Start des internationalen Klimafolgenforschungsprojektes MOTIVE
Auftakt für MOTIVE in Freiburg
Welche Bäume dem Klimawandel am besten Stand halten, ist eine der Kernfragen des internationalen Klimafolgenforschungsprojekts MOTIVE, das am 8. Mai 2009 an der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg in Freiburg auf den Weg gebracht wurde: Rund vierzig Projektteilnehmer nahmen an der Auftaktveranstaltung teil. In dem Projekt werden verschiedene Strategien entwickelt, mit denen die Forstwirtschaft auf den vielfach prognostizierten Klimawandel reagieren kann.
MOTIVE (‚Models for Adaptive Forest Management’) ist das größte waldbezogene Klimafolgenforschungsprojekt, das die EU im 7. Forschungsrahmenprogramm finanziert. Von dem gesamten Projektbudget von etwas mehr als neun Millionen Euro stellt die EU nahezu sieben Millionen Euro als Fördermittel zur Verfügung. Die Projektlaufzeit beträgt vier Jahre. Zwanzig Forschungseinrichtungen aus 14 EU-Ländern (Deutschland, Niederlande, Frankreich, der Schweiz, Österreich, Großbritannien, Dänemark, Finnland, Schweden, Spanien, Portugal, Rumänien, Tschechien und Bulgarien) sind an dem Projekt beteiligt. Die Partner sind im Wesentlichen Universitäten (9) und öffentliche Forschungsinstitute (8). Drei Partner sind private Forschungsinstitute, die Spezialaufgaben wie Datenbankverwaltung und Verbreitung der Ergebnisse im Rahmen des Projektes wahrnehmen sollen. Das Projekt wird an der FVA unter der Leitung von Prof. Dr. Marc Hanewinkel koordiniert.
Das Forschungsprojekt MOTIVE beschäftigt sich mit der Entwicklung und Bewertung von Anpassungsstrategien für die Bewirtschaftung der Wälder Europas unter sich ändernden klimatischen Bedingungen. Die Bewertung dieser Anpassungsstrategien, die darauf abzielen, die unterschiedlichen Waldfunktionen unter sich ändernden Umweltbedingungen und unter Berücksichtigung von Risiken zu erhalten, findet im Rahmen einer Szenarioanalyse und in einem regionalen landschaftsbezogenen Kontext statt. Dabei wird eine große Bandbreite möglicher Szenarien berücksichtigt: Sie umfassen optimistische Vorhersagen (keine größeren Änderungen für die Waldökosysteme), mögliche positive Effekte des Klimawandels (verlängerte Vegetationsperiode und dadurch erhöhtes Wachstum insbesondere im Norden Europas) und „worst-case“ -Szenarien (extreme Verschlechterung der Wachstumsbedingungen für Bäume). Die Untersuchungen werden auf verschiedenen zeitlichen Skalen (kurz-, mittel-, langfristig) und für die wichtigsten Waldtypen Europas durchgeführt. Bei der Durchführung der Forschungsarbeiten setzt MOTIVE auf eine Serie regionaler Fallstudien, in die Praktiker und Entscheidungsträger eingebunden sind.
Das Projekt ist in sieben ‚Arbeitspakete’ aufgeteilt: Neben Projektmanagement und der Interaktion mit Stakeholdern/Entscheidungsträgern und Verbreitung der Ergebnisse werden Basistrends und mögliche Zukunftsszenarien für die EU untersucht, verbesserte Modelle für eine angepasste Waldbewirtschaftung entwickelt, Bewirtschaftungsoptionen und Risiken getestet und bewertet sowie darauf aufbauend optimierte und angepasste Waldbewirtschaftungsstrategien entwickelt und in Form einer verbesserten Entscheidungsunterstützung für eine angepasste Waldbewirtschaftung umgesetzt.
Fallstudien für regional angepasste Waldbewirtschaftungsstrategien
Um dem breiten Spektrum der europäischen Wälder hinsichtlich der Baumartenverteilung, der ökologischen Bedingungen, Bewirtschaftungsziele, Risiken und der von der Gesellschaft erwarteten Wirkungen und Leistungen gerecht zu werden, wird die Anfälligkeit der jeweiligen Waldtypen für den Klimawandel regional spezifisch erfasst. Für die jeweiligen Waldtypen werden regional angepasste Waldbewirtschaftungsstrategien entwickelt. Dabei setzt MOTIVE auf eine Serie von Fallstudien, die eine große Bandbreite von Wachstumsbedingungen europäischer Wälder repräsentieren. Die dort erzeugten Ergebnisse für die verschiedenen Waldtypen können zur Entwicklung allgemeiner Empfehlungen und Richtlinien für die Bewirtschaftung der Wälder vor dem Hintergrund des Klimawandels verwendet werden.
Die Organisation sieht eine intensive
Einbindung von regionalen Entscheidungsträgern und Interessengruppen in Form
von regionalen Nutzerbeiräten vor. Daneben gibt es auf der Ebene des
Gesamtprojektes einen wissenschaftlichen Beirat, in dem hochkarätige
Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen das Projekt fachlich beraten. Bei der
Auswahl der Mitglieder des Beirates wurde darauf geachtet, dass Organisationen
vertreten sind, die auch mittelfristig als Partner für ein großes Forschungskonsortium
zum Thema Klimawandel von Interesse sind. So ist neben bedeutenden europäischen
Universitäten die Forschungsabteilung des US Forest Service ebenso vertreten,
wie ein großes kanadisches Klimaforschungsnetzwerk, die Universität von
Kalifornien in Berkeley, das Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena und
das Internationale
Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien.
Breitere Datenbasis für die Forschung an der FVA
Die an der FVA bestehende Arbeitsgruppe, die sich mit den Folgen des Klimawandels für die Wälder Baden-Württembergs beschäftigt, wird durch MOTIVE eine wesentliche Bereicherung erhalten. Durch die internationale Ausrichtung des Projektes können viele der Forschungsarbeiten, die an der FVA zum Thema Klimawandel derzeit laufen, z.B. zum Thema Auswirkungen auf das Waldwachstum auf einer wesentlich breiteren und besser abgesicherten Datenbasis stattfinden. Auch soll im Rahmen des MOTIVE –Projektes im Nördlichen Schwarzwald eine große Fallstudie durchgeführt werden. Viele der Forschungsarbeiten, die dort im Bereich Sozioökonomie laufen, passen unmittelbar in das Klimaforschungsprojekt der FVA und hätten bei Eigenfinanzierung durch das Land Baden-Württemberg erst zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt durchgeführt werden können.
Weitere Information:
PIK: Petra Lasch, lasch@pik-potsdam.de, phone: 2662
Gesamtkoordination:
Alfons BielingForstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg
Wonnhaldestr. 4
79100 Freiburg
Tel. 0761 4018 267
e-Mail: Alfons.Bieling@forst.bwl.de
