Aus den bisher dargestellten Ergebnissen geht hervor, daß die Großwetterlagen in der Charakteristik ihres Auftretens zeitlich nicht konstant sind. Es stellt sich damit die Frage, ob diese zeitliche Variabilität auch bei der Betrachtung der Zusammenhänge zwischen den GWL und den meteorologischen Größen zu beobachten ist. Um diese Frage zu beantworten, wurden die am häufigsten auftretende zyklonale Lage (WZ) und antizyklonale Lage (HM) im Zusammenhang mit den meteorologischen Größen Tagesmaximum und -minimum der Lufttemperatur sowie der Niederschlagssumme für die Stationen Potsdam, Hamburg, Karlsruhe und München für den Sommer und den Winter untersucht. Zusätzlich ermöglicht die Auswahl der Stationen Aussagen zur zeitlichen Entwicklung der zentralen räumlichen Struktur der entsprechenden Witterung in Mitteleuropa. Die Ergebnisse sind in den Abb. 15 bis Abb. 26 graphisch dargestellt und können wie folgt interpretiert werden:
Sommer
Für T
max
weisen alle vier Stationen ein ähnliches Schwankungsverhalten auf, wobei für Karlsruhe immer die höchsten, für Hamburg immer die niedrigsten Werte zu beobachten sind. Nach dem absoluten maximum in den 30er Jahren ist der abfallende Trend, der bis zum Ende des Beobachtungszeitraums anhält (außer Karlsruhe) von Bedeutung. Er beträgt für die Stationen Potsdam, Hamburg und München ca. -2 K.
Für T
min
ist ein ähnliches zeitliches Verhalten zu beobachten wie für T
max
beschrieben, allerdings bei geringeren Schwankungsbreiten und einem nicht so stark ausgeprägten Trend ab Mitte der 30er Jahre.
Die zeitliche Entwicklung des Niederschlagsverhaltens ist für alle vier Stationen unterschiedlich. Bemerkenswert ist, daß sowohl Potsdam als auch Karlsruhe keinen nachweisbaren Trend aufweisen im Gegensatz zu München und Hamburg, bei denen ein Trend von ca. + 1 mm für das 10jährige Mittel der Tagessumme des Niederschlags über den Beobachtungszeitraum zu verzeichnen ist.
Winter
T
max
weist für alle vier Stationen bis in die Mitte der 70er Jahre keinen Trend auf. Dabei überschreitet die maximale Schwankungsbreite den Wert von 2 K nicht. Ab Mitte der 70er Jahre ist ein stetiger Trend zu beobachten, der bis zum Ende des Untersuchungszeitraums anhält und alle bisherigen Maxima um mindestens 1 K überschreitet.
Das zeitliche Verhalten für T
min
ähnelt wiederum dem für T
max
, allerdings mit folgenden wesentlichen Unterschieden: Zum einen ist der Temperaturrückgang in den 30er Jahren deutlicher ausgeprägt was insbesondere für München gilt. Zum anderen ist der Trend am Ende des Beobachtungszeitraumes nicht so stark wie bei T
max
.
Wie im Sommer ist auch im Winter das Niederschlagsverhalten der einzelnen Stationen deutlich voneinander verschieden. Allen Stationen gemeinsam ist der Niederschlagsrückgang in den 30er Jahren. Danach ist für Karlsruhe und München ein deutlicher positiver Trend (> 1 mm) zu beobachten, der für die beiden anderen Stationen dagegen nur sehr schwach ausgeprägt ist.
Sommer
Das zeitliche Verhalten von T
max
unterscheiden sich teilweise deutlich voneinander. Karlsruhe weist als einzige Station einen kontinuierlichen positiven Trend auf (> 2 K), der nur noch bei Hamburg in der ersten Hälfte des Beobachtungszeitraumes vorhanden ist. Potsdam und München haben keinen nachweisbaren Trend. Einige extreme Ereignisse, wie zum Beispiel der kalte Sommer 1963 in Europa, werden von allen Stationen wiedergegeben.
Für T
min
unterscheidet sich der zeitliche Verlauf an den einzelnen Stationen bis auf wenige extreme Ereignisse deutlich voneinander. Ein ausgeprägtes Trendverhalten kann für Potsdam und Karlsruhe nicht nachgewiesen werden. München und Hamburg haben bis Anfang der 70er Jahre einen deutlichen negativen Trend, danach einen positiven. Die positive Trendentwicklung ist auch bei Potsdam und Karlsruhe angedeutet.
Eine einheitliche Entwicklung des zeitlichen Niederschlagsverhaltens ist an den vier Stationen nicht zu verzeichnen. Am deutlichsten ausgeprägt ist die Niederschlagsabnahme an der Station München. Für Potsdam, Karlsruhe und Hamburg ist eine Interpretation des Trendverhaltens nicht möglich.
Winter
Für T
max
ist der zeitliche Verlauf an den vier Stationen annähernd synchron. Man kann drei Zeitperioden unterscheiden: 1901/10 - 1938/47 mit einer geringen Schwankungsbreite, 1939/48 - 1977/86 mit einer extrem vergrößerten Schwankungsbreite und den Zeitraum ab 1978/87, in dem eine Tendenz zur Rückkehr zu den Charakteristika der ersten Periode zu beobachten ist.
Die zeitliche Entwicklung für T
min
ist analog zu der von T
max
.
Das Niederschlagsverhalten an den vier Stationen ist über den gesamten Zeitraum ähnlich bei einem leicht negativen Trend. Auffällig ist der Ausreißer an der Station Hamburg im Zehnjahreszeitraum 1941/50. Er wird hervorgerufen durch zwei Starkniederschlagsereignisse am 07.01.1950 mit 27.0 mm und am 16.02.1950 mit 14.0 mm. Das Beispiel zeigt, daß solche Einzelereignisse bei der Interpretation besonders berücksichtigt werden müssen, da sie zu Fehleinschätzungen der gesamtklimatischen Situation führen können.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß neben der bereits diskutierten zeitlichen Variabilität der Großwetterlagen, deren Witterungsverhalten ebenfalls deutlichen zeitlichen und räumlichen Änderungen unterworfen ist.
Neben den hier dargestellten Ergebnissen bieten diese und auch die anderen Großwetterlagen noch weitere Interpretationsmöglichkeiten. Es muß darauf hingewiesen werden, daß die beschriebenen Zusammenhänge eine große Variationsbreite besitzen und wegen dieser Tatsache als nicht stationär angesehen werden können.
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