieg und Kosten des Klimaschutzes in Posen dargestellt

Der "Klimawandel-Kiosk" der UNFCCC. Quelle: UNFCCC/IISD

Auf einem Side Event der Föderierten Staaten von Mikronesien hielt Hermann Held einen Impulsvortrag über die Kippelemente im Klimasystem der Erde. Das sind Elemente, bei denen positive Rückkopplungen einsetzen und einen sich selbst verstärkenden Wandel herbeiführen könnten. Held war Koautor einer Studie zu neun Kippelementen, wie dem Grönländischen Eisschild und dem Amazonas-Regenwald, die bei der Fortentwicklung der internationalen Klimapolitik besonderes berücksichtigt werden sollten. Er hat ebenfalls zu einer Studie beigetragen, in der typische Vorläufer-Signale identifiziert wurden, anhand derer künftige durch die globale Erwärmung ausgelöste Kipp-Prozesse vorhergesagt werden könnten.

Der Anstieg des Meeresspiegels gilt als besonders schwerwiegende Folge des Klimawandels. Seit Erscheinen des vierten Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC Anfang 2007 sind neue Studien zu diesem Thema erschienen. In der Projektion des IPCC von einem maximalen Anstieg um 59 Zentimeter bis zum Jahr 2100 wurde nicht berücksichtigt, dass der Gletscherabfluss ins Meer plötzlich zunehmen kann. Wann solche Veränderungen eintreten, können Computer-Modelle bislang nicht berechnen, sie werden heute aber bereits beobachtet. Satellitendaten zeigen, dass der Eisschwund in Grönland und der Antarktis rund 40 Prozent zum Meeresspiegelanstieg der vergangenen fünf Jahren beigetragen hat, berichtete Stefan Rahmstorf in einem Side Event der Organisation Germanwatch. Nach der von Rahmstorf entwickelten semi-empirischen Berechnungsmethode könnte der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um 0,5 bis 1,4 Meter gegenüber 1990 steigen. Die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen könnte den Pegel jedoch deutlich darunter halten.

Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, das die EU sich gesetzt hat, bedarf es jedoch eines Portfolios von Vermeidungsoptionen und wahrscheinlich auch negativer Emissionen. Das legte Brigitte Knopf in einem Side Event dar, das der Worldwide Fund for Nature (WWF) gemeinsam mit dem EU-Projekt ADAM veranstaltete, an dem das PIK beteiligt ist. Negative Emissionen können erreicht werden, indem Biomasse verstromt und das anfallende Kohlendioxid abgeschieden und gespeichert wird. Das Zwei-Grad-Ziel mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erreichen, erscheint zu relativ geringen Kosten technisch möglich, resümierte Knopf.

Die Kosten der Klimastabilisierung wurden gemeinsam von Forschern des Euro-Mediterranean Centre on Climate Change (CMCC), des International Research Centre on the Environment and Development (CIRED) und des PIK untersucht. In ihrem Side Event mit dem Titel “The true costs of climate policy” („Die wahren Kosten der Klimapolitik“) berichtete Ottmar Edenhofer, dass der finanzielle Aufwand vor allem von dem Zeitpunkt abhängt, ab dem die verschiedenen Nationen am globalen Emissionshandel teilnehmen. Ein wichtiger Befund der Forscher ist der „first-mover-advantage“, ein Marktvorteil der EU, den sie durch die Begrenzung der Emissionen vor anderen gewinnen könnte. Diese Einschätzung und die Empfehlungen der Forscher beruhen auf Projektionen der modernsten europäischen Wirtschaftsmodelle.

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