Richtigstellung zum Artikel „Im Maschinenraum des Klimas“

Im Artikel „Im Maschinenraum des Klimas“ von Ralf Nestler (erschienen im Tagesspiegel und in den Potsdamer Neuesten Nachrichten am 23.10.2009) werde ich mit den Worten zitiert: „Ohne diese Techniken werden wir den avisierten Pro-Kopf-Ausstoß von nur zwei Tonnen CO2 im Jahr nicht erreichen“. Dieses Zitat ist irreführend, da aus der vorangegangen Darstellung impliziert wird, mit „diese Techniken“ sei Geoengineering gemeint. Gemeint waren aber Techniken zur Vermeidung von CO2, die heute noch nicht marktreif sind oder sich in der Forschungsphase befinden, insbesondere die CCS-Technologie zur Abspaltung und Einlagerung von Kohlendioxid an fossilen Kraftwerken, aber auch Technologien zur Erzeugung von CO2 neutralem und regelbarem Strom (wie zum Beispiel solarthermische Kraftwerke mit ausreichenden Energiespeichern). Obwohl es keine allgemeingütige Definition von Geoengineering gibt, werden Techniken zur Vermeidung des CO2-Ausstosses in die Atmosphäre, wie z.B. die CCS-Technologie, in der Regel nicht darunter gefasst. Akzeptiert man diese Abgrenzung zwischen Geo-engineering und Vermeidungsmaßnahmen, wie der Artikel es auch zu tun scheint, dann ist das mir in den Mund gelegte Zitat nicht nur irreführend, sondern auch Unsinn. Denn Geoengineering Technologien, die sich gerade nicht auf die Vermeidung von CO2 Emissionen, sondern auf die Kompensation ihrer Wirkung beziehen, können natürlich nicht zu einer Verringerung des CO2 Ausstosses beitragen. Ich möchte hier ausdrücklich feststellen, dass ich die Verringerung des pro Kopf Ausstosses auf 2 Tonnen CO2, oder gar darunter, mit Hilfe eines Portfolios existierender und noch zu entwickelnder Vermeidungstechnologien, und bei gleichzeitiger Verringerung des pro Kopf Energieverbrauches für möglich halte.

Geoengineering kann nicht zur Verringerung des pro Kopf Ausstosses von CO2, sondern nur zur Kompensation der Folgen dieser CO2 Emissionen beitragen. Es war mein Eindruck, dass keiner der Diskutanten auf dem Zeit Forum Wissenschaft eine solche Kompensation für unumgänglich hielt, wie ebenfalls im Artikel impliziert wird. Es wurde stattdessen über die Frage diskutiert, ob ein Einsatz von Geo-engineering von vorneherein ausgeschlossen, oder zunächst ein besseres Verständnis über die Machbarkeit und Risiken der damit verbundenen Techniken erlangt werden soll. Der von mir wahrgenommene Tenor der Runde war, dass Forschung zu Geo-engineering, insbesondere zu dessen Risiken, zugelassen werden sollte. Ein Argument war, sich für den Fall wappnen zu wollen, dass die Anstrengungen zur Vermeidung von CO2 Emissionen hinter den Erfordernissen des Klimaschutzes zurückbleiben werden. In diesem Zusammenhang wurde noch einmal auf die Herausforderung hingewiesen, vor der wir stehen: Bei wachsender Bevölkerung und dem legitimen Entwicklungsanspruchs der armen und Schwellenländer eine substantielle Reduktion der CO2 Emissionen zu erlangen. Das impliziert aber keineswegs, dass Geo-engineering unumgänglich ist. Weder wurde gesagt, dass die CO2 Vermeidungsstrategien den Klimaschutz mit Sicherheit nicht gewährleisten können, noch wurde das Ergebnis der Forschung vorweggenommen, ob Geo-engineering angesichts der großen Risiken einiger Techniken überhaupt eine denkbare Option sein kann. Bei der Bewertung der Risiken ist es wichtig, zwischen Eingriffen in den Strahlungshaushalt der Erde wie das Einbringen von Aerosolen in die Stratosphäre, und Eingriffe in den Kohlenstoffgehalt der Atmosphäre, wie die direkte Entnahme von Kohlendioxid aus der Luft, zu unterscheiden. Es wurde von mir in der Diskussion gesagt, dass ich bei ersteren Techniken einen kategorischen Unterschied zu den Vermeidungsoptionen sehe, und daher die leichtfertige Einführung von Maßnahmen zur Manipulation des Strahlungshaushaltes in den Optionenfächer des Klimaschutzes nicht befürworten kann. 


Elmar Kriegler, Potsdam Institut für Klimafolgenforschung. Richtigstellung vom 27.10.09.