Potsdamer
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31.7.2004, Babette Kaiserkern
Linien, Gebilde und
Formationen
Fotoausstellung des Klimaforschers Stefan
Rahmstorf in der Hegealallee 12
Oft wird heute geklagt über
die Aufsplitterung der Wissenschaften in einzelne Disziplinen,
ihre Entfremdung von lebensnahen Zusammenhängen, ja,
das Fehlen einer sinnstiftenden Zusammenschau des Ganzen.
Vor zweihundert Jahren erschien es einem Naturforscher wie
dem großen Alexander von Humboldt noch ganz selbstverständlich,
einen „Überblick der Natur im großen, Beweis
von dem Zusammenwirken der Kräfte, Erneuerung des Genusses,
welchen die unmittelbare Ansicht der Tropenländer dem
fühlenden Menschen gewährt“ zu liefern,
wie es in der Vorrede von Humboldts „Ansichten von
der Natur“ heißt. Solch fach- und sachübergreifende
Vorhaben begegnen heute eher misstrauischen Vorbehalten,
können gar unter „Hobby“-Verdacht fallen.
Umso erfreulicher ist daher, dass der renommierte Potsdamer
Klimaforscher und Professor Stefan Rahmstorf erstmals eine
Serie von Fotografien aus Neuseeland unter dem Titel „Earth
. Sea . Sky“ ausstellt. Der gebürtige Süddeutsche
hat Physik und Ozeanographie studiert, forscht seit 1996
am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und lehrt
über die „Physik der Ozeane“.
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Er fotografiert
seit seinem 12. Lebensjahr und möchte damit „magische
Momente festhalten, anderen zeigen, was ich sehe, meinen
Gefühlen Ausdruck geben“. Während seines
vierjährigen Aufenthalts in Neuseeland hat er an Forschungsreisen
teilgenommen, seine Dissertation fertiggestellt und viel
fotografiert. Neuseelands Natur hinterließ bei ihm
einen besonders starken Eindruck: Noch heute merkt er immer
wieder, „wieviel von der großartigen, andersartigen
Natur in mir lebendig ist, wie gerade in dem Zwischenzustand
zwischen Wachen und Schlafen oft Bilder, Gerüche, Klänge
dieses Landes in mir aufsteigen.“
Die achtzehn Fotos, die in den Räumen des Finanzdienstleisters
AFP in der Hegelallee 12 ausgestellt werden, fallen zunächst
durch ihre reduzierte, schwarz-weiße Nüchternheit
auf. Strukturen, Linien, Gebilde und Formationen von Naturphänomen
treten umso stärker hervor. Felsen mit ungewöhnlich
weichen Formen wirken wie altgewordene Körper. Im Meeressand
entstanden vielfältige lineare Gebilde mit regelloser
Regelmäßigkeit im einzigartigen Linienspiel,wie
es wohl kein Computer hinbekommen würde. Eine stark
vergößerte Mount Cook Daisy steht mit ihren sternförmigen
Blätter im einfallenden Sonnenlicht, das Licht und
Schatten darauf wirft. Andere Aufnahmen zeigen das Spiel
von Wasser, Luft, Erde, weniger die Landschaften als die
Elemente als solche. |
Feuer, das
Element der Zerstörung, der Verwandlung und der Zivilisierung
kommt nur indirekt als Blick auf erloschene Vulkane vor,
aus denen sich - zumal in Neuseeland gut sichtbar - Seen-
und Gebirgslandschaften gebildet haben. Rahmstorfs Fotos
sind keine Landschaftsaufnahmen im engen Sinn, denn sie
geben entweder vergrößerte Ausschnitte oder besondere
Momente wieder.
Oft erzählen sie eine Geschichte, wie „Before
the Storm“ oder „New Years Eve“, wo der
Einfall von Licht und Schatten sehr malerisch abgebildet
wird. Menschen und Artefakte, wie Häuser oder Schiffe,
erscheinen kaum und wenn, dann nur sehr klein inmitten der
großartigen Natur. Stefan Rahmstorf fühlt sich,
wie er in der Einführung schreibt, oft selber sehr
klein, wenn er sich einer solchen Landschaft bewegt und
im Angesicht der Kraft und Schönheit unserer Erde steht.
Vom „ewigen Einfluss, welchen die physische Natur
auf die moralische Stimmung der Menschheit ausübt“
(A. V. Humboldt), ist in den Fotografien viel spürbar,
allerdings in einem anderen, moderneren Sinn als bei Humboldt.
Mit ihrem melancholischen Schwarz-Weiß, ihrer abstrahierenden
Tendenz verwandeln die Bilder äußere Erscheinungen
in konkrete Chiffren des vielfältigen Formenreichtums
der Natur und kurze Momente in innere Erlebnisse von zeitloser
Dauer.
Die mittelgroßen Fotografien sind vom Fotografen von
Hand auf Barytpapier vergrößert worden und können
noch bis zum 31. Dezember betrachtet werden. |