3.3 Zeitliche Entwicklung
Die zeitliche Entwicklung der Großwetterlagen kann man in zwei Richtungen verfolgen. Zum einen besteht die Möglichkeit, die zeitlichen Änderungen über den Beobachtungszeitraum zu untersuchen, zum andern kann man das Verhalten innerhalb einer Jahresperiode analysieren. Für die erste Möglichkeit wurden die Zirkulationsformen als Untersuchungsgröße ausgewählt, für die zweite als exemplarische Beispiele die Großwetterlagen WZ und HM.
Zur Beschreibung des zeitlichen Verhaltens der Zirkulationsformen wurden 10-jährige mittlere relative Häufigkeiten berechnet für eine 1-jährig gleitende Verschiebung über den Gesamtzeitraum. Die Ergebnisse sind für die Jahreszeiten und das Jahr in den
Abb. 2
bis
Abb. 6
dargestellt.
Wichtige Ergebnisse sind für
das Frühjahr:
-
Für alle ZF nimmt die Schwankungsbreite ab etwa 1941/50 stark zu.
-
Gemischte und meridionale ZF haben wie auch in allen anderen Jahreszeiten einen inversen Verlauf.
den Sommer:
-
Gemischte und meridionale ZF weisen zwei deutliche Minima bzw. Maxima auf (zu Beginn des Jahrhunderts sowie in den 60er/70er Jahren).
-
Der leicht negative Trend der zonalen ZF ist ab den 40er Jahren deutlich verstärkt.
den Herbst:
-
Neben dem leicht negativen Trend der meridionalen ZF ist ein Minimum in der Schwankungsbreite der gemischten ZF im Zeitraum 1900 bis ca. 1940 zu beobachten.
-
Die zonale ZF weist zwischen 1901/10 und 1916/25 sowie zwischen 1950/59 und 1961/70 zwei markante Minima auf.
den Winter:
-
Etwa ab Anfang der 60er Jahre bis zum Ende des Beobachtungszeitraumes nimmt die zonale und gemischte ZF stark zu bei gleichzeitig noch stärkerer Abnahme der meridionalen ZF.
das Jahr:
-
Im Jahresverlauf sind alle drei ZF weitestgehend trendfrei bis auf den deutlichen Rückgang der meridionalen ZF zum Ende des Beobachtungszeitraumes bei gleichzeitiger Zunahme der gemischten ZF.
Zur Beschreibung des zeitlichen Verhaltens von WZ und HM innerhalb des Jahres wurden die langjährigen relativen Häufigkeiten für jeden Tag ausgerechnet. Die Ergebnisse sind in den
Abb. 7
und
Abb. 8
dargestellt. Bekannt ist, und das geht auch deutlich aus beiden Abbildungen hervor, daß sowohl WZ als auch HM über einen gut ausgeprägten Jahresgang verfügt, mit jeweils zwei Maxima und Minima. Neben dieser Jahresperiode weisen beide Großwetterlagen noch kürzere Schwingen auf, am deutlichsten ausgeprägt bei WZ. Dies geht auch aus den in
Abb. 9
dargestellten Frequenzspektren hervor. Als gesichert Schwingungen können die für WZ mit einer Periodenlänge von ca. 37 Tagen und die für HM mit den Periodenlängen von etwa 91, 46 und 17 Tagen angesehen werden. Das bedeutet, daß diese beiden Großwetterlagen eine periodische Wiederholungsneigung in ihrem Auftreten zeigen.
Eine weitere Möglichkeit der Zusammenfassung der Großwetterlagen bietet der Vorschlag von BAUR
(1)
, bei dem in folgende Gruppen eingeteilt wird:
Wertet man diese Großwetterlagengruppen in gleicher Weise wie die ZF aus, erhält man folgende in den
Abb. 10
bis
Abb. 14
dargestellten Ergebnisse für:
Tab. 4: Zusammenfassung der Großwetterlagen nach BAUR
(1)
|
Gruppe
|
Bezeichnung
|
Abkürzung
|
Großwetterlagen
|
|
1
|
Mitteleuropäische
Hochdrucklage
|
H
|
HM, BM, NEA, SA, SWA, SEA, HFA, HNFA
|
|
2
|
Allg. antizyklonale Lage
|
A
|
H + NA, NWA, HNA, HB, WA
|
|
3
|
Mitteleuropäische
Tiefdrucklage
|
T
|
TM, TRM, HNZ, HNFZ, HFZ, NEZ, SEZ
|
|
4
|
Allg. zyklonale Lage
|
Z
|
T + WZ, WS, WW, SWZ, NWZ, SZ, NZ, TRW, TB
|
das Frühjahr:
-
Mit Beginn der 60er Jahre nehmen die antizyklonalen Lagen stark ab, die zyklonalen in gleicher Weise zu, um sich ab Mitte der 60er Jahre auf einem neuen Niveau einzupendeln. Die Änderungen betragen jeweils mehr als 10%. Gegen Ende des Beobachtungszeitraumes stellt sich der Zustand vor Beginn der 60er Jahre wieder ein.
den Sommer:
-
Bei den übergeordneten Gruppen (A u. Z) sind nur unterschiedlich große Schwankungen auf gleichbleibendem Niveau zu beobachten.
-
Dagegen weisen die Hochdrucklagen einen deutlich positiven Trend auf.
den Herbst:
-
Die Hochdrucklagen und die antizyklonalen Lagen weisen im ersten Drittel des Beobachtungszeitraumes einen positiven, danach einen negativen Trend auf, jeweils in einer Größenordnung von mehr als 10%, der sich bei den antizyklinalen Lagen gegen Ende des Beobachtungszeitraumes umkehrt. Für die zyklonalen Lagen ist ein inverser Verlauf zu beobachten.
-
Im Gegensatz dazu ist für die Tiefdrucklagen kein sichtbarer Trend festzustellen.
den Winter:
-
Die zyklonalen und antizyklonalen Lagen haben einen ähnlichen Verlauf wie im Frühjahr, nur daß der Beginn der Ab- bzw. Zunahme auf den Zeitraum um 1940 verschoben ist.
-
Die Hochdrucklagen nehmen bis Mitte der 80er Jahre kontinuierlich ab, danach ist ein leichter Anstieg zu verzeichnen.
das Jahr:
-
Im Jahr spiegeln sich die zyklonalen und antizyklonalen Lagen von Frühjahr und Winter deutlich wider.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß die Großwetterlagen, die Großwettertypen und die Zirkulationsformen sowohl bezüglich der Jahreszeiten als auch des Jahres innerhalb der beobachteten 117 Jahre starken Änderungen in der Häufigkeit ihres Auftretens unterworfen sind. Damit muß die Schlußfolgerung gezogen werden, daß für die Untersuchungen unter Verwendung von Angaben zur Zirkulation der gewählte Zeitraum sowie der gewählte Zirkulationsparameter eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielen.
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